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01.10.2012

14:25 Uhr

Forsa-Chef Güllner

„Die SPD hat keinen richtigen Kandidaten“

VonDaniel Delhaes

Die Sozialdemokraten feiern ihren Kanzlerkandidaten - doch diese Freude ist zu früh, warnt Meinungsforscher Manfred Güllner im Interview. Peer Steinbrück sei kein Traumkandidat, und ihm drohten Brüche mit der Partei.

Manfred Güllner ist Geschäftsfuehrer des Instituts Forsa. dapd

Manfred Güllner ist Geschäftsfuehrer des Instituts Forsa.

Handelsblatt: Die SPD zieht mit Peer Steinbrück als Kanzlerkandidat in den Bundestagswahlkampf 2013. Halten Sie das für eine gute Wahl?
Manfred Güllner: Die SPD steht wie nach 1982 vor dem Problem, dass sie keinen richtigen Kandidaten hat. Weder ist einer vom Typus Helmut Schmidt in Sicht noch ein Gerhard Schröder. Nachdem Parteichef Sigmar Gabriel und SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier nicht wollten, bleibt der Partei wohl nichts anderes übrig, als Peer Steinbrück zu nehmen - er ist der Einzige, der wirklich will.

Das heißt, Peer Steinbrück ist der falsche Kandidat?

Es ist zunächst einmal eine fatale Situation für die SPD. Nach dem Regierungswechsel 1982 hat die SPD 16 Jahre gebraucht, bis sie mit Schröder den richtigen Kandidaten gefunden hat. Heute hat sie einfach keinen wie ihn.

Was fehlt Steinbrück?

Die Menschen nehmen ihn sehr finanztechnokratisch wahr - auch wenn er sich verbreitert. Man könnte meinen, dass das in der Euro-Krise wichtig sei. Aber Merkel tritt als Kümmerin auf und zeigt den Menschen, dass die Krise mit ihr nicht auf den Alltag durchschlägt. Das honorieren die Menschen.

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Steinbrück könnte versuchen, kompetenter als Merkel in der Krise zu wirken.

Er hat aber nicht die Führungsqualitäten, die dafür nötig wären. In NRW etwa wollte er als Ministerpräsident den Koalitionspartner wechseln und von den Grünen auf die FDP umschwenken. Das hat nicht funktioniert.

Die SPD setzt auf Rot-Grün. Was bedeutet es für die Glaubwürdigkeit des Kandidaten, wenn die Partei jetzt weiter nach links rückt und etwa die Rente mit 67 aufweicht?

Es wird spannend sein, welche Brüche es zwischen dem Kandidaten und der Partei geben wird. Steinbrück wird erklären müssen, warum er frühere Positionen nicht mehr vertritt. Das wird dazu führen, dass er das bürgerliche Lager nicht von sich überzeugen kann.

Aber er muss doch sozial auftreten, um zu überzeugen, oder nicht?

Die SPD hat die soziale Kompetenz noch. Das vergisst sie zu leicht. Sie muss dies aber verkörpern. Steinbrück wird sich verbiegen müssen, um die Kluft zwischen ihm und der SPD zu schließen. Ich sehe nicht, wie Steinbrück die SPD wieder Richtung 30 Prozent führen will. Mit den Themen Reichensteuer und Vermögensabgabe gelingt es nicht.

Heißt das, Angela Merkel muss sich keine Sorgen machen?

Wenn sie keine Fehler wie bei der Energiewende macht und ihre erfolgreiche Positionierung als Kümmerin beibehält, dann muss sich Angela Merkel nicht sorgen. Steinbrück fehlt das für einen Kanzler wichtige Image des Generalisten, der auch Antworten in der Familienpolitik oder der Bildung hat. Obendrein gibt es keine Wechselstimmung im Land.

Kommentare (5)

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01.10.2012, 14:38 Uhr

"Aber Merkel tritt als Kümmerin auf und zeigt den Menschen, dass die Krise mit ihr nicht auf den Alltag durchschlägt."
Und die Menschen meken auch nicht, daß sie damit lügt...

HofmannM

01.10.2012, 15:04 Uhr

Keine Bundestagspartei kann dem Deutschen Volk den Wohlstand zurückbringen! Alle zocken uns über das menschengemachte CO2-Angstmärchen, der Energiewende und seit neuesten über die "Green Economy" immer mehr Wohlstand ab. Zum Schluss werden wir (das Volk) jeden Cent für die Energie und deren Folgekosten (Lebenshaltungskosten) ausgeben!

Torsten_Steinberg

01.10.2012, 15:29 Uhr

"Steinbrück fehlt das für einen Kanzler wichtige Image des Generalisten, der auch Antworten in der Familienpolitik oder der Bildung hat."
Das ist in der Sache richtig, aber völlig falsch in der Interpretation. Wohin man kommt, wenn ein Generalist alles allein entscheiden muss, weil sämtliche Minister einer Regierung, im unentwirrbaren Kompetenzgerangel verfangen, sich über den Status untereinander zerstrittener Lakaien nicht erheben können, zelebriert in geradezu sadomasochistischer Manier die Koalition in aller Öffentlichkeit sattsam vor. Da muss eine Kanzlerin Entscheidungen auch dort treffen, wo hochdotierte Minister und Staatssekretäre sie an Fachwissen und Kompetenz haushoch überragen (jedenfalls doch einige), aber sich als unfähig erweisen, für ihre Lösungen konsensfähige Mehrheiten zu schaffen. Was für eine Wohltat wird es sein, wenn es der SPD gelingen sollte, eine Regierung zu stellen, deren Minister im Rahmen von Parteiprogramm und Regierungskonzept funktionieren und reibungslos zusammenarbeiten, während ein Kanzler Steinbrück sich neben Wahrnehmung der Richtlinienkompetenz auf sein Fachressort beschränken kann. Merke: Es kommt nicht darauf an, einen Kanzler zu haben, der alles besser zu wissen und zu können glaubt, sondern eine gute Mannschaft zu haben, in der jeder machen darf, was er am besten kann! Da kann Merkel noch so viele Fußballspiele besuchen, dieses Prinzip scheint sie noch nicht so ganz verstanden zu haben.

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