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26.10.2012

20:00 Uhr

Freigabe für andere Hersteller

Neue Grippemittel gegen „Impf-Chaos“

Das Paul-Ehrlich-Institut hat auf die Rückrufaktion für Novartis-Impfstoffe reagiert und Impfdosen anderer Hersteller freigegeben. Die Beschuldigungen zwischen Pharmaindustrie und Krankenkassen gehen weiter.

Das Paul-Ehrlich-Institut hat zusätzliche Impfdosen freigegeben. dpa

Das Paul-Ehrlich-Institut hat zusätzliche Impfdosen freigegeben.

Berlin/Langen/Basel/RomGesundheitliche Folgen gibt es bislang keine, aber die politischen Nebenwirkungen sind heftig. Nach dem Rückruf von zwei Grippeimpfstoffen des Schweizer Konzerns Novartis geraten Pharmafirmen und Krankenkassen in die Kritik. Befürchtungen, dass sich die Lieferschwierigkeiten verschärfen könnten, scheinen entkräftet. Durch die Freigabe zusätzlicher Impfdosen anderer Hersteller wurde die vom Markt genommene Menge von 750.000 Dosen zum großen Teil wieder ausgeglichen.

Das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gab 620.000 Dosen von Grippeimpfstoffen anderer Hersteller frei, teilte das Bundesgesundheitsministerium am Freitagabend in Berlin mit. Es handelt sich um 560.000 Dosen des Herstellers Glaxo Smith Kline und 60.000 Dosen des Herstellers Abbott. Damit sind in Deutschland aktuell 14 Millionen Impfstoffdosen freigegeben. Im letzten Jahr wurden insgesamt etwa 15 Millionen Dosen verimpft.

Anfang kommender Woche werden sich Vertreter des PEI, der Krankenkassen und der Pharmahersteller zu Gesprächen über die Impfstoffversorgung an einen Tisch setzen. Das Institut im hessischen Langen hatte am Donnerstag fünf Chargen der Novartis-Impfstoffe Begripal und Fluad aus dem Verkehr gezogen.

Obwohl Patienten mit den zurückgerufenen Grippeimpfstoffen bereits behandelt wurden, sind nach PEI-Angaben bislang keine Nebenwirkungen bekannt. „Zum Glück haben wir keine Meldungen der Art erhalten, die zu befürchten wären, wenn Ausflockungen da wären“, sagte PEI-Chef Prof. Klaus Cichutek am Freitag im ARD-Morgenmagazin.

Solche Ausflockungen waren in Italien entdeckt worden. Bei den in Deutschland ausgelieferten Impfstoffen seien sie bislang nicht beobachtet worden, erklärte Cichutek, wohl aber in Zwischenprodukten bei der Herstellung. Die betroffenen Chargen - vier von Begripal und eine von Fluad - rief Novartis am Donnerstag zurück.

Engpässe in der Versorgung mit Grippeimpfstoffen scheinen in vielen Bundesländern eher die Ausnahme zu sein. So ist die Lage in Baden-Württemberg nach Mitteilung des Stuttgarter Sozialministeriums derzeit „noch ziemlich entspannt“. „In Berlin kommt es bei den Grippe-Impfungen definitiv nicht zu Engpässen“, sagte eine Sprecherin der Senats-Gesundheitsverwaltung der dpa. Ähnlich sieht es in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Hessen und Bayern aus.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ist hingegen anderer Meinung. „Wir drohen, auf einen Engpass bei der Grippeschutzimpfung zumindest in Teilen Deutschlands zuzusteuern. Derzeit steht zu wenig Impfstoff zur Verfügung“, sagte KBV-Vorstandsmitglied Regina Feldmann in Berlin.

Kommentare (5)

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Brasil

26.10.2012, 20:14 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Charbonnier

26.10.2012, 22:35 Uhr

Es geht doch nur um das liebe Geld. Dieses [...] hat doch kein Interesse an Gesundheitsvorsorge! Impfstoff wird durch taktische Spielchen verknappt und die sowieso unverschämten Preise werden weiter getrieben. Die Verhandlungsführer auf der Kassenseite sind m.E. allemal unqualifiziert. Alle Jahre wieder gibt es das Grippe-Problem und alle Jahre wieder sind die Verhandlungsführer unseres Gesundheitssystems nicht in der Lage, stabile Verhältnisse zu schaffen und die Dinge geräuschlos zu gestalten. Das ist traurig. Die Impfverhandlungen gehören nicht mehr in die Hand dieser Dilletante und der Gesundheitsminister spielt die Rolle des "Nichtnutzes"! Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Chemiker

27.10.2012, 00:06 Uhr

Nun, jetzt wäre es doch einmal soweit, dass man nachweisen könnte, dass die Grippekranken, wenn weniger Impfstoffe zur Verfügung sind, also weniger mit diesen behandelt bzw. gespritzt werden können, deswegen nicht mehr sondern eventuell gar weniger werden.
Darauf könnte man auf bauen und die K-Kassen, würden viel, viel, viel Geld sparen.
Das Volk vielleicht ein bisschen gesünder werden.
Nur die Chemieindustrie würde es wohl nicht so lustig finden.
Darum glaube ich nicht, dass es soweit kommen wird, das der Impfstoff wirklich nicht vorhanden sein wird.
Bei entsprechender Verknappung wird sich schnell ein Unternehmen finden das den selben Impfstoff liefern kann, fragt sich nur zu welchem Preis.
Hatten wir dieses Spielchen nicht schon einmal ?
Nachher musste man das Zeug entsorgen und wir Steuerzahler waren wieder mal die Dummen.
Aber wie heißt es so schön ß
Mit den Dummen wurde schon immer die Welt regiert.

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