Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.05.2014

16:26 Uhr

Gasförderung

Niedersachsen rückt das Fracking auf die Tagesordnung

ExklusivIn Deutschland ist es ein Tabuthema. Nun will die rot-grüne Landesregierung in Niedersachsen das Thema Fracking auf die Tagesordnung setzen – und die Gasförderung in Deutschland auf eine neue Grundlage stellen.

Ein Gasbetrieb in Niedersachsen. dpa

Ein Gasbetrieb in Niedersachsen.

Die rot-grüne niedersächsische Landesregierung will das Thema Fracking in Deutschland wiederbeleben. Landeswirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) kündigte eine entsprechende Bundesratsinitiative für Juni an. „Wir wollen Erdgasförderung in Niedersachsen“, sagte er. Niedersachsen ist bei der Erdgasförderung in Deutschland mit weitem Abstand führend: 95 Prozent des deutschen Erdgases stammen aus dem Land. Insgesamt trägt das heimische Erdgas mit rund zwölf Prozent zur deutschen Erdgasversorgung bei. Der größte Teil des in Deutschland verbrauchten Erdgases stammt aus Russland (35 Prozent), es folgen Norwegen (27 Prozent) und die Niederlande (24 Prozent). Der Anteil des heimischen Erdgases ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. In der Spitze hatte er einmal 20 Prozent betragen.

Einer der Gründe für den Rückgang: In den vergangenen Jahren haben die Behörden keine Genehmigungen für die Förderung nach der Fracking-Methode mehr erteilt. Die Bundesregierung hatte in der vergangenen Legislaturperiode versucht, einen Rechtsrahmen für das Fracking zu finden; am Ende scheiterte man am Widerstand einiger Bundesländer. Im Ergebnis ist das Fracking nun nicht mehr möglich. Beim Fracking wird mit Chemikalien versetzte Flüssigkeit in den Untergrund gepumpt, um Gestein aufzubrechen, aus dem dann eingeschlossenes Gas freigesetzt wird. Damit könnten theoretisch auch in Deutschland Gasvorkommen gefördert werden, die in Schiefergestein eingeschlossen sind.

Den Niedersachsen geht es allerdings nicht um Gas aus Schiefergestein. Vielmehr wollen sie Gas fördern, das in konventionellen Gas-Lagerstätten in dichtem Sandstein eingeschlossen ist. Diese sogenannten Tight-Gas-Vorkommen werden in Niedersachsen schon seit Jahrzehnten mittels Fracking zutage gefördert. Doch wegen der anhaltenden Debatte über das Thema Fracking gab es in den vergangenen Jahren keine Genehmigungen. „Wir sind da in Mithaftung genommen worden“, klagt ein betroffenes Unternehmen.

Das soll sich nun ändern. Lies kündigte an, die Gasförderung in Deutschland auf eine neue Grundlage stellen zu wollen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir bis zum Herbst einen neuen Rechtsrahmen haben“, sagte der Minister. Es könne nicht sein, dass Bundesländer, in denen die Erdgasförderung keine Rolle spiele, die Regeln aufstellten.

Für Niedersachsen hat die Erdgasförderung hohe wirtschaftliche Bedeutung. Die Förderabgabe bringt dem Land derzeit Einnahmen von gut 600 Millionen Euro im Jahr. Zum Vergleich: Der 20-Prozent-Anteil des Landes am Volkswagen-Konzern spülte zuletzt nur 200 Millionen in die Kasse.

Die Förderabgabe könnte dem Land Niedersachsen noch lange erhalten bleiben: Nach Berechnungen der Branche lässt sich die derzeitige Fördermenge mittels Tight-Gas-Fracking noch für 100 Jahre sichern. Ohne die Technik würde die Förderung in den kommenden Jahren rapide sinken.

Von

str

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

08.05.2014, 16:57 Uhr

Die anderen BL verkaufen dann sicherlich gerne teures Trinkwasser, wenn das Grundwasser durch die Gifte auf Dauer verseucht ist!

Account gelöscht!

08.05.2014, 17:09 Uhr

Zitat : Niedersachsen rückt das Fracking auf die Tagesordnung

- sie können es ja versuchen. Ob sie auch genug Polizisten im Land haben, die dann gegen das aufstehende Volk vorgehen können...? Mal schauen.

Account gelöscht!

08.05.2014, 17:35 Uhr

@furfante: »Ob sie auch genug Polizisten im Land haben«…

Genügend Schergen lassen sich aus den »befreundeten« Bundesländern zusammen treiben. Diese Prügelknaben sind sich für nichts zu schade, siehe Gorleben etc.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×