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16.04.2013

11:28 Uhr

Frauen in Aufsichtsräten

Wirtschaft torpediert Quoten-Kompromiss der CDU

VonDietmar Neuerer

ExklusivEin Kompromiss soll den CDU-Streit um die Frauenquote befrieden. Eine gesetzliche Regelung soll demnach erst ab 2020 kommen. Die Wirtschaft hält davon nichts und fordert den endgültigen Abschied von der starren Quote.

Mehr Frauen in Führungsetagen? Die Wirtschaft hat nichts dagegen, eine gesetzliche Quote lehnt sie aber ab. dpa

Mehr Frauen in Führungsetagen? Die Wirtschaft hat nichts dagegen, eine gesetzliche Quote lehnt sie aber ab.

BerlinDer Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben,  lehnt eine gesetzliche Quote für Aufsichtsräte von börsennotierten und mitstimmungspflichtigen Betrieben generell ab. Es sei im „ureigenen Interesse“ der Unternehmen, das Potenzial geeigneter Frauen auch zu nutzen. „Doch Aufsichtsratskandidatinnen stehen von Branche zu Branche in sehr unterschiedlichem Ausmaß zur Verfügung“, sagte Wansleben Handelsblatt Online. „Eine gesetzliche Einheitsquote von 30 bzw. 40 Prozent kann solche Unterschiede naturgemäß nicht berücksichtigen und hilft uns daher nicht weiter“.

Wansleben wies darauf hin, dass sich in den Dax-30-Aufsichtsräten auch ohne gesetzliche Quote eine ganze Menge tue: So sei von Anfang 2011 bis Januar 2013 der Anteil der Frauen von gut 13 auf gut 20 Prozent gestiegen, sagte er. Der Mittelstand, der über 90 Prozent der Unternehmen ausmache, habe in Führungspositionen „ohnehin bereits eine Frauenpräsenz von etwa 30 Prozent“.

Wansleben wendet sich damit sowohl gegen den Oppositionsantrag, wonach in zwei Stufen bis Januar 2023 eine Mindestquote für Frauen von 40 Prozent in den Aufsichts- und Verwaltungsräten großer Unternehmen eingeführt werden soll, als auch gegen einen Beschluss der CDU-Spitze. Der CDU-Bundevorstand hatte am Montag in letzter Minute eine drohende Abstimmungsniederlage im Bundestag über eine gesetzliche Frauenquote abgebogen und sich darauf verständigt, dass eine gesetzliche Quote für Aufsichtsräte von börsennotierten und mitstimmungspflichtigen Betrieben 2020 kommen soll. Damit wird der bisherige Kurs einer auf Freiwilligkeit setzenden "Flexi-Quote" geändert, der einen 30-prozentigen Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten vorsieht.

Im Gegenzug geht man nun davon aus, dass die Abweichlerinnen in der Fraktion am Donnerstag im Bundestag nicht für einen Antrag des rot-grün dominierten Bundesrates für eine gesetzliche Regelung stimmen werden.

Zu den Abweichlerinnen gehörte auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, die laut CDU-General Hermann Gröhe dem Kompromiss im Vorstand zustimmte. Man sei der Frauen-Union entgegengekommen, die ein konkretes Ziel für eine verbindliche Quote gefordert hatte. Nun sei mit CSU-Chef Horst Seehofer vereinbart worden, dass die Forderung in das Unions-Wahlprogramm aufgenommen werde. "Dies wurde bei zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung so beschlossen." Vor allem der CDU-Wirtschaftsflügel hatte in der Debatte Einwände gegen diese Lösung.

Auch die jungen Unternehmer äußerten Kritik. „Ich halte das für ein absolut falsches Signal“, sagte die Bundesvorsitzendes des Verbandes „Die jungen Unternehmer“, Lencke Wischhusen. „Wir brauchen keine Frauenquote.“ Dies sei wieder nur ein Eingriff in die unternehmerische Freiheit. Vielmehr müssten Politik und Unternehmen mehr für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie tun - etwa durch mehr Kindertagesstätten und Ganztagsschulen, flexible Arbeitszeitregelungen oder auch Betriebs-Kitas.

Länder mit den meisten Frauen in Führungsetagen

Portugal

Das Schlusslicht ist Portugal. Hier gibt es nur 4,7 Prozent Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten. Der Anteil bei Neubesetzungen liegt bei 22,2 Prozent.

Österreich

Eine ganz niedrige Frauenquote hat Österreich: 8 Prozent. Der Frauenanteil bei Neubesetzungen beträgt 12,5 Prozent.

Spanien

11,8 Prozent beträgt der Frauenanteil in Spanischen Top-Etagen. Bei Neubesetzungen wurden in 22,7 Prozent Frauen berücksichtigt. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)

Deutschland

Deutschland befindet sich schon in der unteren Hälfte der Tabelle. Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten: 12,8 Prozent. Frauenanteil bei Neubesetzungen: 40,7 Prozent. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)

Europa gesamt

Insgesamt beträgt der Frauenanteil in Europa 15,6 Prozent in Vorständen und Aufsichtsräten. Der Frauenanteil bei Neubesetzungen liegt bei 30,8 Prozent. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)

Dänemark

In Dänemark liegt der Frauenanteil bei 17 Prozent unter den Vorständen und Aufsichtsräten. Dafür geben die Skandinavier bei Neueinstellungen Gas: Hier wurden in 50 Prozent Frauen eingestellt. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)

Großbritanien

In England arbeiten 18,2 Prozent Frauen als Vorstand und Aufsichtsrat. Bei Neubesetzungen liegt der Frauenanteil bei 31,6 Prozent. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)

Frankreich

In den Führungsetagen der Franzosen liegt der Anteil der Frauen bei 20,5 Prozent. Bei Neubesetzungen (von Mai 2011 bis Mai 2012) wurden Frauen zu 52,7 Prozent berücksichtigt. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)

Finnland

Bei den Finnen beträgt der Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten 27,1 Prozent. Bei Neubesetzungen (von Mai 2011 bis Mai 2012) wurden Frauen zu 23,1 Prozent berücksichtigt. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ).

Norwegen

Der Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten beträgt in Norwegen 36,4 Prozent. Bei Neubesetzungen (von Mai 2011 bis Mai 2012) wurden Frauen zu 21,4 Prozent berücksichtigt. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)

Gröhe mahnte nach dem Kompromiss nun Geschlossenheit an. "Zum Geist dieser Diskussion gehört auch die Erwartung, dass wir in der Union im Parlament geschlossen und gemäß der Koalitionsabsprachen agieren", sagte er.

Kommentare (26)

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16.04.2013, 07:15 Uhr

Ich möchte niemals als Quotenschlampe bezeichnet werden.

Account gelöscht!

16.04.2013, 07:33 Uhr

Mit "Quote" müssten sie eben leben. An dem anderen Teil wären sie selbst Schuld :-)) . Wobei das dann auch auf den IQ Autors schließen lassen würde.

Aber im Ernst, in Deutschland bekommen Millionen Frauen weniger Lohn als Männer im gleicher Job.
Und wir sollen uns davon ablenken lassen, ob irgendwelche Besserverdienenden Figuren in den Aufsichträten männlich oder weiblich sind????

Erbärmlich. Aber das verblödete Volk lässt sich ablenken.
Und das Dummchen in der Regierung ist wieder an einer Aufgabe gescheitert - konnte sie wenigstens anderswo keinen Schaden anrichten.

Account gelöscht!

16.04.2013, 07:42 Uhr

Im Grundgesetz heißt es (Art. 3 Abs. 3): "Niemand darf wegen seines Geschlechtes, ... benachteiligt oder bevorzugt werden."

Jede Quotenregelung bedeutet, daß bei einer anstehenden Personalentscheidung die jeweilige Körperschaft GEZWUNGEN wird, geeignete Bewerber abzulehnen, bloß weil sie Männer sind.

Das ist klar verfassungswidrig.

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