Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.04.2013

07:57 Uhr

G20-Gipfel

Schäuble setzt bei Steuerflucht auf neue Kooperationen

Vor dem Treffen von IWF und G20 bekräftigt der Finanzminister seinen Willen, Steueroasen trocken zu legen. Finanzgeschäfte dürften nicht unreguliert bleiben. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit sei derzeit am drängendsten.

Wolfgang Schäuble ist auf dem Weg zum Treffen der Finanzminister in den USA. dpa

Wolfgang Schäuble ist auf dem Weg zum Treffen der Finanzminister in den USA.

WashingtonBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will beim Treffen von IWF und G20 in den USA neue Bündnispartner im Kampf gegen Steuerflucht und Steueroasen finden. "Das Treffen in Washington ist sicherlich (...) Anlass und Gelegenheit, für unsere Initiativen im Bereich der Bekämpfung der Steuerhinterziehung und der Bekämpfung der Erosion der Steuerbasis durch international operierende Konzerne zu werben und weitere Alliierte zu gewinnen", sagte er am Donnerstag auf dem Flug in die US-Hauptstadt. Die Krise habe gezeigt, dass man es nicht zulassen dürfe, "dass Einzelne sich weigern, ihren fairen Anteil an der Steuerlast zu tragen".

Schäuble hatte beim letzten G20-Finanzministertreffen in Moskau zusammen mit Frankreich und Großbritannien eine Initiative vorgestellt, um solchen Praktiken wirkungsvoll entgegenzutreten. Nun soll die Industrieländerorganisation OECD bis zum Sommer einen Aktionsplan ausarbeiten, den dann die Staats- und Regierungschef der Gruppe der führenden Schwellen- und Entwicklungsländer (G20) im September beschließen könnten.

Der deutsche Minister warnte darüber hinaus davor, fünf Jahre nach der Banken- und Finanzkrise von 2008 beim Bemühen um eine Stabilisierung des Finanzsystems und der öffentlichen Finanzen nachzulassen. Die Zusagen der G20 aus früheren Gipfeln, etwa zur Defizitrückführung, seien einzuhalten und fortzuentwickeln. "Es gilt weiterhin, dass kein Finanzgeschäft und kein Finanzakteur unreguliert bleiben darf", sagte er. Hierbei gebe es schon große Fortschritte, etwa bei der "Bändigung der international agierenden Großbanken" und in anderen Feldern.

Reiche in Deutschland

Ab wann gilt man als reich?

Eine Definition für Reichtum gibt es nicht. Auch ist dies - wie so vieles - relativ. Der Durchschnittsverdienst eines Arbeitnehmers liegt in Deutschland bei rund 30.000 Euro. Die Hälfte der 26,6 Millionen Steuerpflichtigen hatte nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2007 Einkünfte von bis zu 29.000 Euro, 10 Prozent erhielten mehr als rund 73.400 Euro, aber nur ein Prozent mehr als 206.000 Euro.

Wie ist die Vermögensverteilung?

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht von einem Nettovermögen in Deutschland von 9,3 Billionen Euro. Das umfasst Immobilien, Geldvermögen, Versicherungen, Betriebsvermögen oder auch Vermögen in Form wertvoller Sammlungen. Dieses Vermögen ist in Deutschland ungleich verteilt. So besitzen 10 Prozent der Bevölkerung nach Angaben des DIW gut 66 Prozent des Gesamtvermögens. Ein Prozent der Bevölkerung verfügt über mehr als ein Drittel des gesamten Vermögens.

Wie viele Millionäre und Milliardäre gibt es in Deutschland?

Nach Angaben des „Manager Magazins“ gibt es in Deutschland gut 100 Milliardäre - sowohl Einzelpersonen als auch Familien. Angeführt wird die Liste der Superreichen von Aldi-Gründer Karl Albrecht.

Trotz Wirtschaftskrise und Börsenturbulenzen ist auch die Zahl der Deutschen, die über ein Nettovermögen von einer Million Euro und mehr verfügen deutlich gestiegen. Der D.A.CH-Vermögensreport 2012 gibt die Zahl der Euro-Millionäre in Deutschland mit 826.000 an.

Wie sieht es mit „Einkommensmillionären“ aus?

Laut Statistischem Bundesamt gab es im Jahr 2007 insgesamt 16.681 Steuerzahler mit Einkünften von einer Million Euro oder mehr. Die meisten kamen aus Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

Wer zahlt Steuern?

Auf das oberste Zehntel der Einkommensbezieher entfielen 2007 fast 55 Prozent des gesamten Steueraufkommens. Fast ein Viertel (23,9) des Aufkommens ging auf die 1 Prozent Einkommensreichsten zurück. Dagegen zahlt die untere Hälfte nur sieben Prozent des Steueraufkommens.

Werden Reiche künftig stärker besteuert?

Wenn es nach SPD, Grünen, Linken und Gewerkschaften geht: Ja. Es geht vor allem um einen höheren Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer und eine Rückkehr zur Vermögensteuer, die Ende 1996 in Deutschland ausgesetzt wurde. Zurzeit liegt der Spitzensteuersatz bei 42 Prozent, er gilt ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 52.882 Euro. Hinzu kommt die „Reichensteuer“ von 45 Prozent ab 250.001 Euro (Ledige). Die Sätze könnten angehoben werden oder früher greifen.

Schäuble hob mit Blick auf absehbare neuerliche Diskussionen bei den Treffen in Washington über die Euro-Staatsschuldenkrise hervor, Europa habe auf dem Wege zur Stabilitätsunion einen Gutteil des Weges hinter sich gebracht. Damit habe man seine international eingegangenen Verpflichtungen eingehalten. "Durch die jetzt überall in Europa laufenden, tiefgreifenden Reformen haben wir die Basis für nachhaltiges Wachstum gelegt", sagte er. Allerdings gebe es bei drängenden Themen noch Handlungsbedarf, speziell bei der unerträglich hohe Jugendarbeitslosigkeit.

"Der Schlüssel zu Wohlstand und Stabilität liegt bei all diesen Fragen in der internationalen Kooperation", sagte Schäuble. Die G20-Konferenz im Rahmen der Schwellen- und Industrieländergruppe geht am Freitag nahtlos über in das Frühjahrstreffen des Internationalen Währungsfonds, des wichtigsten Hüters der internationalen Finanzstabilität.

Von

rtr

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Auslaender

19.04.2013, 08:58 Uhr

Herr Schäuble äussert sich wenig überraschend. Das hohe Lied der Regulierung der Finanzmärkte und des Sparens wird gesungen. Das kostet Wachstum in Europa. Das auch der deutsche Staat nicht spart sondern nur durch eine rekordtiefe temporäre Finanzierung seines Haushaltes profitiert verschweigt er. Genauso wie die stark gestiegenden Bezüge der Beamte und Pensionisten eine kommende steigende Belastung des Steuerzahlers bedeuten.

Was will Schäuble? Internationale Steuersätze und Regeln die sich an den deutschen orientieren. Deutsche Steuerwüsten exportieren? Deutschlands Exporte profitieren davon das es noch alternative Steuersätze gibt. Traurig genug das der deutsche Steuerbürger durch den eigenen Staat derart hoch belastet wird. International wird sich das nicht durchsetzen lassen.

Was will er noch? Bankenregulierung! Ueberregulierte europäische Banken konfrontiert mit erhöhten Eigenkapitalanforderungen scheuen die Kreditvergabe das bremst das Wachstum der Realwirtschaft. Das viele gedruckte Geld kommt noch nicht in der Wirtschaft an und wenn doch steigt die Inflation.

Was er auch immer will es ist zu wünschen er bekommt es nicht.

Vicario

19.04.2013, 09:54 Uhr

Zitat : "Durch die jetzt überall in Europa laufenden, tiefgreifenden Reformen haben wir die Basis für nachhaltiges Wachstum gelegt"

- durch diese Aussage müßte "Das Sparschweinchen im Wägelchen" eigentlich einen dreifachen Rittberger rückwärts machen.....?!!!

Account gelöscht!

19.04.2013, 10:34 Uhr

"Ueberregulierte europäische Banken konfrontiert mit erhöhten Eigenkapitalanforderungen scheuen die Kreditvergabe das bremst das Wachstum der Realwirtschaft. Das viele gedruckte Geld kommt noch nicht in der Wirtschaft an und wenn doch steigt die Inflation."

Jep, genau hier liegen einige Probleme, die aber irgendwie nicht offen angefaßt werden. Man verläßt sich da zu sehr auf "die Märkte".
Viele Strukturhilfen aus dem EU-Haushalt wurden noch garnicht abgerufen, speziell für Ausbildung und Bildung.
Da sollten den Schlafmützen im EU-Parlament Dampf gemacht werden, denn nur Ausbildung und Bildung schafft neue Arbeitsplätze, die blöden Gleichmacherregeln interessieren keine S**. Aber wie jemand das Geld für Weiterbildung zusammen bekommt, außer durch Schwarzarbeit, sollte schon einen Politiker "scharf" machen. Statt sich um Pornoverbote, Kondomgrößen, gleichgeschaltete Glühbirnen und um die private Wasserwirtschaft zu kümmern.
Welche Bank sollte sich da engagieren wollen?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×