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26.10.2011

19:20 Uhr

Frank-Jürgen Weise

„Es gibt keine Hinweise auf eine tiefe Rezession“

VonDietrich Creutzburg

Trotz des nachlassenden Wirtschaftswachstums spricht alles dafür, dass die Arbeitslosigkeit weiter sinkt, so Frank-Jürgen Weise. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit über Fachkräftebedarf und sinkende Defizite.

Frank-Jürgen Weise, der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA). dpa

Frank-Jürgen Weise, der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Herr Weise, vor kurzer Zeit gab es noch die Hoffnung auf einen baldigen Rückgang der Arbeitslosenzahl auf unter 2,5 Millionen. Wie viel ist davon angesichts der in den vergangenen Wochen abflauenden Konjunktur noch übrig?

Die Hoffnung ist jetzt gedämpfter. Diese optimistische Variante der Erwartungen wird aller Voraussicht nach kurzfristig nicht eintreffen. Trotzdem sprechen alle Anzeichen dafür, dass die Arbeitslosigkeit in den kommenden Jahren weiter sinken wird. Und das ist schon sehr bemerkenswert und freut mich. Trotz nachlassender Dynamik in der Wirtschaft scheint sich der Arbeitsmarkt immer noch gut zu entwickeln.

Man weiß aber spätestens seit dem Jahr 2009, dass aus nachlassender Dynamik sehr schnell eine dramatische Rezession werden kann.

Umso mehr sollte man es vermeiden, sich selbst erfüllende negative Prophezeiungen in die Welt zu setzen. Und wir haben ja unsere Arbeitsagenturen, die laufend flächendeckend die Einschätzungen der Unternehmen zur Geschäfts- und Beschäftigungsentwicklung erfassen. Das Bild ist klar: Es gibt keine Hinweise auf eine tiefe Rezession.

Schon in vier Jahren, im Jahr 2015, werden allein wegen der schnellen Alterung der deutschen Gesellschaft runde 800000 Arbeitskräfte weniger verfügbar sein. Müsste da die Arbeitslosigkeit nicht eigentlich viel stärker sinken?

Die Demografie ist in jedem Fall ein Faktor, der unabhängig von der Konjunktur den Rückgang der Arbeitslosigkeit begünstigt. Unter den Arbeitslosen sind nun aber umso häufiger Menschen, die höhere Hürden überwinden müssen. Etwa Menschen ohne Berufsausbildung.

Hat die Debatte über den wachsenden Fachkräftemangel, die im vergangenen Wirtschaftsboom geführt wurde, das wahre Fachkräfteproblem vielleicht sogar ein wenig überzeichnet?

Es zahlt sich aus, wenn man mit Begriffen präzise ist. Ich habe immer von einem hohen Bedarf an Fachkräften gesprochen, der voraussichtlich weiter wachsen wird. Und das ist eben der Punkt: Insbesondere bei den mathematisch-technischen Berufen wird der Bedarf der Unternehmen auch über das nächste Konjunkturtal hinaus weiter steigen - und zwar stärker als die Zahl der Fachkräfte, die unter konventionellen Umständen nachwächst.

Und was bedeutet das nun für die Entwicklung der Arbeitslosigkeit?

Auf der einen Seite erkennen Arbeitgeber, dass sie bei der Personalsuche anders als früher nicht mehr immer ihr Idealprofil durchsetzen können. Das ist durchaus positiv. Es erhalten jetzt öfter auch Menschen eine Chance, die früher aussortiert worden wären. Auf der anderen Seite ist es ein großer Vorteil, dass der deutsche Arbeitsmarkt ein Stück offener geworden ist für Fachkräfte aus dem Ausland - vor allem dank der EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit.

Wie sehr bremsen die neuen Knappheitsverhältnisse am Arbeitsmarkt heute schon das Wirtschaftswachstum?

Das kann man schwer beziffern. Aber natürlich sehen sich Unternehmen schon gehemmt, wenn sie offene Stellen nicht mehr zügig besetzen können. Eine noch größere Gefahr entsteht, falls Unternehmen generell den Eindruck gewinnen, dass Fachkräfte in Deutschland schwer zu finden sind. Das fließt dann bei global agierenden Unternehmen in ganze Standortentscheidungen ein - und mit jedem negativen Einzelbeispiel wird das Problem noch größer.

Kommentare (12)

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papageno

26.10.2011, 19:53 Uhr

Was diese realitätsfernen Lügenbolzen alles in diese Medien hineinpusten, ist unglaublich!! Es vermittelt den Eindruck von gesteuerten Nachrichten, mehr und mehr. Das hatten wir schon einmal alles: die Arbeitslosigkeit sank von 6 Mio rapide abwärts. Zum Schluss ging alles in die Luft - nicht nur in die KZs. Davor aber wurden alle Rentenansprüche der "Glücklichen" also der Arbeiter, des Lumpenproletariats gekappt und kassiert- damals, um die Panzer für den Krieg finanzieren zu können. Heute resp. bald wird man gleiches tun, um Griechenland, Italien, Spanien ja die restliche EU damit glattzustellen; davor aber schlucken die Banken alles ab!!!

Rechenexempel

26.10.2011, 20:22 Uhr

117000 Stellen bei der BA für was, frage ich mich?
Kommen bei angeblich 2,9 Millionen Arbeitslosen auf jeden Sachbearbeiter 24 Arbeitslose.
Bei durchschnittlich 21 Arbeitstagen muss man sich schon fragen, ob das wirtschaftlich noch zu vertreten ist.
Was machen die BA-Mitarbeiter eigentlich den ganzen Tag, nachdem sie 2 „Kunden“ täglich verwaltet haben?

der_pinky_und_der_brain

26.10.2011, 20:25 Uhr

1. Die Banken und die Zockerbagage füllen sich Taschen, kaufen danach ein was nicht Niet- und Nagelfest ist. 2. Danach wird der Crash eingeleitet. 3. Danach sind alle Sparguthaben, nix mehr wert. 4. Wird das System geresetet und ist dass vermögen nicht verschwunden, sondern hat nur den Besitzer gewechselt, dank Politik und Konsorten. Dann gibts einen kleinen Volksaufstand , der Brutal niedergeknüppelt wird. Dann sind die Arbeitnehmer quasi enteignet und schwubdiwubs, haben wir eine neue regierung und nun sind die Abzocker von 1. plötzlich auf unerklärlicheweise zu Gutsherren aufgestiegen und die normalen Bürger sind dann deren Knechte und schuften wieder ein paar Generationen, bis man dann irgendwann wieder bei punkt 1 ist. Dieses System funktioniert, wenn man die Bürger total verdummt hat!!!!

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