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16.05.2012

14:30 Uhr

Führungsstreit bei der Linken

Gysi macht sich für ein Lafontaine-Comeback stark

Personeller Neuanfang oder doch wieder Oskar Lafontaine? Die Linke findet keinen Kompromiss, beide Kandidaten sammeln ihre Truppen. Parteivize Katja Kipping schlägt einen dritten Weg vor - einen weiblichen.

Mitmachen - aber nicht um jeden Preis: Wenn die Partei es will, will Oskar Lafontaine wieder den Vorsitz der Linken übernehmen. dpa

Mitmachen - aber nicht um jeden Preis: Wenn die Partei es will, will Oskar Lafontaine wieder den Vorsitz der Linken übernehmen.

BerlinIm Linken-Führungsstreit hat sich erstmals Fraktionschef Gregor Gysi klar für die Rückkehr von Oskar Lafontaine an die Parteispitze ausgesprochen. Zugleich forderte Gysi am Mittwoch, Lafontaine müsse seinen parteiinternen Widersacher Dietmar Bartsch als Bundesgeschäftsführer hinnehmen. "Oskar Lafontaine müsste auf Dietmar Bartsch zugehen und ihn als Bundesgeschäftsführer vorschlagen und akzeptieren. Und dann müsste Dietmar Bartsch auf Oskar Lafontaine zugehen und ihn als Parteivorsitzenden akzeptieren", erklärte Gysi.

Lafontaine sei "zweifellos ein herausragender deutscher und europäischer Politiker", hieß es in der Erklärung weiter. Bartsch sei ebenfalls "ein herausragender Politiker, hat aber nicht das gleiche Gewicht". Er sei aber "ein besserer Parteiorganisator". Gysi appellierte an beide, "aufeinander zuzugehen" und bot seine Hilfe an, "um Vertrauen zwischen ihnen herzustellen". Die Linke sei "in einer sehr schwierigen Situation", räumte er ein.

Der Fraktionschef warnte vor einem Auseinanderfallen der Partei. Es gebe nach wie vor unterschiedliche Teile, "die sich bis heute nicht vereinigt, nicht zusammengefunden haben", sagte er mit Blick auf die Ost-West-Spaltung in der Partei. "Die politischen Ansätze, die politische Kultur, der Umgang mit der SPD - all das unterscheidet sie schon im Ansatz." Es gebe zwei Möglichkeiten, damit umzugehen: "Entweder man trennt sich oder man findet zusammen." Der Sieg der einen über die anderen oder umgekehrt sei "kein Weg zur Vereinigung, sondern läuft letztlich auf eine Trennung hinaus", mahnte er.

Die Parteiführung und die Chefs der Landesverbände hatten sich in einer viereinhalbstündigen Sitzung nicht auf Dietmar Bartsch oder Oskar Lafontaine als neuen Bundesvorsitzenden einigen können. Die stellvertretende Parteivorsitzende Katja Kipping brachte einen dritten Weg ohne Bartsch und Lafontaine ins Gespräch - vielleicht sogar mit zwei Frauen.

Vizefraktionschef Bartsch blieb am Dienstag bei seiner Kandidatur, der Ex-Parteivorsitzende Lafontaine behält sich weiter vor, seinen Hut in den Ring zu werfen. Eine Kampfkandidatur gegen Bartsch will der Saarländer aber nicht.

Linkspartei-Chef Klaus Ernst sieht die Mehrheit der Mitglieder hinter einer Kandidatur von Oskar Lafontaine für den Parteivorsitz. „Wenn wir die Mitglieder entscheiden ließen, würde es eindeutig für Oskar Lafontaine ausgehen“, sagte Ernst am Mittwoch im Deutschlandfunk. Sein Kurs sei auch der Kurs der Mehrheit in der Partei. Deshalb sei er „wirklich die allerbeste Lösung“, meinte Ernst. Die Partei könne froh sein, dass Lafontaine noch einmal komme.

Der Vorsitzende der Linkspartei in Sachsen-Anhalt, Matthias Höhn, kündigte am Mittwoch an, Bundesgeschäftsführer werden zu wollen. Der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“ sagte er: „Ich bin bereit, als Bundesgeschäftsführer zu kandidieren. Ich will meinen Beitrag dazu leisten, dass wir in der Partei näher zusammen rücken und besser miteinander kommunizieren und solidarischer miteinander umgehen.“

Katja Kipping, stellvertretende Bundesvorsitzende der Linken, bringt eine Frauen-Doppelspitze ins Gespräch. dpa

Katja Kipping, stellvertretende Bundesvorsitzende der Linken, bringt eine Frauen-Doppelspitze ins Gespräch.

Höhn machte sich zugleich für Dietmar Bartsch als neuen Bundesvorsitzenden stark. „Ich habe schon Ende letzten Jahres erklärt, dass ich seine Kandidatur unterstütze. Daran hat sich nichts geändert“, sagte Höhn der Zeitung.

Wer die Partei „bewusst in eine Showdown-Situation führt“, schade ihr, sagte Parteivize Kipping. Inzwischen ist auch eine Doppelspitze mit zwei Frauen im Gespräch. Laut Satzung muss „mindestens“ eine Frau der Doppelspitze angehören. Nach dem Rücktritt der bisherigen Vorsitzenden Gesine Lötzsch aus familiären Gründen hat bisher noch keine Frau ihre Kandidatur für die Nachfolge erklärt.

Eigentlich wollte die Linke unmittelbar nach den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein (6. Mai) und Nordrhein-Westfalen (13. Mai) ihre Führungsfrage klären. Jetzt droht sie im Chaos zu versinken. Die Führungsdebatte soll nun zunächst auf Regionalkonferenzen und in Einzelgesprächen weitergeführt geführt werden. Parteichef Klaus Ernst will auch noch einmal zu einer Spitzenrunde einladen. Auf dem Parteitag in Göttingen am 2. und 3. Juni soll der neue Parteivorstand gewählt werden.

Kommentare (1)

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16.05.2012, 09:05 Uhr

Durch ihre Lieson mit Lafontaine hat sich Frau Wagenknecht selbst entschärft als ostdeutsche Allzweck-Talkerin. Sie wurde bereits von den PDS-Kameraden fallen gelassen (innerlich jedenfalls). Der Graben zwischen PDS und WASG tut sich wieder auf - mögen sie sich gegenseitig auffressen. Den Part der ewig geknechtetet und nach Bürgergeld rufenden Klientel hat jetzt ein Segment bei den Piraten übernommen - ohne dass ich hoffe, dass es mal Realität wird, natürlich. "Man muss etwas tun müssen im Leben, damit es einem gut geht". Der Grundsatz muss bleiben als Antrieb.

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