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16.11.2014

13:28 Uhr

Frauenquote

Kauder legt Veto ein

Knapp jeder dritte Aufsichtsrat soll demnächst eine Aufsichtsrätin sein. Konservative Unionsabgeortnete sind gegen diese Quote. CDU-Fraktionschef Volker Kauder soll bereits sein Veto eingereicht haben.

Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, ist kein Freund der Frauenquote. dpa

Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, ist kein Freund der Frauenquote.

BerlinDer Gesetzentwurf zur Frauenquote in den Führungsetagen von Unternehmen stößt in der Union auf wachsenden Widerstand. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ legte der Vorsitzende der Unionsfraktion, Volker Kauder, bei Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) sein Veto gegen die Pläne ein.

Der Gesetzentwurf von Familienministerin Manuela Schwesig und Justizminister Heiko Maas (beide SPD) sieht eine 30-Prozent-Quote für die Aufsichtsräte der 108 größten Unternehmen vor. Wenn ein Unternehmen gegen diese Vorschrift verstößt, müssen die Aufsichtsratsposten unbesetzt bleiben. Auch in den Führungsetagen von 3500 weiteren Unternehmen und im öffentlichen Dienst soll der Frauenanteil steigen.

Wo Frauen ähnlich wie Männer verdienen und wo nicht

Insgesamt

Frauen verdienen noch immer weniger als Männer - das ist keine Überraschung. Je nach Branche unterscheiden sich die Diskrepanzen aber enorm. Während in manchen Berufssparten die Gehaltsspanne 30 Prozent beträgt, sind es in einer Branche nur noch vier Prozent unterschied. Insgesamt verdienten Frauen 2010 durchschnittlich 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Techniker und nichttechnische Berufe

Die größten Unterschiede zwischen Frauen und Männern bestehen immer noch bei Techniker-Berufen und gleichrangigen Jobs. Wer hier als Frau seine Berufung gefunden hat, muss mit einem 30 Prozent geringeren Einkommen rechnen als der männliche Kollege mit der gleichen Ausbildung.

Führungskräfte

Genauso benachteiligt sind Frauen in Führungspositionen. Auch hier liegt die Gehaltsdiskrepanz bei 30 Prozent und damit deutlich über dem Durchschnitt.

Akademische Berufe

Wer als Frau einen akademischen Beruf ergreift, steht etwas besser da - aber nicht viel. Akademikerinnen müssen aktuell noch damit leben, dass der männliche Kollege am benachbarten Schreibtisch 28 Prozent mehr verdient.

Handwerks- und verwandte Berufe

Bei Schreiner, Bäcker, Friseur und Co. sieht es etwas besser aus, auch wenn die Gehaltsspanne ebenfalls noch groß ist: Frauen in Handwerksberufen bekommen durchschnittlich 25 Prozent weniger als der Kollege - immer noch ein stärkerer Gehaltsunterschied als im gesamtdeutschen Durchschnitt.

Bediener von Anlagen und Maschinen und Montageberufe

Knapp unter dem Durchschnitt liegt der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen, die etwa Maschinen bedienen oder als Monteure arbeiten: 19 Prozent verdient ein männlicher Mitarbeiter hier mehr als ein Weiblicher.

Fachkräfte in Land- und Forstwirtschaft und Fischerei

Einen Sprung nach unten gibt es bei der Gehaltsspanne in der Land- und Forstwirtschaft. Wer sich in diesem Bereich ausbilden lässt oder wen es aufs Meer zieht, der verdient als Frau verhältnismäßig besser - bzw. ähnlich viel wie der männliche Kollege: Der Unterschied liegt hier bei 13 Prozent - zwar deutlich weniger als etwa bei den Akademikern, aber immer noch deutlich.

Hilfsarbeitskräfte

Gleiches gilt für Arbeitskräfte ohne branchenspezifische Berufsausbildung: Auch hier haben Frauen durchschnittlich 13 Prozent weniger in der Lohntüte als Männer.

Dienstleistungsberufe und Verkäufer

Kaum geringer ist der Unterschied bei Servicekräften, Verkäufern und Co.: Frauen müssen sich mit einem durchschnittlich 12 Prozent geringeren Einkommen begnügen.

Bürokräfte und verwandte Berufe

Das beste Gehaltsniveau für Frauen findet sich bei den Bürojobs und ähnlichen Berufen. Hier beträgt der Gehaltsunterschied zu den männlichen Kollegen nur noch 4 Prozent - 18 Prozent unter der durchschnittlichen Diskrepanz.

Dem „Spiegel“-Bericht zufolge begründete Kauder sein Nein unter anderem damit, dass das Gesetz über das hinausgehe, was im Koalitionsvertrag vereinbart worden sei. So würden rund 3500 kleinere Unternehmen dazu verpflichtet, einen einmal erreichten Frauenanteil nicht mehr zu unterschreiten. Dies sei für viele Firmen nicht praktikabel. Die CSU hat den Entwurf bereits massiv kritisiert und Nachbesserungen verlangt.

Ein Sprecher der CDU/CSU-Fraktion sagte der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag, die Unionsfraktion lege Wert darauf, dass der Koalitionsvertrag „1:1 umgesetzt“ und nicht darüber hinausgegangen werde. „Ob der Gesetzentwurf dem entspricht, wird zurzeit noch geprüft.“ Dies bedeute nicht, dass die Frauenquote also solche infrage gestellt werde.


Von

dpa

Kommentare (3)

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Herr Wolfgang Trantow

17.11.2014, 07:39 Uhr

Seit wann steht "Frau" für Qualität und Können? Warum ist dies jetzt verboten und darf keine Auswahlkriterium mehr sein? Wer ist für dieses dumme "Gesetz" verantwortlich??

Account gelöscht!

17.11.2014, 09:19 Uhr

Dem Einspruch könnte ganz schnell und leicht die Grundlage entzogen werden, wenn die Quote nicht für Politiker (und Begünstigte) gelten würde.

Herr Jens Muche

17.11.2014, 10:31 Uhr

Wie zerstört man eine Firma?

Durch überbordene Vorschriften, das dauert am längsten.
Durch Computer, das ist am sichersten.
Durch Frauen, das geht am schönsten.
Den Genderwahn in seinem Lauf haält weder Ochs noch Esel auf.

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