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18.01.2010

15:05 Uhr

Fragen & Antworten

Warum die Hotel-Steuer der FDP auf die Füße fällt

Die Senkung der Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen von 19 auf sieben Prozent sorgt für heftigen Streit. Von reiner Klientelpolitik sprechen SPD, Linke und Grüne. Es gehe darum, Deutschland im Wettbewerb mit Nachbarländern zu stärken, in deren Hotelgewerbe bereits niedrigere Mehrwertsteuersätze gelten, argumentiert die Regierung. Und der FDP wird Klientelpolitik vorgeworfen. Warum eigentlich?

Warum wird von Klientelpolitik gesprochen?

Weil eine Branche einseitig subventioniert wird, argumentiert die Opposition. Der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte 2009 auf EU-Ebene mit seinen Kollegen den Weg für niedrigere Steuern im Hotel- und Gastgewerbe frei gemacht, eine Umsetzung für Deutschland aber abgelehnt. Besonders der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hatte Druck für die Senkung gemacht - sein Präsident Ernst Fischer ist FDP-Mitglied. Aber: Die FDP hatte das Vorhaben schon 2007, lange vor der kritisierten Millionenspende eines Hotel-Unternehmens, in ihr Programm aufgenommen.

Kann die Senkung ein Segen sein für die Hotellerie?

Dehoga-Präsident Fischer sagt, dass ohne die Senkung 100 000 Arbeitsplätze akut gefährdet seien. FDP-Generalsekretär Christian Lindner wiederholte diese Argumentation am Montag wortgleich. Das Beherbergungsgewerbe, das besonders unter dem Rückgang bei Geschäftsreisen leidet, verzeichnet seit längeren erhebliche Umsatzeinbußen. Ob von der Maßnahme ein nachhaltiger Wachstumsimpuls zu erwarten ist, ist aber umstritten. Eine Umfrage unter 5700 Hotel- Unternehmern ergab, dass im Schnitt nur 21 Prozent des zusätzlichen Geldes in Preissenkungen fließen sollen.

Wer war der Motor in der Koalition für eine Hotel-Steuer?

FDP und CSU - die beide hohe Spenden von dem Milliardär August Baron von Finck bekommen haben, dessen Familie Miteigentümer der Mövenpick-Gruppe mit 14 Hotels in Deutschland ist. Die CSU startete im Frühjahr 2009 eine Bundesratsinitiative und machte die Forderung zum Wahlkampfthema. Wie eine Auswertung von dpa-RegioData ergab, entfällt jede fünfte Gästeübernachtung in Deutschland auf ein Hotel oder eine Pension in Bayern.

Seit Januar gibt es die Hotel-Steuer. Wie sind die Erfahrungen?

Acht Wirtschaftsverbände beschwerten sich einem „Welt“-Bericht zufolge bei der Bundesregierung über die neue Regelung. Sie mache die Abrechnung von Dienstreisen komplizierter, heiße es in einem Brief an das Bundesfinanzministerium. Kern des Problems ist, dass der niedrigere Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent nur für die Übernachtung gilt. Das Frühstück wird weiter mit 19 Prozent besteuert.

Kommentare (5)

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Gregor Keuschnig

19.01.2010, 14:39 Uhr

Vielleicht kann mir der Autor helfen: Wo steht der beschluss aus dem Jahr 2007 über die Mehrwertsteuerreduzierung bei Hotels? ich habe ihn auf der Webseite der FDP nicht gefunden.

Matthias Luhn

20.01.2010, 02:13 Uhr

Hallo Herr Keuschnig. in der Tat steht das Thema Vereinheitlichung der besteuerung in der Hottelerie im Wahlprogramm der FDP von 2005 (läßt sich leicht ergoogeln das pdf). Was allerdings der Grund für die Krise des Sektors ist wird wenig thematisiert denn das würde die wahnwitzigen Heilsversprechen der privaten Vorsorge die die FDP und auch das ganze bürgerliche Lager trotz der Verwerfungen der Finanzkrise vehement verteidigen in sich zusammenstürzen lassen. Der Grund warum die Hotelbranche so am Hungertuch nagt liegt in den Renditeerwartungen unzähliger geschlossener immobilienfonds begründet von denen mal alle privaten Vorsorgeprodukte finanziert und ausbezahlt werden sollen und da geht es seit Jahren mit den Renditen bergab weil mehr gebaut wurde als jemals gebraucht werden wird. Für Details zu diesen absurden Erwartungen an solche Finanzkonstruktionen empfiehlt sich der Film "Lets Make Money" der eindrücklich beschreibt wie Unsummen in leerstehende Rentnerparadiese bspw. in Spanien versenkt wurden die nun leerstehen und den Staat Geld kosten bevor sie dann um den Markt wieder zu bereinigen wieder abgerissen werden. All diese ökomonisch völlig unsinnigen Dinge verdanken wir dem schwachsinnigen Renditestreben Aufgrund der ideologischen Ausrichtung auf private Vorsorge und Nutznießer all dieser Dinge sind immer diejenigen die genug Kohle haben um daran zu verdienen solange es noch was zu verdienen gibt. Mittlerweile investiert keiner mehr in solche schneeballsystemähnlichen Dinge. Jeder eingeweihte Finanzexperte weiß das dieses System nicht funktionieren kann aber solange sie daran verdienen halten sie besser die Klappe. Und genau diese Klientel vertritt die FDP. Noch Fragen? Die Milliarde schützt letztlich ein paar geschlossene immobilienfonds für ein weiteres Jahr vor dem Kollaps. Aber am Ende werden sie alle kollabieren.

Sebastian Pöhlmann

03.07.2010, 12:09 Uhr

Allen anders lautenden Meinungen zum Trotz muss ich die "Hotel"- Steuer nur bedingt in Frage stellen. Zugegeben, warum eine Absenkung um 12 Prozent nötig war/ sein sollte und welches Experten- Team diese 7 Prozent errechnet hat ist mir als HOTELbETREibER;) wirklich schleierhaft. Ein Konsens aller Diskussionen würde sich bei 10-12 Prozent sicherlich finden lassen.
Somit wäre die Übernachtungs-branche weiterhin entlastet um zu gesunden und sicher würde sich keine der beiden Parteien beschweren, langfristig könnte mit diesen Ersparnissen weiterhin gearbeitet werden.

Jetzt aber zum eigentlich interessanten Kern der Geschichte:

1.
Zuallererst möchte ich mit dem Vorurteil des Cabriofahrenden Nutznießers dieser Steuerkürzung in Affront gehen !!!
Eine prozentuale Verteilung der betten im Gastgewerbe nach Hotels, Hostels, Pensionen....wer der Kritiker hat diese bereits vor Augen gehabt ???

Na also, ich selbst auch nicht. Wer hat bereits in einer Pension übernachtet wo die Großmutter das Frühstück zubereitet, die Schwiegertochter mit der Tochter reinigt und der Mann neben seinem eigentlichen Job Abends und Wochenends das Haus wartet ??? ( Richtig, typisches Ski-Urlaub-Klischee....)
Sieht diese full- time-job Familie nach dem großen Geld aus ?
You specialists think about it......

2.
Und nun die eigentlich interessante Facette des ganzen Spektakels:

Genau diese genannte Gruppe von Anbietern im Übernachtungssektor ( welche den Monsteranteil darstellt ) ist mit den ersparten Steuern bestimmt nicht zur Schweizer bank oder ins nächste Autohaus geflitzt und hat auch nicht am abgestürzten spanischen immobilienmarkt die nächsten netten Objekte "geschossen " sondern hat dringend benötigte Arbeiten durchgeführt (und vor allem durchführen lassen !!), längst überfällige neue Möbel gekauft, neue Mitarbeiter eingestellt weil ein Objekt einfach Arbeit mit sich bringt oder in Werbung investiert und Gäste entgegen aller behauptungen NiCHT vom Himmel fallen.

Somit ist das Geld ja bereits wieder im Kreislauf eingebracht, zum Teil lange vor der eigentlichen Ersparnis (Darlehen, Kredit ? Eine beleihung der zu erwartenden Ersparnisse aufgrund der bWA´s der Vorjahre ist ja wohl nicht unüblich. )

bWA- betriebswirtschafliche Abrechnung;)

So, nun reagieren die Kommunen und erarbeiten sogenannte Übernachtungspauschalen pro Kopf und Nacht, ähnlich der normalen Steuer abzuführen. Die Prozesse in ganz Deutschland sind bereits in Gang, dies bitte ich alle die ihren Senf dazu geben müssen oder wollen mal kurz auf den bildschirm zu bringen und dann noch einmal zu urteilen.

Meine Prognose für 2011/-12:
Steuersenkung durch kommunale Aufschläge abgepuffert, die ursprüngliche Steuersenkung zurückgezogen, weiterer Preisanstieg in den Unterhaltungskosten eines Objekts (Müll, Wasser, Abwasser, Gas, Strom, Gema, GEZ, etc. ) und ein für Kleinbetriebe teilweise vernichtendes Gesamtergebnis...mehr Ausgaben als vorher und keineswegs bei gleicher Auslastung.

Langfristig gesehen gut ausgedacht und wieder ein Knallerpaket für den Mittelstand in Deutschland. Denken Sie auf dem Weg in die kleine Frühstückspension an der Ostsee oder den Alpen darüber nach, oder wenn Sie einen netten Gästebucheintrag vor Ort hinterlassen weil Sie sich runherum wohlgefühlt haben und es ja so persönlich und nett war bei dem älteren Gastgeberpaar im süßen aber doch modernen bauernhaus.


Vielen Dank,
Sebastian Pöhlmann
inhaber re4-hostel in ErfAllen anders lautenden Meinungen zum Trotz muss ich die "Hotel"- Steuer nur bedingt in Frage stellen. Zugegeben, warum eine Absenkung um 12 Prozent nötig war/ sein sollte und welches Experten- Team diese 7 Prozent errechnet hat ist mir als HOTELbETREibER;) wirklich schleierhaft. Ein Konsens aller Diskussionen würde sich bei 10-12 Prozent sicherlich finden lassen.
Somit wäre die Übernachtungs-branche weiterhin entlastet um zu gesunden und sicher würde sich keine der beiden Parteien beschweren, langfristig könnte mit diesen Ersparnissen weiterhin gearbeitet werden.

Jetzt aber zum eigentlich interessanten Kern der Geschichte:

1.
Zuallererst möchte ich mit dem Vorurteil des Cabriofahrenden Nutznießers dieser Steuerkürzung in Affront gehen !!!
Eine prozentuale Verteilung der betten im Gastgewerbe nach Hotels, Hostels, Pensionen....wer der Kritiker hat diese bereits vor Augen gehabt ???

Na also, ich selbst auch nicht. Wer hat bereits in einer Pension übernachtet wo die Großmutter das Frühstück zubereitet, die Schwiegertochter mit der Tochter reinigt und der Mann neben seinem eigentlichen Job Abends und Wochenends das Haus wartet ??? ( Richtig, typisches Ski-Urlaub-Klischee....)
Sieht diese full- time-job Familie nach dem großen Geld aus ?
You specialists think about it......

2.
Und nun die eigentlich interessante Facette des ganzen Spektakels:

Genau diese genannte Gruppe von Anbietern im Übernachtungssektor ( welche den Monsteranteil darstellt ) ist mit den ersparten Steuern bestimmt nicht zur Schweizer bank oder ins nächste Autohaus geflitzt und hat auch nicht am abgestürzten spanischen immobilienmarkt die nächsten netten Objekte "geschossen " sondern hat dringend benötigte Arbeiten durchgeführt (und vor allem durchführen lassen !!), längst überfällige neue Möbel gekauft, neue Mitarbeiter eingestellt weil ein Objekt einfach Arbeit mit sich bringt oder in Werbung investiert und Gäste entgegen aller behauptungen NiCHT vom Himmel fallen.

Somit ist das Geld ja bereits wieder im Kreislauf eingebracht, zum Teil lange vor der eigentlichen Ersparnis (Darlehen, Kredit ? Eine beleihung der zu erwartenden Ersparnisse aufgrund der bWA´s der Vorjahre ist ja wohl nicht unüblich. )

bWA- betriebswirtschafliche Abrechnung;)

So, nun reagieren die Kommunen und erarbeiten sogenannte Übernachtungspauschalen pro Kopf und Nacht, ähnlich der normalen Steuer abzuführen. Die Prozesse in ganz Deutschland sind bereits in Gang, dies bitte ich alle die ihren Senf dazu geben müssen oder wollen mal kurz auf den bildschirm zu bringen und dann noch einmal zu urteilen.

Meine Prognose für 2011/-12:
Steuersenkung durch kommunale Aufschläge abgepuffert, die ursprüngliche Steuersenkung zurückgezogen, weiterer Preisanstieg in den Unterhaltungskosten eines Objekts (Müll, Wasser, Abwasser, Gas, Strom, Gema, GEZ, etc. ) und ein für Kleinbetriebe teilweise vernichtendes Gesamtergebnis...mehr Ausgaben als vorher und keineswegs bei gleicher Auslastung.

Langfristig gesehen gut ausgedacht und wieder ein Knallerpaket für den Mittelstand in Deutschland. Denken Sie auf dem Weg in die kleine Frühstückspension an der Ostsee oder den Alpen darüber nach, oder wenn Sie einen netten Gästebucheintrag vor Ort hinterlassen weil Sie sich runherum wohlgefühlt haben und es ja so persönlich und nett war bei dem älteren Gastgeberpaar im süßen aber doch modernen bauernhaus.


Vielen Dank,
Sebastian Pöhlmann
inhaber re4-hostel in Eurt

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