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22.06.2015

10:56 Uhr

Früherer DDR-Devisenhändler

Alexander Schalck-Golodkowski ist tot

Er blieb vielen als der in Erinnerung, der 1983 den Milliardenkredit für die DDR aushandelte – in harter D-Mark. Die Geldspritze bewahrte den Honecker-Staat vor dem Ruin. Nun ist Alexander Schalck-Golodkowski gestorben.

Der ehemalige DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski erlag dem Krebs. dpa

Alexander Schalck-Golodkowski

Der ehemalige DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski erlag dem Krebs.

Berlin/Rottach-EgernDer frühere DDR-Devisenhändler und SED-Wirtschaftsfunktionär Alexander Schalck-Golodkowski ist tot. Er starb nach langer schwerer Krankheit am Sonntagabend in München, wie sein Verlag Edition Ost am Montag in Berlin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Auch die Witwe bestätigte den Tod des 82-Jährigen. In wenigen Tagen - am 3. Juli - hätte er seinen 83. Geburtstag gefeiert. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung über seinen Tod berichtet.

Schalck-Golodkowski hatte 1983 mit dem damaligen CSU-Chef Franz Josef Strauß einen Milliardenkredit für die DDR ausgehandelt. Das Geschäft in D-Mark bewahrte das sozialistische Land seinerzeit vor dem Staatsbankrott. Der gelernte Feinmechaniker war im Rang eines Staatssekretärs Chef der mächtigen „Kommerziellen Koordinierung“ (KoKo) in der DDR. Er beschaffte für das Regime von Staatschef Erich Honecker über Jahrzehnte Milliardensummen an Devisen.

In der Nacht zum 3. Dezember 1989 suchte Schalck-Golodkowski in West-Berlin Schutz vor dem zerfallenden Unrechtssystem der DDR. Nach der Wende stellte er sich der bundesdeutschen Justiz und kam für einige Wochen in Untersuchungshaft. Dem Bundesnachrichtendienst gab er sein umfangreiches Wissen über das Geschäftsgebaren der KoKo preis.

Die Berliner Mauer in Zahlen

Gesamtlänge

Die innerdeutsche Grenze war knapp 1400 Kilometer lang.

West-Berlin

Die Mauer um den Westteil Berlins umfasste 155 Kilometer und war knapp vier Meter hoch; 43 Kilometer davon trennten das Stadtgebiet von Ost- und West-Berlin.

Wasser

Auf 24 Kilometern durchquerte die Grenze Wasserwege.

Verkehr

Die Mauer unterbrach zwölf S- und U-Bahnlinien sowie 193 Straßen.

Grenzübergänge

Es gab acht Grenzübergänge zwischen West- und Ost-Berlin sowie sechs zwischen der DDR und West-Berlin.

Aufbau

Ab 1975 wird auf fast 42 Kilometern die Grenzmauer mit 3,60 Meter hohen Segmenten neu errichtet. Auf die jeweils 2,75 Tonnen schweren Elemente werden vier Meter lange Rohrauflagen gesetzt. Daneben besteht die Grenze um West-Berlin aus einer Mauer in Plattenbauweise, einem Metallzaun oder Gewässern.

Soldaten

11 500 Soldaten kontrollierten die Grenze rund um Berlin; sie spähten von 302 Beobachtungstürmen nach „Grenzverletzern“.

Signalzäune

Vor der Mauer gab es 127 Kilometer Signalzäune.

Gräben

105 Kilometer Gräben sollten ein Durchbrechen mit Autos verhindern.

Laufanlagen für Wachhunde

Zur Grenzbefestigung gehörten 259 Laufanlagen für Wachhunde.

Fluchtversuche

In den 28 Mauerjahren bewachen insgesamt mehr als 10.000 Soldaten der Nationalen Volksarmee die Berliner Grenze. Mehr als 5000 Menschen gelingt die Flucht - aus der gesamten DDR fliehen rund 40.000. Die Bundesrepublik kauft knapp 34.000 politisch Inhaftierte aus DDR-Gefängnissen frei.

Tote

Über 600 von ihnen kamen ums Leben. Mindestens 136 Menschen starben allein an der Berliner Mauer.

Grenzkontrollen

251 Reisende aus Ost und West starben während oder nach Kontrollen an Berliner Grenzübergängen, zumeist an Herzinfarkten.

Mitte der 1990er Jahre erhielt Schalck-Golodkowski wegen illegaler Waffengeschäfte und Embargovergehens Bewährungsstrafen. Doch dank seiner jahrzehntelangen guten deutsch-deutschen Kontakte und mit Hilfe alter Freunde brachte er es auch im vereinigten Deutschland rasch wieder zu einigem Wohlstand.

Schalck-Golodkowski lebte zuletzt seit über 20 Jahren zurückgezogen mit seiner zweiten Ehefrau Sigrid in Rottach-Egern am oberbayerischen Tegernsee. Interviews verweigerte er sich seit langem beharrlich. Mit der DDR hatte er nach Aussage von Freunden längst abgeschlossen.

Der groß gewachsene Mann - seine Mitarbeiter zu DDR-Zeiten nannten ihn „dicker Alex“ - kämpfte seit Jahren gegen gesundheitliche Probleme. Einheimische sahen ihn gelegentlich auf einen Gehstock gestützt beim Spaziergang durch den Kurort.

Die letzte öffentliche Äußerung von Schalck-Golodkowski stammt aus einer Talkshow im Jahr 2000. Damals sagte er über seine Tätigkeit für die DDR: „Ick hab' nich beschafft, ick hab' erarbeitet.“ Und fügte im berlinerischen Dialekt hinzu: „Ick hab' für die DDR gekämpft, und wir haben am Ende verloren.“

Kommentare (7)

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Herr Fred Meisenkaiser

22.06.2015, 10:37 Uhr

DAS war der eigentliche Verbrecher - schlimmer als die Staasi. Er hat dies alles finanziert.

Und wurde nach der Wende von seinen Freunden sofort nach Bayern an den Tegernsee gebracht.
Und durfte dort einen schönen Lebensabend verbringen.

Herr wulff baer

22.06.2015, 11:08 Uhr

Dem Allmächtigen sei Dank für die Erlösung von diesem Übel.

Herr Horst Meiller

22.06.2015, 11:20 Uhr

Fazit: In Rumänien (mit Ceaușescu) hat man es damals richtig gemacht, in Deutschland nicht!

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