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17.05.2013

15:23 Uhr

Frauenquote in Talkshows

Steinbrücks Netz-Expertin kassiert ersten Rüffel

Politisch unbeleckte Persönlichkeiten, die sich plötzlich in einem Wahlkampfteam wiederfinden, laufen Gefahr, sich in Interviews zu vergaloppieren. Steinbrücks Netzexpertin Joost erging es so, zur Freude der FDP.

Gesche Joost in der SPD-Zentrale in Berlin nachdem sie Kanzlerkandidat Steinbrück als Mitglied seines Kompetenzteams vorgestellt hatte. dpa

Gesche Joost in der SPD-Zentrale in Berlin nachdem sie Kanzlerkandidat Steinbrück als Mitglied seines Kompetenzteams vorgestellt hatte.

BerlinDesignforscherin Gesche Joost, im Team von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück für Netzpolitik zuständig, hat mit der Forderung nach einem festen Frauenplatz in Talkshows und Konferenzen harsche Kritik auf sich gezogen. „Der Vorschlag der SPD ist nichts anderes als ein Eingriff in die Freiheit der Medien“, sagte der Vize-Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Volker Wissing, Handelsblatt Online. „Die Redaktionen sollten ihre Gäste auch in Zukunft anhand der Themen auswählen können und nicht der Political Correctness unterworfen werden.“ Wer bei Fernsehsendungen, die der Information und Meinungsbildung der Bürger dienen, zuerst an die Quote und dann den Inhalt der Sendungen denkt, zeige wie wenig ernst er den Informationsauftrag des Rundfunks nehme.

Joost hatte mit Blick auf die Beteiligung von Frau in Fernsehsendungen erklärt, dass sich hier etwas ändern müsse. "Eine Selbstverpflichtung von Redaktionen und Veranstaltern, dass in Talkshows oder Panels stets beide Geschlechter vertreten sein müssen, würde ich sehr begrüßen", sagte sie „Spiegel Online“.

Sie sei erst kürzlich wieder in ein Gremium eingeladen worden, das fast nur aus Männern bestanden habe. "Da habe ich mich dann beschwert und gesagt: Das kann doch nicht euer Ernst sein." Eine feste Quote "von fifty-fifty für jede Gesprächsrunde" sei ihr aber zu radikal.

Steinbrücks Hintermannschaft

Kleines Team von Vertrauten

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat ein kleines Team von Vertrauten um sich geschart, die ihn beraten sollen – und die Krisenmanagement betreiben müssen, wenn der Kandidat mit seinen lockeren Sprüchen für Wirbel sorgt. Zum Teil gehörten Steinbrücks Berater bereits zum engen Kreis um Altkanzler Gerhard Schröder und Ex-Parteichef Franz Müntefering.

Andrea Nahles

Nach Kompetenzgerangel übernimmt Generalsekretärin Andrea Nahles die Hauptverantwortung für die gesamte Wahlkampagne. Enge Vertraute Steinbrücks verlieren bisherige Zuständigkeiten. Steinbrücks Kampagnenleiter Heiko Geue wird von einigen im Willy-Brandt-Haus kritisch beäugt.

Rolf Kleine

Rolf Kleine ist ein alter Hase des Berliner Politikbetriebs. Der gelernte Redakteur arbeitete lange in verschiedenen Positionen für die „Bild“-Zeitung. Ende 2011 verließ er den Springer-Konzern, um als Head of Public Affairs die politische Kommunikation des Immobilienkonzerns Deutsche Annington zu verantworten. Rolf Kleine ist 52 und gilt als meinungsstark, erfahren und gut vernetzt.

Kleine arbeitete unter anderem bei den „Westfälischen Nachrichten“, der Nachrichtenagentur ddp und der „Berliner Zeitung“. Insgesamt 17 Jahre schrieb er für Springer, zuletzt mehrere Jahre vor seinem Ausscheiden als Co-Leiter des Hauptstadtbüros. „Bild“ hatte damals mitgeteilt, Kleine gehe auf eigenen Wunsch.

Kleine war regelmäßig Gast in Talkshows und Fernsehmagazinen, so auch bei N24 im „Politischen Quartett“. Titel einer Jubiläumssendung vor fast genau 10 Jahren, im April 2003: „Lust am Untergang - Stürzt die SPD ihren Kanzler?“ Die Deutsche Annington, die Kleine nun wieder verlässt, gehört nach eigenen Angaben mit rund 180 000 eigenen Wohnungen und etwa 2400 Mitarbeitern zu den führenden deutschen Wohnungsunternehmen.

Hans-Roland Fäßler

Der Medienprofi gilt als sehr gut vernetzt. Anders als Donnermeyer ist er nicht in der Parteizentrale angesiedelt, sondern soll von außen Steinbrück den Weg zu führenden Medienvertretern ebnen. Fäßler war erst für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dann für die Medienkonzerne Gruner & Jahr und Bertelsmann tätig. Zu seinen Freunden zählt der frühere Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, der inzwischen nicht mehr der SPD angehört. Fäßler soll hinter dem verunglückten Internetportal „PeerBlog" gestanden haben.

Matthias Machnig

Thüringens Wirtschaftsminister gilt als einer der wichtigsten politischen Berater Steinbrücks. Machnig leitete 1998 und 2002 erfolgreich die Wahlkämpfe Gerhard Schröders. Auch mit Müntefering arbeitete er eng zusammen, als dieser erst Generalsekretär und später dann Parteichef war. Nach 2002 war Machnig zeitweise für die Consulting-Firma BBDO tätig, die zahlreiche deutsche Konzerne berät, später für das Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton. Auch Machnig arbeitet als externer Ratgeber für Steinbrück, weswegen er sein Regierungsamt in Erfurt weiter ausübt.

Heiko Geue

Heiko Geue ist Steinbrücks Kampagnenleiter. Wegen dieser Funktion ließ er sich von seinem bisherigen Posten als Finanzstaatssekretär in Sachsen-Anhalt beurlauben. Ein Rückkehrrecht ist jedoch rechtlich umstritten. Auf Veranlassung von Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) verlor Geue daher seinen Job. In der Ära Schröder war Geue einer der Architekten der Agenda 2010 gewesen. Damals war er unter anderem als persönlicher Referent von Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier tätig. In der Zeit der großen Koalition koordinierte Geue den Leitungsstab des Bundesfinanzministeriums für den damaligen Ressortchef Steinbrück. Geue ist mit Steinbrücks Büroleiterin Sonja Stötzel liiert.

Timo Noetzel

Der Politikwissenschaftler gehört seit Anfang Februar zu Steinbrücks Mannschaft. Noetzel soll für den Kandidaten kampagnenfähige Themen identifizieren. Er war bisher Leiter des Politik- und Analysestabs der Münchner Sicherheitskonferenz sowie Vorstandsmitglied der Berliner Denkfabrik „Stiftung neue Verantwortung".

Torsten Schäfer-Gümbel

Steinbrück selbst nennt den hessischen SPD-Chef als Berater in Finanzmarktfragen. Der eher dem linken Parteiflügel zugerechnete „TSG" gehört aber wohl nicht zum engeren Umfeld des Kandidaten.

Jarmila Schneider

Mit ihr gehört neuerdings auch eine Frau zu Steinbrücks Beraterstab. Jarmila Schneider unterstützt seit Mitte Februar als zweite Pressesprecherin den Hauptsprecher Donnermeyer. Sie war bisher Sprecherin der bayerischen SPD.

Joost sagte, sie fühle sich nicht als Quotenfrau im Team von Steinbrück. "Trotzdem finde ich den Begriff nicht schlimm, ich bin ein echter Fan der Frauenquote", so die Design-Professorin. "Ich habe in meiner Laufbahn viele Gremien, Unternehmen und Stiftungen von innen gesehen. Da sitzen meist nur Männer, und zwar 60 plus. Dafür habe ich kein Verständnis mehr, das geht so nicht."

Die gebürtige Kielerin rief die die SPD dazu auf, neue Wählergruppen stärker anzusprechen. "Ich glaube, die SPD muss für traditionelle Arbeitsmodelle und Start-ups gleichermaßen da sein", sagte sie. "Dass die SPD sich nur um den Facharbeiter kümmert, ist doch ein Modell von vorgestern."

Kommentare (17)

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Numismatiker

17.05.2013, 15:32 Uhr

"Die gebürtige Kielerin, die nicht Mitglied der SPD ist, rief ihre Partei dazu auf,..." Hä?

roluebb

17.05.2013, 15:42 Uhr

Also mal ehrlich gesagt:
ich in froh dass sich bislang so wenig Frauen, an diesen Sendungen der niederen Zungen, beteiligt wurden/haben!
Ein Lob des guten Geschmacks, diese Sendungen können doch noch besser werden (Lol)!
R. Luebbers

Account gelöscht!

17.05.2013, 15:49 Uhr

EINEN PLATZ FÜR NICHT-LINKE In TALKRUNDEN


„Die Redaktionen sollten ihre Gäste auch in Zukunft anhand der Themen auswählen können und nicht der Political Correctness unterworfen werden.

Leider sind deutsche Talkrunden schon extrem Politisch Korrekt, dass sieht man daran, dass die geladenen Gäste nicht selten alle selbst POLITISCH KORREKT sind.


Geladen werden fast ausschließlich nur Repräsentanten der etablierten Parteien oder Personen die deren kulturmarxistische Leitideologie bestehend aus Multikulturalismus, Genderismus, Feminismus, Antinationalismus entsprechen.

Die wenigen nicht gesellschaftspolitisch-linke Gäste wie Arnulf Baring, der WELTWOCHE-Chefredakteur Roger Köppel oder Sarrazin sind sehr wenige.

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