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16.02.2017

17:56 Uhr

Gastkommentar

Es geht nicht um Neid, sondern um Fairness

VonKerstin Andreae

Die Deckelung der Managergehälter ist keine Gefahr für den Wirtschaftsstandort. Sie ist ein Beitrag zu mehr Gerechtigkeit, meint Kerstin Andreae, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen. Ein Gastbeitrag.

Was dürfen Manager verdienen? Kerstin Andreae reagiert in ihrem Gastbeitrag auf die Kritik von Unionspolitiker Michael Fuchs. dpa

Managergehälter

Was dürfen Manager verdienen? Kerstin Andreae reagiert in ihrem Gastbeitrag auf die Kritik von Unionspolitiker Michael Fuchs.

Unionspolitiker Michael Fuchs äußerte sich gerade in einem Gastbeitrag des Handelsblattes kritisch, weil wir Grünen, SPD und sogar Teile seiner eigenen Partei die steuerliche Abzugsfähigkeit von überzogenen Mangergehältern und Abfindungen deckeln wollen. Er sieht bereits den Wirtschaftsstandort Deutschland gefährdet.

Ist es aber nicht eher so, dass ein Vergütungssystem, das auf kurzfristigen Profit statt auf nachhaltige Wertsteigerung der Unternehmen setzt, eine Gefahr für die Stabilität unserer Wirtschaft darstellt? Selbst Bundeskanzlerin Merkel hat erkannt, dass hier rote Linien überschritten wurden.

Manager-Gehälter sollten im Verhältnis zu dem stehen, was die übrigen Mitarbeiter im Unternehmen verdienen, fordert die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag. dpa

Kerstin Andreae

Manager-Gehälter sollten im Verhältnis zu dem stehen, was die übrigen Mitarbeiter im Unternehmen verdienen, fordert die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag.

Natürlich dürfen Managerinnen und Manager gutes Geld verdienen. Wenn sie es verdient haben. Es sollte aber im Verhältnis dazu stehen, was sonst im Unternehmen bezahlt wird. Einige Unternehmen zahlen ihren Vorstandsmitgliedern das 100fache des durchschnittlichen Lohns eines Facharbeiters. Hier gerät etwas aus den Fugen und hat zurecht eine breite gesellschaftliche Debatte um die Angemessenheit von Vorstands- und Ruhegehältern ausgelöst.

Michael Fuchs spricht nur darüber, dass unsere Spitzenmanager Leistungen erbringen und entsprechend entlohnt werden. Auch der Facharbeiter bei VW erbringt seine Leistung für das Unternehmen. Manchmal sogar eine bessere, nachhaltigere Leistung als sein Vorstand, dem im Zweifelsfall der kurzfristige Gewinn wichtiger ist, als die langfristige Ausrichtung der Firma. Das haben die Skandale der letzten Jahre um VW, Deutsche Bank und andere gezeigt. Das schnelle Geld ist wichtiger und wenn am Ende das Unternehmen Schaden nimmt, bekommt der Manager eine dicke Abfindung, der Angestellte seine Kündigung. Reden wir also mal über die Verantwortung der Manager.

Wie Managergehälter eingedämmt werden sollen

Was schlägt die SPD jetzt vor?

Aktiengesellschaften sollen von den Gesamtbezügen für ihre Vorstände nur noch höchstens 500 000 Euro pro Jahr und Manager von der Steuer absetzen dürfen. Auch sollen die Eigentümer bei der Hauptversammlung ein Maximalverhältnis festlegen, um welchen Faktor ein Manager mehr verdienen darf als das Durchschnittsgehalt im Konzern. Geht es dem Unternehmen schlecht und haben Vorstände Fehler gemacht, soll der Aufsichtsrat von ihnen Geld zurückfordern können. Hier dürfte es mit der Abgrenzung noch sehr schwierig werden. Und ob die Union die Pläne überhaupt mitträgt, ist noch offen.

Warum können Firmen Gehälter überhaupt von der Steuer absetzen?

In Deutschland gilt das sogenannte Nettoprinzip. Besteuert wird das verbleibende Nettoeinkommen. Kosten, um Einnahmen zu erzielen, können abgesetzt werden. Firmen bezahlen Steuern also auf ihre Einnahmen - abzüglich der Betriebsausgaben. Bemessungsgrundlage ist der Gewinn. Das Finanzamt stuft Betriebsausgaben als durch den Betrieb veranlasste Aufwendungen ein - etwa Kosten für Rohstoffe, Aufwendungen für Marketing - und Personalkosten. Wird eine Schwelle bei den Boni gesetzt, steigt damit der gegenüber dem Fiskus ausgewiesene Gewinn und so die Steuerlast des Unternehmens.

Finanziert die Allgemeinheit überhöhte Gehälter mit?

Das wird oft gesagt. Aber Gehälter sind vom Lohnempfänger mit seinem persönlichen Steuersatz zu versteuern. Eine Begrenzung des steuerlichen Betriebsausgabenabzugs würde zu einer Doppelbesteuerung bei Arbeitnehmer und Arbeitgeber führen - zunächst auf Unternehmensebene und dann erneut beim Einkommensbezieher (Manager).

Kann man vom „Nettoprinzip“ abweichen?

Durchaus. Eine Beschränkung der Abzugsfähigkeit von Managergehältern sei aber nicht trivial, heißt es im Finanzministerium. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann sagt dagegen, er würde fast seine Hand dafür ins Feuer legen, dass das Konzept seiner Partei vor dem Bundesverfassungsgericht bestehen könne. Kritiker verweisen auf das Grundgesetz und den dort verankerten Gleichheitsgrundsatz. Karlsruhe lässt Abweichungen vom Nettoprinzip in begrenztem Umfang zu. Bei den fehlgeschlagenen Plänen zur Abschaffung der Pendlerpauschale, mit der Arbeitnehmer Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte beim Fiskus absetzen können, war dies beispielsweise nicht gelungen.

Würde der Staat also festlegen, welche Kosten absetzbar sind?

Sollte per Gesetz eine Obergrenze eingeführt werden, ab der Gehälter nicht mehr als Betriebsausgaben beim Fiskus abgesetzt werden können, ist das eine Abweichung vom „Nettoprinzip“. Es würde festgelegt, welche Kosten der Fiskus wie hoch anerkennt und welche nicht. Eine der kritischen Fragen ist auch, ob diese Steuerschwellen nur für Manager gelten oder auch für Fußball- oder Medienstars. Auch dürfte schnell eine Debatte folgen, was „gute“ und „schlechte“ Kosten sind. Hohe Boni wären demnach „schlechte“ Kosten.

Was hatten SPD und Union eigentlich vereinbart?

Im Koalitionsvertrag wurde 2013 festgelegt, dass für Transparenz bei Managergehältern über die Vorstandsvergütung künftig die Hauptversammlung auf Vorschlag des Aufsichtsrates entscheiden soll. Dies wurde bisher nicht umgesetzt. Seit längerem können Aktionäre auf der Hauptversammlung die Vorstandsvergütung bewerten. Die Aktionärsdemokratie ist aber eher ein Mythos. Denn nur ein kleiner Bevölkerungsteil besitzt direkt oder indirekt Aktien. Die meisten Aktien werden von großen Investoren wie Banken, Pensions- oder Hedgefonds gehalten, die bei Aktionärstreffen das Sagen haben.

Wie haben sich die Managergehälter denn entwickelt?

Nach einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung haben 2014 Vorstände von Dax-Unternehmen im Mittel 57-mal so viel wie im Schnitt ein Beschäftigter ihrer Firma erhalten. 2005 habe ein Vorstandsmitglied im Dax durchschnittlich 42-mal so viel wie ein Beschäftigter erhalten, 2011 war es das 62-fache.

Sind die Spitzengehälter der Wirtschaft explodiert?

Nach Darstellung der Unternehmensberatung HKP eher nicht. Sie spricht von einer moderaten Entwicklung. 2015 seien die Durchschnittsbezüge eines Dax-Vorstandschefs im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent auf rund sechs Millionen Euro gestiegen. Dies liege unter dem europäischen Vergütungsniveau.

Gibt es schon Begrenzungen für Managergehälter und Transparenz?

Seit Jahren müssen Vergütungen für die Chefetage in Dax-Konzernen offengelegt werden. Besser funktioniert inzwischen auch der Zusammenhang zwischen Unternehmenserfolg und Vorstandsgehalt. Nach der Finanzkrise wurde für Institute das Verhältnis zwischen Festgehalt und variablem Gehalt geregelt. Gewährte Prämien können auch wieder zurückgefordert werden. Bei der vom Staat geretteten Commerzbank wurden die Vorstandsbezüge begrenzt. Aufsichtsratsvergütungen können zudem bereits nur zu 50 Prozent von der Steuer abgezogen werden.

Ein VW-Vorstand, der wegen des Abgasskandals zurückgetreten ist, bezieht jetzt über 3000 Euro Betriebsrente. Am Tag! Während der einfache Facharbeiter nicht weiß, ob er am Ende des Jahres seinen Job noch hat. Wenn Michael Fuchs dann davon redet, dass Deutschland dieses System weiter stützen muss, um in der „Champions League“ mitzuspielen, dann nenne ich das zynisch. Nein, es geht nicht um Neid, es geht um Fairness und darum welche Grundwerte eine Führungskraft vertreten soll. Was nach den Buchstaben des Gesetzes her legal ist, ist noch lange nicht legitim.

Ich kenne keinen mittelständischen Unternehmer, der seine Firma so verantwortungslos und kurzsichtig führt, wie wir es zuletzt bei einigen DAX-Vorständen erleben mussten. Weil sie Verantwortung zeigen, für das Unternehmen das sie selbst oder ihre Eltern aufgebaut haben. Sie stehen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nahe, kennen deren privates Umfeld.

Gesetzantrag: Wie Grüne hohe Managerbezüge begrenzen wollen

Gesetzantrag

Wie Grüne hohe Managerbezüge begrenzen wollen

Die Grünen preschen mit einem bereits eingereichten Antrag zur Begrenzung von Managergehältern an vorderste Front – zum Ärger der SPD. Wolfgang Schäuble wies allerdings auf verfassungsrechtliche Hürden an.

Das Ganze ist aber nicht nur unfair gegenüber den Beschäftigten, sondern auch gegenüber allen Steuerzahlern. Gehälter, Boni und Abfindungen können die Unternehmen von der Steuer abziehen. Der Staat und damit seine Bürgerinnen und Bürger finanzieren diese Ungerechtigkeit auch noch mit. Geld, das der öffentlichen Hand fehlt für Kitas und Schulen, bezahlbaren Wohnraum oder einer modernen Verkehrsinfrastruktur. Das ist aber entscheidend für unsere Zukunftsfähigkeit und nicht die Sorge um das Führungspersonal der Großkonzerne. Deshalb ist die Deckelung der Managergehälter keine Gefahr für den Wirtschaftsstandort Deutschland sondern ein Beitrag für mehr Gerechtigkeit und Zusammenhalt.

Kerstin Andreae, stellvertretende Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag

Kommentare (1)

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Herr Günther Schemutat

17.02.2017, 11:48 Uhr

Wenn die Grünen eine Deckelung von Managergehältern fordern, ist das grüne Satire
von Leuten, die nachdem sie erkannt haben wie schön es sich mit Steuergeldern und Macht lebt, diese durch allerlei Verbote wie alle Politiker das sehen abzusichern.

Die Verbote und Regulierungsrepublik Deutschland hat sich von Freiheit schon soweit entfernt, dass diese nur noch Ältere Menschen erkennen, während die Jugend politisch an Schulen verdummt werden und glauben in einen Rechtsstaat zu leben.

Die Deckelung von Manager Gehälter und auch die Ouotenfrauen dummes zeug, von Leuten, die davon ablenken, dass wir in Deutschland ein viel schlimmeres Problem haben . Der Terror und die Unterwanderung von Geheimdiensten Erdogans und Putin sowie der NSE. Da wird weggesehen und mit Placebo Einsätze
die Bevölkerung verdummt.

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