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08.01.2010

10:20 Uhr

Forderung der Union

„Öffnungsklausel für Azubi-Löhne“

VonBarbara Gillmann

Eine sinkende Zahl von Schulabgängern und steigendes Interesse am Studium: Ausbildungsberufe kämpfen derzeit mit vielen Problemen. Die Union will jetzt die Ausbildung junger Leute für Betriebe attraktiver machen und versucht unwillige Lehrherren mit neuen Vorschlägen zu ködern - auch um möglichem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Lehrling bei Siemens: Die Union will die Ausbildung junger Leute für die Betriebe attraktiver gestalten. ap

Lehrling bei Siemens: Die Union will die Ausbildung junger Leute für die Betriebe attraktiver gestalten.

BERLIN. Die Union fordert Öffnungsklauseln für die Lehrlingsgehälter. "Gerade bei hochtechnischen Ausbildungen können Vergütungen eine Hürde sein", sagte der Obmann der Unionsfraktion für Bildung, Uwe Schummer. Schwächere Azubis sollten zudem auf der Berufsschule am Nachmittag auch in Lesen, Schreiben und Mathe gefördert werden. Das werde "so manchen Handwerker motivieren, auch schwächere Schulabgänger auszubilden", ist er überzeugt.

Generell soll das dem Fachkräftemangel vorbeugen. Nach einer Prognos-Studie könnten schon 2015 drei Millionen Arbeitskräfte fehlen. 2009 klagte bereits jeder siebte Betrieb, er finde nicht genügend geeignete Lehrlinge. Das Problem verschärft sich durch die sinkende Zahl der Schulabgänger und das steigende Interesse am Studium. Daher sei auch die jüngste Forderung des DIHK nach einer Lockerung des Kündigungsschutzes "vorgestrig", sagte Schummer.

Der von der großen Koalition eingeführte Ausbildungsbonus von bis zu 6 000 Euro wurde bisher erst 28 000-mal beantragt. Ursprünglich hatte der Bund gehofft, damit 100 000 zusätzliche Plätze für schwächere Bewerber zu schaffen.

Um eine "Erstarrung am Ausbildungsmarkt" zu verhindern, forderte Schummer die Gewerkschaften auf, endlich dem Ausbildungspakt beizutreten. Dieser war 2004 angesichts der Lehrstellenkrise von Bundesregierung, Bundesagentur für Arbeit und der Wirtschaft gegründet worden. Statt um Quantität müsse es nun um Qualität und Flexibilität gehen.

Die derzeit rund 1,6 Mio. Lehrlinge in Deutschland erhalten im Schnitt 666 Euro pro Monat. Die Spanne reicht dabei von rund 900 für Maurer im Westen bis 269 für Friseurlehrlinge im Osten. Nicht-tarifgebundene Betriebe dürfen schon heute 20 Prozent unter Tarif zahlen. Das sei vielen aber nicht bekannt, so Schummer.

Der CDU-Politiker erneuerte seinen Vorstoß, ein Zehntel der Goldreserven der Bundesbank in Höhe von derzeit 85 Mrd. Euro für Stipendien in der akademischen und beruflichen Bildung zu verwenden.

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