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15.01.2007

16:20 Uhr

Führungskrise in der CSU

„Im untersten Keller angelangt“

Aus der Führungsetage der Partei will sich derzeit noch niemand offen gegen Stoiber stellen und damit möglicherweise zum „Königsmörder“ werden. Hinter den Kulissen scheint sich der Machtkampf jedoch zur Schlammschlacht zu entwickeln: Empörung löste bei CSU-Spitzenpolitikern ein Bericht der „Bild“-Zeitung über eine angebliche außereheliche Beziehung von Parteivize Horst Seehofer aus, der als Anwärter für den Vorsitz gehandelt wird.

Die Fraktionsklausur in Kreuth gilt als entscheidend für Stoibers weiteres politisches Schicksal. Foto: dpa. ap

Die Fraktionsklausur in Kreuth gilt als entscheidend für Stoibers weiteres politisches Schicksal. Foto: dpa.

HB MÜNCHEN. Während der CSU-Landtagsabgeordnete Eberhard Rotter Stoiber offen zum Verzicht auf den CSU-Vorsitz aufforderte, haben sich am Montag sowohl Innenminister Beckstein als auch Bundesagrarminister Seehofer hinter ihren Parteichef gestellt. Nach Auffassung Rotters könnten jedoch beide im Kampf um Stoibers Nachfolge schon bald ihren Hut in den Ring werfen.

Der Fraktionsvorsitzende Joachim Herrmann ließ nach einem, wie er sagte, „ernsthaften“ Krisengespräch mit Stoiber in München dessen neuerliche Kandidatur als Ministerpräsident offen und verwies auf die Fraktionssitzung in Kreuth. Auf die Frage, ob die CSU-Fraktion mit Stoiber in die Landtagswahl 2008 ziehen werde, sagte er nur: „Wir werden darüber sprechen in Kreuth.“ Der Vorsitzende der CSU-Landtagsfraktion berichtete von einem „sehr guten und ernsthaften Gespräch“. „Ich denke, wir haben jetzt die Klausur in Wildbad Kreuth gut vorbereitet“, fügte Herrmann hinzu. Er habe mit Stoiber sehr offen gesprochen, erklärte der Fraktionschef: „Ich habe ihm meine Wahrnehmungen mitgeteilt.“

Herrmann hatte in mehreren Interviews daraufhin gewiesen, dass es immer mehr Stimmen gebe, wonach man auch in einer anderen Formation in die Wahl 2008 gehen könne. Stoiber selbst wurde am Montag um 14.00 Uhr zu der Vorstandssitzung der CSU-Fraktion in Kreuth erwartet, wie ein Sprecher der Staatskanzlei erklärte. Vor Herrmann hatte bereits Landtagspräsident Alois Glück mit Stoiber gesprochen, Ergebnisse der Unterredung wurden aber zunächst nicht bekannt.

Herrmann hatte in mehreren Interviews zur Debatte gestellt, ob die Landtagsfraktion mit Stoiber als Spitzenkandidaten in die Landtagswahl 2008 gehen will. Er appellierte an die Partei, „mehr miteinander als über einander zu reden“. Auf die Frage, ob er mit Stoiber über einen Rückzug sprechen werde, antwortete der Fraktionschef: „Es gibt keinen Grund dazu.“

Rückendeckung von Beckstein, Huber und Seehofer

Zuvor hatte bereits Landtagspräsident Glück mit Stoiber in der Staatskanzlei gesprochen. Ergebnisse der Unterredung wurden zunächst nicht bekannt. Glück hatte zuvor betont, er habe keinen Auftrag erhalten, Stoiber zum Rücktritt zu bewegen. Am Montagnachmittag nimmt Stoiber nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa an der Sitzung des CSU- Fraktionsvorstands in Kreuth teil. Offiziell angekündigt ist die Teilnahme Stoibers erst für Dienstag. Die am Montag beginnende Fraktionsklausur in Kreuth gilt als entscheidend für Stoibers weiteres politisches Schicksal.

Vor den entscheidenden Gesprächen stellten sich führende CSU-Politiker hinter den angeschlagenen Ministerpräsidenten und Parteichef. Generalsekretär Markus Söder forderte die CSU-Landtagsfraktion auf, Stoiber auf ihrer am Nachmittag beginnenden Klausurtagung das Vertrauen auszusprechen. Auch Innenminister Günther Beckstein, Wirtschaftsminister Erwin Huber und Bundesagrarminister Horst Seehofer gaben dem Ministerpräsidenten Rückendeckung.

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