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23.04.2012

13:17 Uhr

Frankreich-Wahl

Le-Pen-Erfolg schockt deutsche Politik

Marine Le Pen hat beim ersten Durchgang der Frankreich-Wahl das beste Ergebnis in der Geschichte ihrer Partei, der rechtsextremen Front National, erzielt – und damit Entsetzen im Nachbarland Deutschland ausgelöst.

Marine Le Pen. AFP

Marine Le Pen.

BerlinDass Marine Le Pen, die Kandidatin der rechtsextremen Front National, hat bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich fast 20 Prozent der Stimmen erreicht hat, ist in Deutschland mit großer Sorge zur Kenntnis genommen worden. SPD-Chef Sigmar Gabriel sprach von einem „besorgniserregend“ hohen Ergebnis. Ähnlich fällt die Reaktion bei den Grünen aus. „Der erschreckende Zuspruch für Le Pen zeigt, dass man mit Ressentiments und Ängsten gegenüber Islam, China und Deutschland auch im Land der Revolution der Gleichheit und Freiheit punkten kann“, sagte der Wirtschafts- und Finanzexperte der Grünen im Europaparlament, Sven Giegold, Handelsblatt Online.

Mit Entsetzen reagierte der Zentralrat der Juden in Deutschland. „Wenn sich fast jeder fünfte französische Wähler eine rechtsextreme Kandidatin als Staatsoberhaupt  wünscht, dann halte ich das für ein alarmierendes Zeichen für uns alle“, sagte Zentralratspräsident Dieter Graumann Handelsblatt Online. „Dies als bloßen Wählerprotest darzustellen, verharmlost ein Problem, das auch hierzulande immer größer wird: Die Akzeptanz und Toleranz gegenüber rechtsradikaler Gesinnung im politischen Raum.“

Für Frankreichs Präsidenten Sarkozy entstehe durch den großen Wahlerfolg Le Pens nun eine „mehr als verzwickte Situation“, sagte Graumann weiter. „Denn im Kampf um jede Stimme könnte es bedeuten, dass er nun im braunen Gewässer fischen muss, um die Mehrheit bei den Stichwahlen am 6. Mai zu erhalten. Wollen wir hoffen, dass er genau diese Angel nicht auslegen wird“, sagte der Zentralratspräsident.

Graumann hält es zudem für ein „beängstigendes Signal“, dass sowohl in Frankreich in Bezug auf Le Pen als auch in Deutschland in Bezug auf die rechtsextremen Umtriebe bei der Piratenpartei ein „notwendiger Aufschrei der Bevölkerung“ ausbleibe. „Gerade erleben wir hierzulande doch bei der so liberalen und transparenten Piratenpartei, wie rechte Stimmen und Stimmungsmache ungeahndet bleiben und durch fatale Entschlüsse und naiver Fehleinschätzungen sogar noch unterstützt werden“, sagte der Zentralratspräsident. „Hier herrscht keine Durchsichtigkeit, sondern geradezu verheerende Nachsichtigkeit.“

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Kommentare (106)

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sterbende_demokratie

23.04.2012, 10:50 Uhr

"Marine Le Pen hat beim ersten Durchgang der Frankreich-Wahl das beste Ergebnis in der Geschichte ihrer Partei, der rechtsextremen Front National, erzielt – und damit Entsetzen im Nachbarland Deutschland ausgelöst."

Entsetzten?
Beim Volk sicher nicht!
Im Gegenteil, ganz im Gegenteil.
Hoffnung trifft es eher!

Account gelöscht!

23.04.2012, 10:51 Uhr

Die deutsche Politik - nun endlich in der Realität angekommen?

puenktli

23.04.2012, 10:56 Uhr

Das war zu erwarten. Nur weil die Medien eine Kandidatin ausblenden, bedeutet das ja nicht, dass die Wähler das auch tun. Merke: Auch die mediale Manipulation hat ihre Grenzen.

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