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07.07.2011

12:44 Uhr

Führungskrise

Der Reservekanzler

In Deutschland wächst die Sehnsucht nach einem Machtwechsel: Keiner verkörpert sie so wie Peer Steinbrück. Der Ex-Finanzminister besitzt, was der Kanzlerin fehlt: ökonomischen Sachverstand und den Mut, ihn auch zu gebrauchen.

Peer Steinbrück bei der Preisverleihung für sein Buch "Unter dem Strich". Quelle: Reuters

Peer Steinbrück bei der Preisverleihung für sein Buch "Unter dem Strich".

DüsseldorfPeer Steinbrück liebt die Wahrheit mehr als das Grundsatzprogramm seiner Partei. Er nennt die SPD mit ihrem Hang zur Sozialromantik "eine verspätete Partei", bezeichnet ihre Funktionäre zuweilen als "Betonfressen". Auch für die amtierende Kanzlerin hat er die Höchstdosis an Wahrheit bereit. Sie habe ihren Zenit überschritten, sagte er gestern.

Seine Wahrheitsliebe, oft derb und deutlich artikuliert, paart sich mit einem ökonomischen Sachverstand, wie ihn die deutsche Politik seit Karl Schiller und Helmut Schmidt nicht mehr erlebt hat. Steinbrück über Steinbrück: "Die Leute dürfen von mir ruhig sagen, was für ein Scheißtyp. Sie sollen jedoch hinzufügen: Aber wenigstens steht er zu dem, was er für richtig hält."

Beide Steinbrücks zusammen, der Wahrheitssprecher und der Chefvolkswirt der Deutschland AG, bilden jenen Politikertypus, dem alles zuzutrauen ist, auch die Kanzlerschaft. Die Tatsache allerdings, dass er mitten in der Legislatur und ohne jedes Parteiamt die Sehnsüchte der Deutschen derart beflügelt, liegt nicht allein an ihm. Es liegt vor allem an ihr. Die Noch-Regierungschefin Angela Merkel produziert Enttäuschung mit jedem Tag, an dem ihre Koalition weiter vor sich hin regiert.

In dieser Situation wirkt Steinbrück wie das Gegengift zur herrschenden Resignation, die sich bis weit in das Bürgertum hinein ausgebreitet hat. Die Steinbrück-Euphorie ist für viele ein Akt der politischen Notwehr. Oder anders gesagt: Ihr Absturz ist sein Aufstieg. Erst ihre Kanzlerschaft hat ihn zum Reservekanzler befördert.

Kommentare (31)

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Zahlmeister

07.07.2011, 13:05 Uhr

Mit Steinbrück kommt die SPD an die Macht, das sollte man nicht vergessen.
Auch mit einem Sahnehäubchen bleibt ein Scheißhaufen, was er ist. Merkel würde dort übrigens sehr gut hinpassen.

GRDONGECKO

07.07.2011, 13:14 Uhr

sehr geehrter Herr Steingart,
bei Ihrem Artikel zu Herrn Ackermann konnte ich Ihnen nicht zustimmen was ich in Bezug auf Herrn Steinbrück ausnahmslos tun kann(als nicht SPD Wähler).

Mit freundlichen Grüßen
Achter Gerhard

Rainer_J

07.07.2011, 13:14 Uhr

Nachdem Steinbrück beim Bilderberger-Treffen 2011 in der Schweiz war, ist klar, dass er Kanzlerkandidat ist und von der gleichgeschalteten Presse gepuscht wird.

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