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01.07.2016

13:32 Uhr

Gabriel in Athen

Öko-Entwicklungshilfe für Griechenland

VonGerd Höhler, Klaus Stratmann

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel vereinbart in Athen eine engere Zusammenarbeit bei Ökostrom. Dank deutscher Hilfe sollen griechische Insel zu Vorreitern bei Erneuerbaren Energien werden.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (l) unterzeichnet eine gemeinsame Erklärung mit dem griechischen Energieminister Panos Skourletis. dpa

Gabriel in Athen

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (l) unterzeichnet eine gemeinsame Erklärung mit dem griechischen Energieminister Panos Skourletis.

AthenMit deutscher Hilfe sollen griechische Urlaubsinseln sich künftig selbst mit Ökostrom versorgen können – ein kleiner Beitrag, damit das überschuldete Euro-Land aus der Krise kommt. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte am Freitag bei einer Energie-Konferenz in Athen, eine Eigenversorgung der Inseln mit Wind-, Solar- oder Biogasanlagen sei auch eine sinnvolle Sache für den Klimaschutz: „Jedes gute Beispiel ist zehn Mal mehr wert als theoretische Diskussionen.“

Von den 53 griechischen Inseln mit über 1000 Einwohnern sind nach Branchenangaben bislang nur 21 an das landesweite Stromnetz angeschlossen. Auf mehr als 30 Inseln wird Strom noch mit alten, schmutzigen Dieselgeneratoren erzeugt.

Mit dem griechischen Energieminister Panos Skourletis vereinbarte Gabriel am Freitag eine engere Zusammenarbeit bei den erneuerbaren Energien. Zum Ökostrom gebe es keine Alternative mehr: „Nichts ist teurer als ein neues Atomkraftwerk.“

Sicher, sauber und bezahlbar: So soll die Energiewende aussehen

Drei Ziele

Die Energiewende wurde 2011 nach der Atomkatastrophe von Fukushima ausgerufen. Die drei Ziele: sicher, sauber, bezahlbar.

Atomausstieg

Acht Atomkraftwerke wurden sofort stillgelegt, im Sommer 2015 folgte das bayerische AKW Grafenrheinfeld. Die letzten Meiler sollen 2022 vom Netz gehen.

Ökostrom

Der Ökostrom-Anteil an der Versorgung soll 2025 bis zu 45 Prozent betragen.

Klimaschutz

Der Treibhausgasausstoß soll bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken, bis 2050 sogar um 80-95 Prozent. Erreicht wurden bis 2014 aber nur 27,7 Prozent Minderung.

Netze

Windstrom muss vom Norden in den Süden, aber oberirdische Hochspannungsleitungen sind bei Anwohnern unbeliebt. Wenn die Netze überlastet sind, müssen die Verbraucher für den Ausfall der Produktion aufkommen – der Netzausbau ist deshalb ein Zankapfel.
(Quelle: dpa)

Keine andere Energieerzeugung sei preiswerter als Investitionen in Windenergie und Photovoltaik. Deutschland habe eine lange, teure Lernkurve beim Ausbau der Erneuerbaren machen müssen - andere wie Griechenland könnten nun von gesunkenen Preisen profitieren, sagte Gabriel.

Als Musterbeispiel für eine Versorgung nahezu komplett mit Ökostrom gilt die Ägäs-Insel Tilos in der Nähe von Kos. Dort leben 500 Menschen. Das eher karge Eiland, gelegen zwischen Rhodos und Kos, erlangte Berühmtheit unter internationalen Energieexperten: als die 'grüne Insel'.

Künftig soll Tilos seinen Elektrizitätsbedarf bis zu 80 Prozent aus erneuerbaren Quellen decken – dank des Aufbaus eines intelligenten Speicher- und Leitungsnetzes. An dem Projekt ist unter anderem das Berliner Software-Haus Younicos beteiligt. Bei Finanzierungen will die Staatsbank KfW helfen, die für einen griechischen Wachstumsfonds 100 Millionen Euro gibt.

Gabriel hatte Vertreter mehrerer Firmen aus der deutschen Wind- und Solarindustrie mit nach Griechenland genommen. So sind mehrere neue Windparks geplant, allerdings stocken manche Projekte wegen Problemen mit den Behörden. Frühere Pläne für einen Export griechischen Solar- und Windstroms über Stromkabel nach Zentraleuropa haben sich aus Kosten- und Effizienzgründen dagegen zerschlagen.

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