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22.01.2007

22:11 Uhr

Führungskräfte beim Kirchentag

Vom Sinn und Haben

VonThomas Sigmund

Beim „Kongress christlicher Führungskräfte“ in Leipzig traf sich Wirtschaftsprominenz wie Schuhketten-Chef Heinrich Deichmann oder Christiane Underberg, Leiterin des gleichnamigen Spirituosenherstellers. Abseits von Krisen und Skandalen kamen dort christliche Tugenden zur Sprache.

LEIPZIG. Der Thomanerchor lässt sich von Kyrill nicht unterkriegen. Der Orkan rüttelt bedrohlich die Halle durch. Drinnen spitzen die Knaben die Münder und stimmen unverdrossen den „Kongress christlicher Führungskräfte“ in Leipzig mit Werken von Johann Sebastian Bach auf die Veranstaltung ein. „Der Mensch lebt und besteht nur eine kleine Zeit“, mahnen sie die Wirtschaftslenker.

Soli Deo Gloria – Gott allein die Ehre – schrieb Bach einst als Credo über sein gesamtes Werk. Ein Glaubensbekenntnis, das ohne weiteres auch über der Arbeit von Heinrich Deichmann stehen könnte. Während Sexskandale und Schmiergeldzahlungen dem Image von Managern zusetzen, singt der Chef der Schuhkette mit 2



200 Läden in 16 Ländern und 25



000 Mitarbeitern sein ganz persönliches „Soli Deo Gloria“: „Ein Unternehmen, das vor allem Kunden, Mitarbeitern und Lieferanten dient und nicht dem Börsenwert, kann erfolgreich auf dem Markt agieren.“

Christiane Underberg, Chefin des gleichnamigen Spirituosenherstellers, stimmt in das Loblied ein und beschreibt, wie Ethik und Wirtschaft, wie der liebe Gott und der Mammon, unter einen Hut zu bringen sind: „Wir orientieren uns an christlichen Werten.“

Bescheidenheit, Ehrlichkeit, Rücksichtnahme. Werte, die immer mehr Unternehmer in Deutschland wieder zu schätzen lernen. Kamen zum ersten Kongress christlicher Führungskräfte vor sieben Jahren 900 Wirtschaftsführer, pilgerten dieses Jahr 3 500 nach Leipzig. Das Engagement der gläubigen Manager geht aber über die von der evangelischen Nachrichtenagentur Idea organisierte Veranstaltung hinaus: Im Verein Christen in der Wirtschaft treffen sich regelmäßig 1



100 Mitglieder. Beim Bund Katholischer Unternehmen kommen 1 200 Führungskräfte zusammen – darunter Obi-Gründer Manfred Maus, Claus Hipp und Gerhard Cromme. Dem Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer gehören 600 Mitglieder an, unter ihnen Trumpf-Aufsichtsratsvorsitzender Berthold Leibinger und Commerzbank-Personalchef Andreas de Maizière. Während den Amtskirchen die Schäfchen davonlaufen, findet die christliche Heilslehre in den Führungsetagen immer mehr Anhänger.

Das haben auch die Politiker registriert. Unter den Gästen auf dem Kirchentag für Unternehmer in Leipzig waren Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) sowie Ex-Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof.

„Wirtschaftsskandale gab es schon immer, und sie hören auch nicht auf“, sagt Manfred Spieker vor der Tagung. Der Professor für christliche Sozialwissenschaften an der Universität Osnabrück wundert sich aber nicht über das steigende Interesse an christlichen Werten in der Wirtschaft. Der „Sumpf um Herrn Hartz“ zeige, dass bislang festgeschriebene Verhaltensgrundsätze und Ethikstandards nur bedingt wirksam seien, sagt der Wissenschaftler.

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