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02.09.2014

01:00 Uhr

Forderung des CDU-Sozialflügels

Schneller mehr Geld für Leiharbeiter

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie Große Koalition will, dass Leiharbeiter künftig nach neun Monaten das Gleiche verdienen wie die Stammbelegschaft. Die Pläne stoßen auf Kritik. Der CDU-Arbeitnehmerflügel fordert eine schnellere Gleichstellung.

Die Pläne im schwarz-roten Koalitionsvertrag, Leiharbeiter bei der Bezahlung besser zu stellen, sind gut gemeint - profitieren würden davon allerdings nur wenige. dpa

Die Pläne im schwarz-roten Koalitionsvertrag, Leiharbeiter bei der Bezahlung besser zu stellen, sind gut gemeint - profitieren würden davon allerdings nur wenige.

BerlinDer Bundesvize der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, hält die von der Bundesregierung geplante Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) schon jetzt für hinfällig. „Wenn 56 Prozent der Leiharbeitsverhältnisse nach weniger als 3 Monaten und beinahe drei Viertel nach 9 Monaten beendet sind, geht die geplante 9-Monatsfrist ins Leere“, sagte der CDU-Politiker Handelsblatt Online. „Leiharbeitnehmer sollten nach einer angemessenen Einarbeitungszeit, spätestens nach 3 Monaten, zu denselben Bedingungen beschäftigt werden, wie die Stammbelegschaft.“

Der CDU-Politiker kritisierte zudem, dass sich die Bezahlung der Leiharbeitnehmer trotz tarifvertraglich vereinbarter Branchenzuschläge „deutlich unterhalb der Gehälter der festgestellten Arbeitnehmer“ bewege. „Die von den Leiharbeitnehmern geforderte Flexibilität muss auch für die Arbeitgeber ihren Preis haben“, betonte Bäumler.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will noch in diesem Jahr mit Vorarbeiten einer AÜG-Reform beginnen, 2015 soll das Gesetz beschlossen werden. Im Koalitionsvertrag haben sich Union und SPD darauf geeinigt, dass Leiharbeiter künftig nach neun Monaten das Gleiche verdienen sollen wie die Stammbelegschaft (Equal Pay) – und dass der Einsatz von Leiharbeitern auf 18 Monate begrenzt werden soll.

Die meisten Zeitarbeiter sind allerdings nicht so lange bei ihrem Verleiher beschäftigt, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken hervorgeht, aus der die „Stuttgarter Nachrichten“ zitieren. Demnach wurden im vergangenen Jahr 56 Prozent der Leiharbeitsverhältnisse nach weniger als drei Monaten beendet.

Die sechs Dimensionen der Gerechtigkeit

Bedarfsgerechtigkeit

Das Existenzminimum eines jeden soll garantiert gedeckt sein.

Leistungsgerechtigkeit

Jeder Einzelne soll in dem Maße vom gesellschaftlichen Wohlstand profitieren, in dem er dazu beigetragen hat.

Chancengerechtigkeit

Jedes Mitglied der Gesellschaft muss gerechte Chancen auf Arbeit, Bildung und Aufstieg haben.

Einkommensgerechtigkeit

Der Wohlstand soll möglichst gleich verteilt sein.

Regelgerechtigkeit

Die Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens müssen für jeden gleichermaßen gelten und zudem transparent und nachvollziehbar gestaltet sein.

Generationengerechtigkeit

Künftige Generationen sollen gegenüber der heutigen Generation nicht durch politische Entscheidungen benachteiligt werden.

Arbeitsmarktforscher sind auch der Auffassung, dass von den Plänen der Großen Koalition für eine Reform der Zeitarbeit nur verhältnismäßig wenige Leiharbeiter profitieren würden. Nur jeder vierte von ihnen sei länger als neun Monate als Zeitarbeiter beschäftigt, um nach den Koalitionsplänen beim Einsatz in ein und demselben Unternehmen den gleichen Lohn wie die Stammbelegschaft zu erhalten. Das geht aus einer jüngst veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hervor (IAB) hervor.

Für noch weniger Leiharbeiter brächte die von Union und SPD im Koalitionsvertrag vereinbarte Beschränkung von Leiharbeit auf maximal 18 Monate Vorteile. Denn nur jeder siebte Leiharbeiter sei im Jahr 2010 länger als eineinhalb Jahre in einem Zeitarbeitsunternehmen beschäftigt gewesen, stellten die Nürnberger Arbeitsmarktforscher fest. 2012 waren nach IAB-Angaben 878.000 Männer und Frauen bei einem Leiharbeitsunternehmen beschäftigt.

Kommentare (3)

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Frau Dagmar Kohlrausch

02.09.2014, 11:01 Uhr

"Die Branche wehrt sich allerdings gegen die Klassifizierung als „atypisch“ und verweist darauf, dass sie ihre Mitarbeiter fest und sozialversicherungspflichtig anstellt."

Ach, tatsächlic? Ich habe vor kurzen bei einem neuen Sklavenhalter angefangen. Vertragslaufzeit: 6 Monate. Okay, so weit, so gut. Der Einsatz lief über 14 Tage. Am Tag nach Ende des Einsatz bekam ich meine Kündigung mit einer Frist von zwei Tagen.

Bei zwei weiteren Firmen habe ich mich ganz gezielt auf eine offene Stelle beworben. Ich wurde geladen, durfte meine Daten da lassen und habe nichts mehr gehört. Diese Firmen sammeln Arbeitnehmerdaten auf Halde.

Aber in dieser Republik läuft ja alles rund!

Herr Wolfgang Trantow

02.09.2014, 11:46 Uhr

Leiharbeit? Dies muss unte Höchststrafe verboten werden. Wer keine feste Mitarbeiter beschäftigen kann oder will, hat am Markt nichts zu suchen!!!

Herr D. Dino54

02.09.2014, 16:58 Uhr

Zu meiner Ausbildungszeit bekamen Leiharbeiter +/- 40% mehr Lohn/Gehalt als fest Angestellte.

Hier und heute, seit der Deregulierung im Arbeitsrecht unter ROT/GRÜN, sprechen wir vom asozialen, politisch gewollten, zugelassenen Missbrauch !

Leih- und Werkvertrag gehören nur mit Ausnahme für Unternehmen in betracht, stark kontrolliert und geregelt!
Aber, nicht für diese Sklavenlöhne und Bedingungen !!!

Wieder mal eine ALIBI - Politik, wen betrifft es überhaupt, wer ist länger als 9 Monate in einem Betrieb als Leiharbeiter tätig ?

Mittlerweile zuwider diese dummen, gewollten Spielchen seitens der Politik und profitierende Lobby !

Die Betroffenen werden noch von unseren "Volksvertretern" verars..t !!! Armselig !

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