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14.03.2012

19:45 Uhr

Gastkommentar

Die Glücks-Koalition der Deutschen

VonManfred Güllner

Nicht gegeneinander, sondern miteinander - das rät Manfred Güllner den großen Parteien vor der Bundestagswahl 2013. Die Wähler wünschen sich eine eine konsensorientierte Politik - erst recht in einer Koalition.

Edmund Stoiber (CSU), Angela Merkel (CDU), Franz Müntefering und Matthias Platzeck (beide SPD) 2005 zum Auftakt der Großen Koalition. dpa

Edmund Stoiber (CSU), Angela Merkel (CDU), Franz Müntefering und Matthias Platzeck (beide SPD) 2005 zum Auftakt der Großen Koalition.

Die stark von ideologischen Dogmen geprägten Führungs- und Funktionskader der Parteien, aber auch viele Intellektuelle, Kulturkritiker und Medienvertreter beklagen, dass die politischen Parteien in ihrem programmatischen Profil zunehmend ähnlicher würden und deshalb ihre potenziellen Anhänger nicht mehr zum Gang zur Wahlurne motivieren könnten. Die zunehmende Zahl der Nichtwähler auf allen Politikebenen wird entsprechend auf eine Konturenlosigkeit vor allem von Union und SPD zurückgeführt. Doch wie so oft sehen viele Bürger das anders.

Sie schätzen scharfe ideologische Konflikte und Kämpfe zwischen den Parteien wenig, sondern erwarten eher eine konsensorientierte Politik in den wichtigen Grundfragen der Gesellschaft. Bei Problemen wie der Gesundheitsversorgung, den sozialen Sicherungssystemen, der Steuer- und Finanzpolitik, dem Schul- und Bildungssystem interessieren die Bürger weniger ideologische Grabenkämpfe als vielmehr die gemeinsame Suche nach sachgerechten Lösungen. Große Koalitionen haben deshalb bei den Bürgern ein viel höheres Ansehen als bei den Parteiaktivisten oder den professionellen Beobachtern des Politikbetriebs.

So teilte die große Mehrheit der Deutschen nicht die heftige Kritik der „Apo“ am ersten bundesweiten Bündnis aus Union und SPD zwischen 1966 und 1969, sondern war mit dem, was diese Koalition geleistet hat, überwiegend zufrieden. Und die SPD hat - anders als es die innerparteiliche Diskussion unterstellt - nicht wegen der Großen Koalition zwischen 2005 und 2009 im Vergleich zu 1998 über zehn Millionen Wähler verloren, sondern weil sie nach dem Wortbruch der hessischen Vorsitzenden Ypsilanti über eine Tolerierung durch die Linke jedwede Glaubwürdigkeit verloren hatte.

Wie groß die Zustimmung vieler Bürger zur Kooperation zwischen den beiden Volksparteien ist, zeigt sich jüngst wieder im Saarland, wo die von CDU und SPD schon vor der kommenden Landtagswahl bekundete Absicht zur Zusammenarbeit bei allen Saarländern, vor allem aber bei den Anhängern der beiden Parteien sehr große Zustimmung findet. Andere Koalitionsmöglichkeiten - ob ein rot-rotes, ein rot-grünes oder ein schwarz-grünes Bündnis - wünschen sich hingegen nur wenige Bürger an der Saar.

Auch bundesweit ist die Vorstellung einer Großen Koalition nach der nächsten Bundestagswahl 2013 für die meisten Bürger kein Schreckgespenst, sondern eine denkbare Alternative zur schwarz-gelben Koalition, zumal die FDP ihre Wähler bislang zutiefst enttäuscht hat. Und da rein rechnerisch eine Fortsetzung des Bündnisses aus CDU, CSU und FDP nach 2013 schwer vorstellbar ist, ist angesichts der Probleme im Lande ein Bündnis von Union und SPD durchaus für viele vorstellbar, zumal die großen Weichenstellungen in der Politik in der Vergangenheit nach anfänglichem Geplänkel letztendlich im Konsens zwischen CDU/CSU und SPD erfolgten.

Kommentare (5)

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Willie

14.03.2012, 20:09 Uhr

Selten sachlicher und treffender Kommentar im Handelsblatt. Konstruktivität statt Politdefätismus. Mehr davon!!

Account gelöscht!

14.03.2012, 20:44 Uhr

@willie

Dabei ist die Sache doch ganz einfach: Lesen Sie mal, was links über der Überschrift steht.

Gesehen?

Yep: "Gastkommentar" ...

Radiputz

14.03.2012, 22:35 Uhr

Na, wenn´s eh keine Unterschiede mehr gibt können Union und SPD ja gleich zu einer Art Putin-Partei fusionieren und sich am besten auch gleich noch eine passende Schein- Opposition basteln. Dafür sind dann die Grünen geeignet, die man gar nicht erst zusammenkleistern braucht, denn es gibt sie schon und die auch bereit sind allem ihr Plazet geben, was so anliegt z.B. die grandiose ESM-Geschichte, die demnächst zur Abstimmung kommt.
Dann muß nur noch der Bundestag in Volkskammer umbenannt werden und alle sind glücklich.

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