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19.12.2012

06:49 Uhr

Gabriel kritisiert Fitschen

„Parallelgesellschaften in den obersten Etagen“

Nun hat sich auch der SPD-Vorsitzende zur Deutschen Bank und deren Co-Chef Jürgen Fitschen geäußert. Ein Politiker, so Gabriel, hätte beim Versuch, die Arbeit der Staatsanwaltschaft zu behindern, seinen Job verloren.

Die Kritik an Jürgen Fitschen will einfach nicht verstummen. dpa

Die Kritik an Jürgen Fitschen will einfach nicht verstummen.

BerlinSPD-Chef Sigmar Gabriel hat Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen scharf kritisiert. „Ein Politiker hätte bei einem solchen Versuch, die Arbeit von Staatsanwalt und der Polizei durch einen Anruf beim Ministerpräsidenten zu behindern, bereits seinen Job verloren“, sagte Gabriel der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ und fügte hinzu: „Der letzte Bundespräsident kam ja sogar schon unter Druck, weil er die Berichterstattung einer Zeitung durch ein Telefonat mit dem Chefredakteur beeinflussen wollte.

Aber offenbar gelten bei Bankvorständen andere Maßstäbe. Hier verstärke sich der Eindruck, dass manche Spitzenbanker glaubten, sie stünden über dem Gesetz, kritisierte Gabriel.

Kritik an der Deutschen Bank : Fitschen entschuldigt sich für Beschwerdeanruf

Kritik an der Deutschen Bank

exklusivFitschen entschuldigt sich für Beschwerdeanruf

Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen hat Volker Bouffier um Entschuldigung für seinen Anruf gebeten. „Mein Anruf erfolgte mit guten Absichten“, sagt Fitschen. Trotzdem ebbt die Welle der Empörung nicht ab.

Der SPD-Vorsitzende beklagte, dass sich in Deutschland „Parallelgesellschaften in den obersten Etagen“ gebildet hätten. Ein Kulturwechsel sei dort dringend nötig. „Wenn wir die Großbanken gesundschrumpfen, das Investmentbanking vom normalen Bankgeschäft trennen und nicht mehr Fantasierenditen mit Fantasiegeschäften zulasten der Steuerzahler gemacht werden dürfen, dann kehren auch die ehrbaren Kaufleute in die Chefetagen des internationalen Bankgeschäfts zurück.“ Doch solche Schritte seien von der amtierenden schwarz-gelben Bundesregierung nicht zu erwarten. Diese schütze lieber die Banken und ihre Lobbyisten.

Fitschen hatte sich nach der Steuerrazzia über die aus seiner Sicht überzogene Aktion telefonisch bei Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) beklagt und später dafür auch persönlich um Entschuldigung gebeten.

Von

dpa

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

19.12.2012, 07:22 Uhr

Aber Herr Gabriel, das ist doch Usus in der Politik! Warum so scheinheilig! Warum sind denn Staatsanwälte in Deutschland weisungsgebunden? Erbärmlich!!!!!!!!!!

itstk

19.12.2012, 07:27 Uhr

Warten wir doch einfach mal wachen Auges ab, ob sich nach der "informellen Unterredung" Fitschens mit Steinbrück in dieser Angelegenheit noch irgend was rührt. So in den nächsten sechs Monaten.

Mein persönlicher Verdacht ist allerdings, daß das Telefonat "unter Freunden" nur ganz aus Versehen eine Ebene zu tief stattgefunden hat, um die in Deutschland ja bekanntlich nicht unabhängige Justiz durch eine lancierte Weisung von ganz oben zurückzupfeifen. Wie das ja auch schon mit den Tausenden von Strafanzeigen von Bürgern gegen die Granden des Reichstags stattgefunden hat.

Wegen Hochverrats durch Mandatsträger wird hierzulande erst gar nicht ermittelt. Weil hier ausgerechnet einer der Beschuldigten die oberste Weisungsbefungnis über alle Staatsanwaltschaften hat. Gleichheit vor dem Recht? Fehlanzeige!

Rumpelstilzchen

19.12.2012, 08:32 Uhr

Die Bankster glauben mittlerweile wirklich, dass sie in Deutschland (und nicht nur dort) regieren! Und die Regierungen sind zu schwach, um diesem Pack Einhalt zu gebieten.

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