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19.07.2011

12:26 Uhr

Gastkommentar Fell

Zusammengehen mit Gazprom erhöht Abhängigkeit

Die Beteiligung von Gazprom an RWE schafft neue Abhängigkeit von russischem Gas. Eine bezahlbare Energieversorgung auf Kosten demokratischer und rechtstaatlicher Werte?

Hans-Josef Fell  ist energiepolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion. Quelle: Pressefoto

Hans-Josef Fell ist energiepolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion.

Die Absicht von RWE, auf eine Beteiligung von Gazprom zu setzen, um neue Kohle- und große Erdgaskraftwerke finanzieren zu können, wird in bedrohliche Abhängigkeiten führen. Nun sollen nicht nur die hohen Abhängigkeiten von russischen Brennstofflieferungen mit Erdöl, Erdgas und ehemals Uran zementiert werden, sondern sogar noch neue Abhängigkeiten durch russische Beteiligungen am deutschen Kraftwerkspark geschaffen werden.

Vor fast fünf Jahren, am 1. August 2006, wurden in Russland die anfänglichen demokratischen und wettbewerblichen Entwicklungen im Energiesektor zunichtegemacht. Das erfolgreiche russische Unternehmen der post-sowjetischen Ära, Yukos Oil, wurde vom Moskauer Stadtgericht für bankrott erklärt. Seine Zerschlagung und die politischen Prozesse gegen seinen Gründer Michail Chodorkowski sind der Wendepunkt im russischen Energiemarkt, ab dem der Mangel an Rechtsstaatlichkeit im Energiesektor offenkundig zutage trat. Die Situation hat sich mit dem Rückzug Russlands vom Energiechartavertrag in 2009 sogar noch verschärft. Ausländische

Investoren im russischen Energiemarkt genießen nun faktisch keinen Schutz mehr; andererseits drängt Gazprom immer mehr in ausländische Märkte.
Der Atomausstieg in Deutschland und die russischen Entwicklungen müssen spätestens seit dem Beteiligungsstreben von RWE mit Gazprom in einem Atemzug genannt werden. Die hohe Abhängigkeit Deutschlands vom russischen Erdgas wird mit dem Bau der Ostseepipeline weiter verschärft. Eine Diversifizierung von Erdgaslieferländern wird durch die RWE-Gazprom-Pläne und das sich dadurch abzeichnende Scheitern der Nabucco-Pipeline faktisch unmöglich.

Kommentare (1)

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19.07.2011, 18:16 Uhr

Genau so ist es.
Nior vor gar nicht so langer Zeit haben wir immer gesagt, wir müssen uns unabhängiger machen von ausländischer, hir auch russischer, Energeiversorgung und heute will man das noch enger machen?
Die Deutschen kapieren offenbar überhaupt nichts mehr

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