Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.01.2007

11:56 Uhr

Führungskrise bei den Christsozialen

CSU-Machtkampf spitzt sich zu

Kurz vor dem Krisentreffen der CSU-Landtagsfraktion überschlagen sich die Ereignisse: Während der CSU-Landtagsabgeordnete Sebastian Freiherr von Rotenhan Regierungschef Edmund Stoiber offen zum Rücktritt aufforderte, drängt die Opposition auf Neuwahlen. Landwirtschaftsminister Horst Seehofer sagte in Zusammenhang mit der Führungskrise seiner Partei kurzfristig alle Termine in Berlin für heute und Mittwoch ab.

Bayerns Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender Edmund Stoiberim Gespräch mit Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (r). Archivfoto: dpa. dpa

Bayerns Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender Edmund Stoiberim Gespräch mit Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (r). Archivfoto: dpa.

HB WILDBAD KREUTH. Der Führungsstreit in der CSU bleibt weiter offen. In der CSU-Landtagsfraktion herrschte am Dienstag Unklarheit darüber, ob der Parteivorsitzende und bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber tatsächlich zu einem Rückzug bereit ist. Stoiber wollte am Vormittag bei seinem Eintreffen am Tagungsort des Fraktionsvorstands in Wildbad Kreuth seine Äußerungen vom Montag nicht weiter kommentieren. Der CSU-Chef betonte lediglich, er werde mit seiner Fraktion über das weitere Vorgehen diskutieren.

Stoiber hatte nach Angaben von Teilnehmern in der Sitzung des Fraktionsvorstands vorgeschlagen, den für Ende November geplanten Parteitag auf September vorzuziehen. Die Delegierten sollen dann über seine erneute Spitzenkandidatur entscheiden. Stoiber trat zugleich dem Eindruck entgegen, dass er an seinem Stuhl klebt. Er habe betont, eine gemeinsame Lösung anzustreben. Er müsse nicht erneut kandidieren, wolle dies aber tun.

Diese Worte wurden zum Teil nicht als reine Taktik bewertet, sondern als Angebot Stoibers an seine Kritiker. So sagte der CSU-Landtagsabgeordnete Hermann Imhof, dies eröffne die Chance, mit Stoiber am Dienstagnachmittag möglicherweise über dessen „geordneten Rückzug“ sprechen zu können. Der Ministerpräsident müsse „in Würde gehen“ können.

Der CSU-Abgeordnete Eberhard Rotter betonte, „so genau“ sei der Vorschlag von Stoiber nicht gewesen. Aus seiner Sicht sei jedoch eine Mehrheit des erweiterten Fraktionsvorstands dafür gewesen, dass für die Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl 2008 eine „andere Lösung“ als Stoiber gebraucht werde.

Bayerns Landtagspräsident Alois Glück sagte, die Aussprache am Montag sei „sehr gut“ und „ohne jede Verletzungen“ gewesen. Dies sei „für sich schon einmal ein Wert“. Alles Weitere müsse nun in der Fraktion beraten werden. Vize-Fraktionschef Engelbert Kupka äußerte sich zuversichtlich, dass es eine gemeinsame Lösung mit Stoiber geben werde.

Stoiber hatte zuletzt mit seiner Ankündigung, über 2008 hinaus die volle Periode bis 2013 weiterregieren zu wollen, für Ärger in der eigenen Partei gesorgt. Die Opposition fordert Neuwahlen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×