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15.04.2015

14:14 Uhr

Gastbeitrag JuLis

Gebt den Taxi-Markt frei

VonKonstantin Kuhle

Welcher Geringverdiener kann heute die horrenden Taxipreise bezahlen? Der Wettbewerb mit dem privaten Fahrdienst Uber führt zu günstigeren Preisen und einem besseren Angebot. Ein Plädoyer für die Liberalisierung.

Fahrdienst-App Uber: Kampf gegen das Taxi-Gewerbe. Reuters

Uber

Fahrdienst-App Uber: Kampf gegen das Taxi-Gewerbe.

Das amerikanische Unternehmen Uber bietet seit einiger Zeit über das Internet die Vermittlung privater Autofahrten an. Der Fahrgast gibt über sein Smartphone Standort und Wunschziel an. Daraufhin wird ihm ein Fahrer vorgeschlagen und der ungefähre Preis mitgeteilt. Willigt der Fahrgast ein, findet die Fahrt statt und der Preis wird über die Kreditkarte eingezogen. Uber behält einen Teil des Fahrpreises als Provision.

Das klingt nach einer guten Idee. Doch das Taxi ist den Deutschen heilig. Will man andere Menschen gegen Bezahlung mit einem Auto von A nach B transportieren, so muss man als Fahrer eine Vielzahl von Voraussetzungen erfüllen. Das hat einen Grund: Der Betrieb eines Taxis lohnt sich in Berlin oder Hamburg wirtschaftlich mehr, als auf dem Land.

Der Streit um Uber

Vermittlung gegen Provision

Uber vermittelt über seine Smartphone-App Uber Pop zwischen Fahrern und Gästen – dafür kassiert das Unternehmen eine Provision, die in der Regel 20 Prozent des Fahrpreises beträgt.

Konkurrenz für Taxifahrer

Der Fahrdienst macht der Taxi-Branche Konkurrenz. Er expandiert aggressiv, in Deutschland bedient er große Städte wie Berlin, Frankfurt, Hamburg und Düsseldorf. Das Unternehmen hat seit der Gründung 2009 rund 3,9 Milliarden Dollar Kapital erhalten, unter anderem von Google und Goldman Sachs.

Streit um offizielle Papiere

Streit gibt es vor allem um den Dienst Uber Pop, über den private Autobesitzer Fahrdienste anbieten (über Uber Black bekommen Nutzer Mietwagen mit Fahrer). In Deutschland haben mehrere Gerichte das Angebot zwischenzeitlich verboten. Viele Chauffeure haben keinen Personenbeförderungsschein – den brauchen sie aber, um auf gewerblicher Basis Fahrgäste befördern zu dürfen.

Nur eine Mitfahrzentrale?

Uber stuft die Fahrten als Mitfahrgelegenheiten ein: Wer als privater Fahrer andere mitnimmt und dafür Spritgeld nimmt, benötigt auch keinen Personenbeförderungsschein. Allerdings empfiehlt das Unternehmen einen Preis, der über den Betriebskosten liegen dürfte – damit bewertet das Personenbeförderungsgesetz die Fahrt als gewerblich.

„Rahmenbedingungen anpassen“

Uber ist sich der gesetzlichen Beschränkungen offenbar bewusst – das Unternehmen fordert immer wieder, die rechtlichen Rahmenbedingungen an neue Fahrdienste anzupassen.

Trotzdem gibt es an allen Orten ein öffentliches Interesse daran, dass Menschen ohne eigenes Auto auch dann nach Hause kommen, wenn Busse und Bahnen nicht mehr fahren. Aus diesem Grund ist der Taxiverkehr hierzulande seit jeher stark reguliert. Nun wehren sich Taxi-Verbände vor Gericht gegen die neuen Angebote. Sie sind damit zwar meist erfolgreich. Doch die Frage, ob die Taxi-Regeln nicht über das Ziel hinaus schießen, beantworten die Gerichtsentscheidungen nicht.

Dieses Ziel muss lauten: Jeder kann zur Not auch mit dem Auto fahren. Aber welcher Schüler, Student, Azubi oder Geringverdiener kann die horrenden Taxipreise heute eigentlich bezahlen? Seit Uber können es sich mehr Menschen leisten, von einem Fahrer mitgenommen zu werden.

Die Preise liegen im Schnitt deutlich unter dem Preis für ein normales Taxi. Hier führt Wettbewerb zu einem besseren Angebot und zu günstigeren Preisen. Der Gesetzgeber täte gut daran, dieser Entwicklung nicht das Wasser abzugraben.

Konstantin Kuhle ist Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen (JuLis). Quelle: Philipp_Wehrend_Fotografie

Konstantin Kuhle

Konstantin Kuhle ist Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen (JuLis).

Quelle: Philipp_Wehrend_Fotografie

Niemand will das gute alte Taxi beseitigen. Nicht umsonst konzentrieren sich die neuen Anbieter auf Ballungsgebiete. Es bleibt richtig, dass ältere Menschen auf dem Land mit dem Taxi zum Arzt gebracht werden. Aber wenn die Grundversorgung in größeren Städten günstiger und besser durch Private wahrgenommen werden kann, kommt der Staat seinen Aufgaben dann nicht sogar verantwortlicher nach, wenn er ihre Geschäftsmodelle zulässt?

Schließlich käme heute auch niemand mehr auf die Idee, Vodafone und Telefónica das Mobilfunkgeschäft zu verbieten, weil die Deutsche Telekom die Grundversorgung sonst nicht sicher stellen kann. Auch in anderen Bereichen täglicher Mobilität sieht die öffentliche Hand mittlerweile ein, dass die Kreativität neuer Unternehmen einen positiven Effekt hat. Ob neue Bonussysteme oder W-LAN an Bord – seit es Fernbusse gibt, denkt die Deutsche Bahn aktiv darüber nach, wie sie ihr Angebot verbessern kann.

Kommentare (4)

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Herr Gert Hofmann

15.04.2015, 14:29 Uhr

Sehr geehrter Herr Kuhle,
Sie sagen Uber muss kommen, da sich Azubis, Geringverdiener, Schüler, usw. eine Art Taxi leisten können. Bei Uber muss mit Kreditkarte bezahlt werden und diese Klientel die Sie in Ihrem Kommentar aufführen ist der typische Kreditkarteninhaber.
Gegenvorschlag. Warum nicht Ausbau des öffentl. Nahverkehrs? Ruf Taxi auf dem Land. Wie das funktioniert? Siehe Nahverkehr Ldkr. Main-Spessart. Weitere Frage wie wird der Uberfahrer besteuert? Muss er ein Kleingewerbe anmelden? Wer bezahlt seine Krankenkasse? Wer und wie zieht die MWSt. ein? Wenn bei Uber sowieso keine MWSt. bezahlt wird warum erläßt man dem normalenTaxi nicht die MWSt.? Dann können diese auch um fast 20% günstiger fahren.

Herr Alexander Knoll

15.04.2015, 14:53 Uhr

Sehr geehrter Herr Kuhle,

klingt soweit alles logisch und gut wenn, .... ja wenn nicht ein paar Hacken an der Sache wären.

Solange keine Gleichheit der Chancen im Markt herrschen, kann man auch nicht von Wettbewerb sprechen. Mit Uber ist ein Wiesel in den Hühnerstall des Taxigewerbes eingebrochen. Da geht es nicht um faire Konkurrenz, auch wenn die gesetzlichen Regelungen zur Erlangung des PBS erleichtert werden. Sie als Liberaler sollten da etwas sensibler sein.

Zum zweiten ist das Model Uber so aufgebaut, dass der amerikanische Unternehmer selber kein Risiko trägt, aber eine satte Marge kassiert. Arbeit und Risiko liegen beim Fahrer, der als eigenständiger Kleinunternehmer agieren muss. Und der steht im Zweifel im Regen, wenn an einer Fahrt etwas schief läuft. Dieses Modell der Beschäftigung von Selbständigen (oder auch Scheinselbständigen) führt schlussendlich zum Ruin ganzer Branchen und damit zur verstärkten Armut.

G. Nampf

15.04.2015, 15:00 Uhr

@Gert Hoffman:

Richtig.

Eine weitere Frage: Wer garantiert mir, daß der UBER-Fahrer nachts nicht aus der Kneipe kommt?

Das Credo der 1990er Jahre- "Privatisierung macht alles besser und billiger"- hat sich im Bereich der öffentlichen Grundversorgung (nicht in der Privatwirtschaft !)längst als Trugschluß erwiesen.

Ich habe selbst fast 20 Jahre FDP gewählt, seit die Partei vom Privatisierungs-Hype nicht mehr herunterkommt, wähle ich sie nicht mehr.

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