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24.02.2015

12:56 Uhr

Gastbeitrag zur Gründerkultur

Der deutsche Albtraum

VonAlexander Bode

Steve Jobs hat einst den amerikanischen Traum gelebt und mit Apple ein Unternehmen gegründet, das Weltruhm erlangt hat. In Deutschland wäre so etwas kaum möglich. Warum, schreibt Firmengründer Bode in seinem Gastbeitrag.

Alexander Bode ist Bundesvorsitzender des Jungen Wirtschaftsrates der CDU sowie Gründer und Geschäftsführer CONABO UG. (Foto: PR)

Alexander Bode

Alexander Bode ist Bundesvorsitzender des Jungen Wirtschaftsrates der CDU sowie Gründer und Geschäftsführer CONABO UG. (Foto: PR)

Ohne Zweifel, in Sachen Gründerkultur besteht Handlungsbedarf in Deutschland: Zum vierten Mal in Folge sank die Zahl der gewerblichen Existenzgründungen im 1. Halbjahr 2014 - um sechs Prozent auf 164.000 Unternehmen. Im selben Zeitraum wurden 179.300 Betriebe liquidiert. Damit zählen wir 9.100 Unternehmen weniger im Land.

An schlauen Köpfen mangelt es nicht hierzulande. Aber es fehlt offensichtlich das richtige Klima für eine ausgeprägte Gründer- und Unternehmerkultur, die unser Land dringend braucht, wenn es auf Dauer weltweit zu den wichtigen Industrie- und Wirtschaftsstandorten zählen will.

Wenig hilfreich für die Beförderung der Gründerkultur in Deutschland ist, dass die Große Koalition ein Bürokratiemonster nach dem anderen diskutiert und verabschiedet. Wurde die Wirtschaft zuletzt zu Jahresbeginn mit der Einführung des flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns mit neuen Berichts- und Meldepflichten überzogen, liegt jetzt genau deshalb der von Bundesministerin Andrea Nahles vorgelegte Entwurf zur Neuregelung der Arbeitsstättenverordnung auf Eis. Ausgang ungewiss.

Stilblüten wie eine Fensterpflicht in Sanitärräumen oder die Prüfung der Funktionstüchtigkeit von Home-Office-Arbeitsplätzen offenbaren die Regelungswut. Allen Versprechungen zum Trotz Bürokratie abbauen zu wollen, die Große Koalition schafft beständig neue Regeln und Vorschriften. Mit erheblichen Belastungen für die Betriebe. Die Folgen sind eine sinkende Produktivität wie steigende Lohnstückkosten – und damit international ein echter Wettbewerbsnachteil.

Die sieben entscheidenden Fragen für Gründer

Das Buch

Es begann als Vorlesung und wurde zum Bestseller: Peter Thiel hielt vor Studenten an der Universität Stanford einen Vortrag über Gründen, der Student Blake Masters hat fleißig mitgeschrieben und gemeinsam vollendeten sie das Buch "Zero to One" (Campus Verlag). Hier gibt Thiel wertvolle Ratschläge für Gründer. Ein paar Beispiele in Kurzform ...

Die technische Frage

Ist Ihre Technologie revolutionär oder nur eine geringfügige Verbesserung?

Die Timing-Frage

Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um in Ihr Unternehmen zu investieren?

Die Monopol-Frage

Beginnen Sie mit einem großen an einem kleinen Markt?

Die Team-Frage

Haben Sie die richtigen Leute?

Die Vertriebs-Frage

Sehen Sie Möglichkeiten, Ihr Produkt nicht nur herzustellen, sondern auch zu verkaufen?

Die Haltbarkeits-Frage

Können sie Ihre Wettbewerbsposition zehn oder 20 Jahre lang halten?

Die Geheimnis-Frage

Haben Sie eine einmalige Chance erkannt, die andere nicht sehen?

Wenig überraschend ist, dass in Umfragen unter potentiellen Gründern vor allem der bürokratische Aufwand als Hindernis angegeben wird. Unternehmer wollen in erster Linie unternehmerisch tätig sein und nicht administrativ. Jeder Gründer, der seinen ersten Mitarbeiter eingestellt hat, weiß, dass dies dem jungen Betrieb erheblichen Aufwand verursacht.

Die immer selben Unternehmens- und Mitarbeiterdaten müssen etwa dem Finanzamt, der Rentenkasse, der Arbeitslosenversicherung oder der Krankenkasse gemeldet werden. Es entstehen Kosten, die mit der Anschaffung notwendiger Software oder von Zertifikaten einhergehen. Unternehmer verlieren in diesem Prozess kostbare Zeit. Zeit, die ihnen fehlt, um sich gerade am Anfang richtig aufzustellen, Aufträge einzuwerben, Produkte und Dienstleistungen weiterzuentwickeln sowie die Finanzierung ihrer Firma zu sichern.

Kommentare (7)

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Herr Franz Paul

24.02.2015, 13:43 Uhr

Das kann ich in weiten Teilen unterschreiben. Seit 1992 bin ich Unternehmer, und trotz diverser, nie selbst verschuldeter Rückschläge, nie in Schieflage geraten.Das schlimmste am Unternehmer sein ist der Staats-und Behördenapparat. Für die ist der Unternehmer ein FEIND, den es zu behindern oder gar zu bekämpfen gilt. Mit zahllosen Institutionen muss man sich herumschlagen, von denen man Anfangs gar nichts weiß, und auch gar nichts wissen will. Zum Beispiel auch die hier hochgelobte IHK, bei der ich ZWANGAMITGLIED sein MUSS, obwohl sie noch nie was für mich getan hat. Ausser dass sie sich einst bei der Namensgebung für mein Unternehmen eingemischt hat. Alle 2 Jahre haben wir die Steuerprüfung im Haus, obwohl es noch nie Beanstandungen gab. Vielleicht sind wir gerade deswegen verdächtig? Jedenfalls hocken dann jedesmal 1-2 feindselige, griesgrämige Figuren in einem unserer Büroräume und lassen sich von unseren Mitarbeitern des Finanzwesens bedienen. Nein, meinen Söhnen werde ich nicht raten , Unternehmer in Deutschland werden zu wollen.Sie sollen Politiker werden. Dafür braucht man keinen Schulabschluss, trägt keinerlei Verantwortung, und wenn man genügend Scheisse gebaut hat, geht man mit fürstlicher Versorgung in die Frühpension. Nur---wovon wird Deutschland leben, wenn alle mal Politiker geworden sind? Von griechischen Krediten?

Herr Paul Diederich

24.02.2015, 13:47 Uhr

Nach meiner Meinung hat Herr Boden leider nicht kommuniziert WAS hier gegründet wird und WAS in Amerika/China gegründet wird. Und so heist es dann zusammengefasst in seinem Vortag das wir hier schlaue Köpfe haben aber der Staat alles blockiert...........
Ich zweifele nicht daran das wir In seiner Brache, der Beraterbrache ganz sicher jedem Menge brillante Köpfe haben die bestimmt perfekt beraten können, aber bei dem Sektor den Herr Brode zum Vergleich heranzieht, nämlich IT und Co sieht es doch etwas dünner aus. Und wenn der Staat nicht an verschiedensten Stellen das Ganze nicht pushen würde sehe es noch schmaler aus.
Zalando, Xing und Co. sind weder innovativ noch nachhaltig noch schlau, sie sind nur fleißig und beseelt davon so crasy zu seien wie die Amerikaner. Leider sind wir aber keine Amerikaner: Wir können keine IT Hightech, und wir haben auch leider keine coolen Typen wie Job und Musk. Wir haben SAP und Menschen wie Herrn Obermann.
Aber wir haben tollen Marketender und Berater, ist doch auch was......

Herr Hubert Weißenberger

24.02.2015, 13:51 Uhr

also Mindestlohn gibts in USA und GB schon lange, meines wissens kann man dort eine Firma auch nicht in deutscher Sprache anmelden! Neid und Missgunst sowie viele Bürokratie gibts bei uns tatsächlich zu viel.

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