Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.09.2015

16:53 Uhr

Gabriel trifft Tesla-Gründer Musk

Elon Musk fehlt die „Action“

VonDana Heide

Tesla-Chef Musk nutzt ein öffentliches Treffen mit Wirtschaftsminister Gabriel zum Wunschkonzert an die Politik. Am Ende der Veranstaltung bringt ihn Gabriel wieder auf den Boden der Tatsachen.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Tesla-Ceo Elon Musk treffen sich. Das Publikum favorisierte einen der beiden – ganz deutlich. AFP

Gabriel und Musk

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Tesla-Ceo Elon Musk treffen sich. Das Publikum favorisierte einen der beiden – ganz deutlich.

BerlinBundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und Elon Musk, Chef des Elektroauto-Pioniers Tesla, verspäten sich. Der Saal im Bundeswirtschaftsministerium ist schon bis auf den letzten Platz besetzt, viele müssen stehen und draußen warten immer noch einige in der Schlange. Das Publikum ist zu ungefähr 90 Prozent männlich, einige Zuschauer tragen T-Shirts mit den Logos von Start-ups.

Um 12.16, mit 16 Minuten Verspätung, betreten Gabriel und Musk den Raum. Das Publikum applaudiert, einzelne Jubelrufe sind zu hören. Dann schwärmt Gabriel. Musk sei ein „außergewöhnlicher Gast“ und „wirklich sehr geschätzt“, er habe „Bewunderung in der ganzen Welt“.

Die Firmen von Elon Musk

Zip 2

Als das Internet massentauglich wurde, gründeten Elon Musk und sein Bruder Kimbal die Firma Zip 2, ein durchsuchbares Firmenverzeichnis – damals eine Innovation. Große Zeitungsverlage schlossen mit dem Start-up Verträge ab. 1999 übernahm der Computerhersteller Compaq die Firma für gut 300 Millionen Dollar, Musk erhielt 22 Millionen Dollar.

X.Com

Musk dachte schon länger darüber nach, wie man mit einer Online-Bank die Finanzbranche umkrempeln könnte. Er engagierte die besten Programmierer und gründete 1999 mit dem Großteil des Verkaufserlöses von Zip2 X.Com. Die Firma experimentierte mit radikalen Konzepten und ermöglichte etwa den Versand von Geld per E-Mail.

Paypal

Auch andere entwickelten ein Bezahlsystem fürs Internet – etwa das Start-up Confinity mit seinem Dienst Paypal. Erst konkurrierten X.com und Confinity, dann schlossen sie sich zusammen. Eine große Finanzierungsrunde ermöglichte weiteres Wachstum, 2002 übernahm Ebay den Dienst für 5,1 Milliarden Dollar. Musk erhielt davon 165 Millionen Dollar.

Space X

Mit dem Geld konnte Musk seine Faszination für den Weltraum ausleben. Die erträumte Marsmission war zunächst unrealistisch, der Unternehmer ließ sich aber 2002 davon überzeugen, eine günstige Rakete zu entwickeln. Heute bietet Space X tatsächlich Raumflüge zu deutlich günstigeren Konditionen an als etwa Boeing oder Lockheed Martin.

Tesla Motors

Das bekannteste Musk-Projekt ist Tesla, auch wenn andere die Firma gründeten und der Macher erst 2004 mit seinem Geld dazu stieß. Zunächst nahm in der Autobranche niemand die Idee eines reinen Elektrofahrzeuges ernst, dank der Ingenieursleistung von Tesla ist das jetzt anders. Bei allem Erfindergeist ist die börsennotierte Firma immer noch nicht profitabel.

Solar City

Weil Solarzellen teuer waren, gründeten Lyndon und Peter Rive 2006 die Firma Solar City. Sie produzierte selbst keine Module, sondern finanzierte die Anlage vorab, so dass die Kunden sie nicht auf einen Schlag bezahlen mussten. Ihr Cousin Elon Musk stieg als Investor ein und war größter Anteilseigner. Die Firma gehört zu den größten Anbietern von Solarzellen in den USA. Im November 2016 stimmten die Aktionäre Musks Plan zu, Solar City durch den Autobauer Tesla übernehmen zu lassen.

Hyperloop

Als Musk vom Eisenbahnsystem enttäuscht war, ersann er eine Alternative: Transportkapseln sollen durch Druckluftröhren schießen und so auch lange Strecken in kurzer Zeit bewältigen. Mehrere hochrangige Ingenieure von Space X und Tesla erarbeiteten ein Konzept. Derzeit ist eine Verbindung zwischen Los Angeles und Las Vegas geplant. Kosten: mehr als 8 Milliarden Dollar.

Musk hätte sich keinen besseren Zeitraum für seinen Deutschland-Besuch und die öffentliche Diskussionsveranstaltung mit Gabriel wünschen können. Der Wirtschaftsminister kann sich einen Seitenhieb auf die Abgasmanipulierungen bei Volkswagen nicht verkneifen: „Es gibt ja Formen des Zusammenwachsens von Digitalisierung und Motorenkunst, die wir ja nicht so gewollt haben“, sagt er.

Während die deutsche Autowelt derzeit vom Skandal um frisierte Abgaswerte bei VW durchgerüttelt wird, steht Musk für die neue Welt. Über den Titel der Veranstaltung dürfte sich er sich gefreut haben: „Wirtschaft von morgen“. Zuvor hatte sich Gabriel in dieser Reihe mit Google-Verwaltungsratschef Eric Schmidt und dem Ökonomen Thomas Piketty unterhalten.

Biografie über Elon Musk: Zehn Prozent Playboy, 90 Prozent Ingenieur

Biografie über Elon Musk

Premium Zehn Prozent Playboy, 90 Prozent Ingenieur

Elon Musik ist der Popstar unter den Technik-Nerds. Doch was treibt ihn eigentlich an? Seine neue Biografie gibt Antworten – und zeigt, wie sehr Unternehmertum und Privatleben miteinander zusammenhängen.

„Natürlich“ schaue die traditionelle Industrie auch auf das „was Sie auf den Weg bringen“, sagt Gabriel an Musk gerichtet. „Sie bringen Wettbewerb ins Geschäft, das belebt ja bekanntlich am meisten“, lobt er.
Musk tritt selbstbewusst auf, das Publikum ist auf seiner Seite, es ist für ihn gekommen und nicht für Gabriel.

Der Wirtschaftsminister weiß das und lehnt sich in seinem Sessel zurück, Musk rückt ganz bis an die Kante vor. Bei den deutschen Autoherstellern fehle ihm beim Thema E-Mobilität die „Action“, sagt er. Musk mischt die deutsche Autobranche auf. Obwohl er Tesla erst 2003 gründete, kann das Unternehmen hierzulande bereits mit den deutschen Platzhirschen mithalten, im Ausland überflügelt Musk sie oft sogar.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×