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29.02.2016

15:51 Uhr

Fremdenfeindlicher Tweet

Erika Steinbach und das Pippilotta-Prinzip

VonDietmar Neuerer

Die Empörung ist groß, aber Erika Steinbach schert das wenig. Die CDU-Abgeordnete findet nichts Anstößiges an ihrem fremdenfeindlichen Tweet. Mit ihrem Verhalten erinnert sie an eine literarische Kunstfigur.

Klartext-Politikerin Erika Steinbach (CDU): . „Ich rede niemand nach dem Mund. Stehe für eigene Überzeugung.“ dpa

Erika Steinbach.

Klartext-Politikerin Erika Steinbach (CDU): . „Ich rede niemand nach dem Mund. Stehe für eigene Überzeugung.“

BerlinWas haben Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstocher Langstrumpf und Erika Steinbach gemeinsam? Eigentlich nichts. Die eine ist eine literarische Kunstfigur von Astrid Lindgren, die andere eine CDU-Politikerin, die für ihre Fraktion im Bundestag zuständig ist für Menschenrechte und humanitäre Hilfe. Und doch erinnert ein Prinzip, das sich Pippi Langstrumpf auf die Fahnen geschrieben hat, in gewisser Weise an die Abgeordnete Steinbach.

Im Titellied zur Pippi-Langstrumpf-Fernsehserie singt das kleine rothaarige Mädchen: „Zwei mal drei macht vier, widewidewitt und drei macht neune, ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt.“ Die Zeile ist ein Bekenntnis zu einer bestimmten Lebensphilosophie. Dahinter steht der unbedingte Wille, mit Abenteuerlust, dem Ausleben der eigenen Individualität und einer gehörigen Portion Spaß das Leben zu leben. Für Steinbach dürften diese Prinzipien sicher auch gelten, aber sicher nicht, wie von der Kinderbuchautorin Lindgren beabsichtigt, um Leser zu unterhalten und in eine Phantasiewelt zu führen.

Steinbach ist Politikerin, eine unbequeme dazu, deren Abenteuerlust eher darin zu bestehen scheint, in politischen Debatten nicht nur den politischen Gegner gegen sich aufzubringen, sondern auch die eigenen Parteikollegen. Sie provoziert und lässt Kritik dann an sich abperlen. Ohne Fehler einzuräumen. Selbst offensichtliche Fehltritte sind für sie keine, sie dreht und wendet die Dinge so, wie es ihr gefällt. Am Ende behält sie immer Recht.

Dass das Steinbach'sche Pippilotta-Prinzip funktioniert, zeigt ein Foto-Kommentar vom Wochenende zum Thema Flüchtlinge. Das „Deutschland 2030“ überschriebene „Inder“-Bild, das die CDU-Bundestagsabgeordnete am Samstag im Internetdienst Twitter verbreitete, zeigt ein von einer Gruppe dunkelhäutiger Menschen neugierig betrachtetes weißes Kind mit dem Untertitel: „Woher kommst Du denn?“

Steinbach findet nichts Anstößiges an dem Posting. Im Gegenteil. Die breite Empörungswelle kontert sie mit deutlichen Zurückweisungen, Bekräftigungen und der klaren Botschaft, dass sie sich von niemandem vorschreiben lässt, was sie zu denken und zu sagen hat. „Ich rede niemand nach dem Mund. Stehe für eigene Überzeugung“, unterstreicht die CDU-Frau ihre Lebensmaxime im Kurznachrichtendienst Twitter.

Steinbach will ihr Twitter-Posting auch in keiner Weise als fremdenfeindlich verstanden wissen. „Das ist keine Hetze, sondern für viele ein Albtraum. Zahllose Zuschriften zeigen das“, schreibt sie bei Twitter. Und: „Die einen wollten mich zur Revanchistin machen, die anderen jetzt zur Rassistin. Bin weder noch, liebe Hassisten.“

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