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28.07.2015

15:59 Uhr

Fusion von KMW und Nexter

„Eine Schwächung unserer Kernkompetenzen“

VonDietmar Neuerer

Die Panzerhersteller Krauss-Maffei Wegmann und Nexter stehen vor der Fusion. In Berlin stößt die Nachricht auf ein geteiltes Echo. In der Union fürchtet man auch Nachteile bei dem deutsch-französischen Deal.

Die geplante Fusion von KMW und Nexter schlägt auch in der Politik hohe Wellen. dpa

KMW-Kampfpanzer Leopard

Die geplante Fusion von KMW und Nexter schlägt auch in der Politik hohe Wellen.

BerlinDie geplante Fusion des deutschen Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann (KMW) mit seinem französischen Konkurrenten Nexter wird in Berlin unterschiedlich bewertet. In der Unions-Bundestagsfraktion sieht man nicht nur Vorteile eines solchen Deals.

„Für unser Land kommt es darauf an, in der Ausstattung unserer Streitkräfte nicht auf „black boxes“ ausländischer Partner angewiesen zu sein, sondern in Kernbereichen wie beispielsweise der Panzertruppe, der Artillerie und der Aufklärung, Spitzentechnik aus eigener Fertigung bereitzustellen“, sagte der Unions-Obmann im Auswärtigen Ausschuss, Roderich Kiesewetter (CDU), dem Handelsblatt. „Damit erscheint mir die bevorstehende Fusion eher eine Schwächung unserer Kernkompetenzen zu bedeuten, weil bisherige Kooperationen mit Frankreich, zum Beispiel im Flugzeug- und Satellitenbau, immer zu Lasten und zum Nachteil deutscher Kernfähigkeiten ausgegangen sind.“

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Mitten in der Euro-Krise überwinden zwei Unternehmen nationale Grenzen. Die Panzerhersteller Krauss-Maffei Wegmann aus München und Nexter aus Paris gehen zusammen. Hinter dem Deal steckt auch eine Botschaft für Europa.

Der Unions-Wirtschaftsexperte Joachim Pfeiffer (CDU) bezeichnete dagegen ein Zusammengehen von KMW und Nexter als „wichtigen Schritt“ hin zur notwendigen Konsolidierung der europäischen Verteidigungsindustrie. „Angesichts von Überkapazitäten in der europäischen Verteidigungsbranche bei gleichzeitig schrumpfenden Etats der Mitgliedstaaten müssen europäische Lösungen zum Erhalt dieser wichtigen Industrie gefunden werden“, sagte Pfeiffer dem Handelsblatt. Es sei daher gut, wenn Deutschland und Frankreich hier gemeinsam vorangingen.

Das Handelsblatt hatte zuvor über die Fusionspläne berichtet, die noch in dieser Woche besiegelt werden sollen. Das Verteidigungsministerium in Paris lädt zu einem Pressetermin für Mittwochnachmittag ein. Dabei gehe es um die „Unterschrift unter die Verständigung“ zwischen den beiden Unternehmen, hieß es.

Die großen europäischen Rüstungsschmieden

Airbus

Der Airbus-Konzern ist der einzig wirklich paneuropäische Rüstungshersteller, an dem mehrere Länder beteiligt sind. Die Sparte Defense & Space beschäftigt 45.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von gut 14 Milliarden Euro. Airbus baut unter anderem das militärische Transportflugzeug A400M, in Kooperation mit dem britischen Konzern BAE auch den Kampfjet Eurofighter. Dazu kommen weitere Militärtransporter, Hubschrauber, Elektronik und Aufklärungssysteme.

BAE Systems

Die Briten liefern sich in puncto Größe mit Airbus ein knappes Rennen. Neben Luftfahrttechnik bauen die 93.500 Mitarbeiter weltweit auch gepanzerte Fahrzeuge und Rüstungstechnik für den Kampf am Boden. Zuletzt kam BAE auf einen Umsatz von umgerechnet 21,8 Milliarden Euro. Eine geplante Fusion mit Airbus scheiterte 2012 am Widerstand der deutschen Regierung.

Thales

Die Franzosen kamen zusammen mit ihrem Zivilgeschäft im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 14,2 Milliarden Euro. Im Rüstungsgeschäft haben sie sich auf Luftabwehrsysteme, Elektronik, Drohnen und Cyber-Security spezialisiert. Der Konzern beschäftigt 65.000 Menschen.

Dassault Aviation

Der Flugzeugbauer ist vor allem für sein Kampfflugzeug Rafale bekannt. Die Franzosen entwickelten den Jet nach dem Ausstieg aus dem Eurofighter-Konsortium im Alleingang. Heute erwirtschaften knapp 12.000 Mitarbeiter einen Jahresumsatz von 3,7 Milliarden Euro. Dassault ist eng mit Airbus verbunden, das sich derzeit von seinen Minderheitsanteilen trennt, aber weiterhin in vielen Produktbereichen kooperiert.

Finmeccanica

In dem Riesenkonzern bündelte Italien seine Rüstungs- und Schwerindustrie. Neben Fluggerät baut das Unternehmen auch Helikopter und andere Militärausrüstung und erwirtschaftete insgesamt 14,7 Milliarden Euro mit gut 54.000 Mitarbeitern.

Nexter-KMW

Der fusionierte Panzerbauer kommt auf einen Jahresumsatz von zwei Milliarden Euro und setzt auf 6000 Mitarbeiter. KMW ist vor allem für klassische Panzer bekannt, etwa den Leopard 2. Nexter fertigt unter anderem den Panzer Leclerc für das französische Heer sowie leichte bis mittelschwere Panzerfahrzeuge.

Rheinmetall

Der Hersteller legendärer Kanonen wie der Hauptwaffe des Leopard 2 oder der Panzerhaubitze 2000 mischt bei vielen Rüstungsprojekten in Europa über Kooperationen mit anderen Herstellern wie etwa KMW mit. Die gut 20.000 Mitarbeiter der Rheinländer erwirtschaften Jahreseinnahmen von 4,7 Milliarden Euro.

Saab

Nach dem Abschied von der Autofertigung konzentrieren sich die Schweden seit längerem auf den Bau von Militärflugzeugen und Luftkampfwaffen, etwa den Kampfjet Gripen. Neben den heimischen Streitkräften nutzen auch die Armeen von Brasilien, Südafrika, Tschechien und Ungarn das Modell. Rund 14.000 Mitarbeiter schaffen einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro.

MBDA

Der Raketenspezialist gehört Airbus, BAE und Finmeccanica gemeinsam und beschäftigt fast 10.000 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz lag zuletzt bei 2,4 Milliarden Euro.

RUAG

Der staatliche Schweizer Hersteller von Kriegsgerät kam durch die internationale Expansion auf fast 10.000 Mitarbeiter und Einnahmen von umgerechnet 1,7 Milliarden Euro. Außerhalb der Schweiz haben sich die Eidgenossen insbesondere auf Munition verlegt.

General Dynamics European Land Systems

Der US-Konzern General Dynamics hält sich einen eigenen europäischen Ableger. In Madrid haben die Amerikaner jene Unternehmen gebündelt, die sie in den vergangenen Jahrzehnten übernommen haben. Dazu gehören die spanische Santa Barbara Sistemas, die Schweizer Mowag und die österreichische Steyr-Daimler-Puch. General Dynamics bietet so eine breite Rüstungspalette an, vom Schützenpanzer bis zum Sturmgewehr.

Die Kleinen

Zu den Herstellern der Großsysteme gesellt sich eine Gruppe kleinerer Anbieter. Dazu zählen die deutschen Handwaffenhersteller Heckler & Koch, SIG Sauer und die belgische Herstal-Gruppe. Die fränkische Diehl Defense ist spezialisiert auf Lenkflugkörper und Artilleriemunition. Thyssen-Krupp Marine Systems baut Kriegsschiffe.

Die Eigentümerfamilie Bode für KMW und der französische Staat für Nexter seien die Unterzeichner. Es soll eine Holding niederländischen Rechts mit dem vorläufigen Namen „Newco“ gegründet werden. Sie halte sämtliche Anteile der beiden Firmen. KMW ist vor allem bekannt durch den Kampfpanzer „Leopard“.

CDU-Politiker Pfeiffer hält den Zeitpunkt für eine Fusion für günstig. KMW und Nexter würden zunächst ihre derzeit vollen Auftragsbücher abarbeiten. Die entsprechenden Exporte würden dann weiterhin nach dem jeweiligen deutschen oder französischen Exportkontrollrecht genehmigt. „Darüber hinaus gilt es aber in der Perspektive, neue, gemeinsame Produkte zu entwickeln, um Synergien zu heben“, sagte der CDU-Politiker. Deren Vermarktung sollte aber nach „einheitlichen europäischen Spielregeln“ erfolgen. „Daher ist es richtig, die europäischen Regelungen zur Rüstungsexportkontrolle weiterzuentwickeln und zu harmonisieren.“

Kommentare (8)

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Herr Hartmut Dr. Schoenell

28.07.2015, 16:58 Uhr

Für Frankreich ist das knallharte Industriepolitik. Während Deutsche in den Kategorien von Effizienz und Nutzen für das neue Ganze denken, wollen Franzosen das neue Ganze beherrschen. (S. HOECHST) und Vorteile für den eigenen Teil suchen. Und mit den Blaupausen für den LEOPARD II haben sie diese. Das wird KM mittelfristig nicht überleben. Wie strategisch Frankreich denkt, sieht man heute nach fünfzehn Jahren Währungsunion.

Herr stephan heinrich

28.07.2015, 17:01 Uhr

Tatsächlich spricht vieles dafür, daß nach der Fusion -findet sie denn statt- die deutschen Kernkomptenzen zugunsten der französichen geschwächt werden, wie nicht nur frühere Fusionen wie Airbus und Alström, sondern ein Blick auf die Unternehmensdaten zeigt. Nexter hat mehr Umsatz und Personalals KMW, die zudem ein Familinunternehmen sind und nicht wie Nexter den Staat hinter sich hat. Die Lage von KMW könnte seit langem erheblich besser sein, wenn etwa die deutschen Ausfuhrgenehmigungsverfahren weniger restriktiv gehandhabt würden und somit Milliardenaufträge an die Konkurrenz verloren gingen, die sich im Zweifelsfall wenig darum schert, ob der Käufer in einem "Krisengebiet" zu hause ist oder nicht. Fänden solche Exporte dennoch nach einer Fusion statt (womit zu rechnen ist), hätte die Bundsregierung diesem Traditionsunternehmen gleich zwei mal ein Bein gestellt, denn der Löwenanteil der Gewinne aus solchen Geschäften gingen, naturelment, nach Frankreich.

Frau Margrit Steer

28.07.2015, 17:17 Uhr

Deutschland wird weiter ausverkauft. Das hat ja Schröder, der Genosse der Bosse, begonnen
Wenn wir duch unser Lad gehen würden, würden wir uns wundern, denn wir würden feststellen, dass uns kaum noch was gehört.
Selbst Wohungsbestände und Alenheime sind in ausländ. Hand.
Unser Politiker sind nur noch Verbrecher

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