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18.08.2016

06:42 Uhr

Gastkommentar

Das Produktivitäts-Paradoxon

VonMichael Menhart

Roboter und selbstfahrende Autos – Digitalisierung verändert die Wirtschaft dramatisch. Das schlägt sich aber nicht in der Produktivität und Investitionsquote nieder. Warum das kein Grund für Sorge ist. Ein Gastbeitrag.

Zwei als Roboter verkleidete Menschen auf einer Messe: Die Digitalisierung verändert die Produktion. Das Schlagwort ist „Industrie 4.0“. dpa

Digitaler Wandel

Zwei als Roboter verkleidete Menschen auf einer Messe: Die Digitalisierung verändert die Produktion. Das Schlagwort ist „Industrie 4.0“.

MünchenDie Wirtschaft verändert sich durch die Digitalisierung dramatisch: Ob die Verbreitung von sich selbst steuernden Robotern in der industriellen Produktion, die Vernetzung von Produktionsvorgängen im „Internet of Things“ oder der Einsatz autonomer Fahrzeuge – diese Entwicklungen haben das Potenzial, Wirtschaft und Gesellschaft gewaltig zu beeinflussen.

Aber: All diese Veränderungen durch Innovationen sind in wichtigen volkswirtschaftlichen Kennziffern nicht sichtbar. Zumindest noch nicht, eher im Gegenteil. Die Arbeitsproduktivität, gemessen als das Bruttoinlandsprodukt pro Arbeitsstunde, wächst in den Industriestaaten zunehmend langsamer. Dieser Trend hält schon lange an, aber seit der Finanzkrise hat sich das Nachlassen der Produktivitätsdynamik nochmals verstärkt. In den USA ist die Produktivität im ersten Halbjahr 2016 sogar geschrumpft.

Der Chefvolkswirt von Munich Re kommentiert die Digitalisierung.

Michael Menhart

Der Chefvolkswirt von Munich Re kommentiert die Digitalisierung.

Es gibt viele plausible Gründe für dieses „Produktivitäts-Paradoxon“ – von offensichtlichen konzeptionellen Messfehlern beim BIP bis zu den Folgen des sektoralen Wandels, weil neue, aber weniger produktive Jobs vor allem im Dienstleistungsbereich entstehen. Aber die Sorgen vor anhaltend schwachem Wirtschaftswachstum und seinen Folgen für Politik, Gesellschaft und Finanzmärkte nehmen zu. Zumal es auch Erklärungsansätze wie die unter Volkswirten viel diskutierte These der „säkularen Stagnation“ gibt.

Ein Indiz in diesem Zusammenhang sind die seit der Finanzkrise in den Industrieländern anhaltend niedrigen Investitionsquoten. Lag das Verhältnis von Investitionen und BIP in den Jahren 1999-2008 noch bei durchschnittlich 23 Prozent, so betrug es seit 2010 nur noch knapp 21 Prozent.

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Sollte sich die These einer „säkularen Stagnation“ als zutreffend erweisen und wir tatsächlich vor einer längeren Phase schwachen Wirtschaftswachstums stehen, dann wären auch die Aussichten für die Zinsen – sowohl der Leitzinsen als auch der langfristigen Anleiherenditen – eher düster. Diese Meinung vertreten einige Ökonomen und Notenbanker, so wie jüngst das Fed-Mitglied Jerome Powell. Aber wie bedeutend sind solche Szenarien überhaupt?

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