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02.03.2013

09:44 Uhr

Friseure als Billiglöhner

„Eigentlich lebt man vom Trinkgeld“

Für viele wird der Traumberuf zum finanziellen Albtraum: Friseure gehören zu den Billiglöhnern – manche verdienen weniger als fünf Euro pro Stunde. Sie warten darauf, dass der Streit um einen Mindestlohn ein Ende hat.

In der Waschen-Schneiden-Färben-Branche tobt ein harter Preiskampf. dpa

In der Waschen-Schneiden-Färben-Branche tobt ein harter Preiskampf.

Erfurt/BerlinDie Frau schüttelt ungläubig den Kopf. „3,82 Euro, wirklich?“ Ja, sagt die 33 Jahre alte Friseurmeisterin zu ihrer Kundin, der sie gerade in einem schicken Erfurter Salon eine Kurzhaarfrisur verpasst. Mit dem kleinen Stundenlohn und einer Umsatzbeteiligung – wenn das Geschäft gut lief und sie ihr Monatssoll von 1800 Euro überbot – habe sie sich als Berufseinsteigerin einige Jahre herumgeschlagen. „511 Euro netto waren das oft nur am Monatsende. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel“, sagt die Friseurin. Sie ist kein Einzelfall in einer Branche mit rund 261 000 Beschäftigten, in der beim Waschen, Schneiden, Färben ein harter Preiskampf tobt.

Der Thüringer Tarifvertrag aus den 1990er-Jahren, für den es bisher noch keinen verbindlichen Ersatz gibt, sieht als Einstieg einen Stundenlohn von 3,82 Euro plus Umsatzbeteiligung ab bestimmten Schwellenwerten vor. Er gilt als wohl niedrigster Tariflohn bundesweit. „Viele warten, dass endlich etwas mit Mindestlöhnen passiert“, sagt die 30-jährige Simone, auch sie ist ausgebildete Friseurin in Thüringen.

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Im Bundesrat hat die neue rot-rot-grüne Gestaltungsmehrheit einen Gesetzentwurf zum Mindestlohn durchgesetzt. Das soll nur der Anfang sein: Merkel & Co werden vorgeführt – teilweise mit Hilfe CDU-geführter Länder.

Friseurinnen wie Simone könnten von einem Mindestlohn, über den die Parteien mit Blick auf die Bundestagswahl streiten, profitieren. In Berlin hat die neue rot-rot-grüne Mehrheit im Bundesrat am Freitag einen Gesetzesantrag zur Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde beschlossen. Unterstützung dafür gab es auch von der CDU-geführten saarländischen Landesregierung. Aber Schwarz-Gelb hat schon angekündigt, die Initiative im Bundestag wieder zu Fall zu bringen.

Simone kommt als Angestellte nach eigenen Angaben bei einer 40-Stunden-Woche am Monatsende auf etwa 700 Euro brutto. „Das ist eigentlich eine Katastrophe“, sagt sie. Ohne ihren Partner müsste sie „beim Amt anklopfen“. Der Lohn decke nur die allernötigsten Ausgaben. „Eigentlich lebt man vom Trinkgeld.“ Wenn es um die Bezahlung geht, wollen die Friseurinnen, die ihre Profession trotz aller finanziellen Nachteile als Traumberuf bezeichnen, ihren vollen Namen nicht in der Zeitung lesen. „Ich mache es gern, aber man will schon was verdienen“, sagt Simone.

Thüringen gilt neben Mecklenburg-Vorpommern als das Bundesland mit den niedrigsten Löhnen deutschlandweit. Obwohl das Land zusammen mit Sachsen das wirtschaftlich erfolgreichste in Ostdeutschland ist, haftet ihm das Billig-Image an. Bruttomonatslöhne unter 1000 Euro für Vollzeitjobs sind zwischen Harz und Thüringer Wald keine Seltenheit. 7,4 Prozent der Vollzeitbeschäftigten lagen mit ihrem Verdienst nach Zahlen der Landesarbeitsagentur 2010 unter dieser Grenze. Den Negativrekord hielten die Friseure - sie verdienten als sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte pro Monat im Schnitt 757 Euro.

Kommentare (26)

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RRothe

02.03.2013, 10:14 Uhr

Wenn man diesen Beruf ergreift sollte doch bekannt sein was einem erwartet. Hinterher einen Mindestlohn zu verlangen halte ich für fragwürdig.

Account gelöscht!

02.03.2013, 10:40 Uhr

Mich würde interessieren, wie viele von denen, die einen Mindestlohn fordern, sich die Haare schwarz schneiden lassen würden, wenn die Frisur unter 20-30 € im Salon nicht mehr zu haben ist.

vbk

02.03.2013, 10:45 Uhr

Also schaffen wir alle Berufe im Billiglohnbereich ab, da ja keiner mehr diesen ausüben will oder kann, da er ja im Vorfeld über die Bezahlung informiert ist.D.h. Keine VerkäuferInnen, keine Friseure usw. usw. Bin gespannt was dann Leute wie Sie sagen werden.

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