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11.11.2015

15:30 Uhr

Forschung

Reform soll Hochschul-Karriere verlässlicher machen

Jüngere Hochschulforscher und -lehrer müssen oft mit kurzen Vertragslaufzeiten leben. Gewerkschaften sprechen schon von einem „Uni-Prekariat“. Eine Gesetzesreform soll das in absehbarer Zeit ändern.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht bei den gesetzlichen Neuregelungen für Nachwuchswissenschaftler in Deutschland erheblichen Nachbesserungsbedarf. dpa

Reform gefordert

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht bei den gesetzlichen Neuregelungen für Nachwuchswissenschaftler in Deutschland erheblichen Nachbesserungsbedarf.

BerlinDie Karrierewege unterhalb der Professoren-Ebene an deutschen Hochschulen werden per Gesetzesänderung in absehbarer Zeit verlässlicher oder zumindest transparenter. Ein notwendiger Schritt – darüber waren sich Experten aus Wissenschaft und Gewerkschaften am Mittwoch bei einer Anhörung im Forschungsausschuss des Bundestages weitgehend einig. Denn in den vergangenen Jahren war die Befristungspraxis bei Uni-Arbeitsverträgen ausgeufert. Keinen Konsens gab es, wie weit die Reform des 2007 eingeführten und seither stets umstrittenen Wissenschaftszeitvertragsgesetzes gehen soll. Die Novelle soll noch im Dezember vom Parlament verabschiedet werden.

Viele jüngere Hochschulforscher und -lehrer müssen mit kurzen Vertragslaufzeiten von nur bis zu einem Jahr leben und daher bei ihrer privaten wie beruflichen Planung Abstriche in Kauf nehmen. Die Gewerkschaften sprechen von einem „Uni-Prekariat“ und fordern schon lange „Dauerstellen für Daueraufgaben“ – damit Wissenschaft zum „Traumjob“ werden könne.

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Vor diesem Hintergrund erhöhte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) vor der Anhörung den Druck auf die große Koalition, ihre Gesetzespläne noch einmal nachzubessern. „Die Bundesregierung muss eine konkrete verbindliche Mindestlaufzeit für die Zeitverträge verankern“, sagte die stellvertretende DGB-Chefin Elke Hannack der Deutschen Presse-Agentur. Sie schlug „mindestens drei Jahre“ vor. „Hire-and-Fire-Mentalität schadet den Hochschulen und Forschungseinrichtungen“. Denn damit bleibe „die Kontinuität und damit die Qualität der Arbeit auf der Strecke“, sagte Hannack.

Für die Unis als Arbeitgeber warnte Hochschulrektoren-Präsident Horst Hippler davor, mit der Reform zu weit zu gehen und die erforderliche Dynamik des Systems zu gefährden. Eine Garantie für sichere Karrierewege gebe es an den Hochschulen nicht, sagte er – das könne nur eine Bestenauswahl gewährleisten. Nikolaus Blum vom Helmholtz-Zentrum München (Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt) meinte, der Gesetzentwurf aus dem Forschungsministerium habe das richtige Maß und mache „Flexibilität bei den Stellenlaufzeiten“ auch weiterhin möglich.

Für Ludwig Kronthaler, den Generalsekretär der Max-Planck-Gesellschaft, ist die Novelle ebenfalls sachgerecht. „Das oberste wissenschaftliche Ziel ist die Ausbildung von Exzellenzen“, sagte er. Für die Besten müsse es gleichwohl attraktiv sein, in diesen Wettbewerb einzutreten. Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Peter Strohschneider, blickte nach vorn: „Es muss einen dritten Weg jenseits eines Aufstiegs auf eine Professur oder einem Ausstieg aus dem Wissenschaftssystem geben.“

Von

dpa

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