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30.06.2011

20:41 Uhr

Gastkommentar

„Griechenland muss die Eurozone verlassen“

VonCarl-Jürgen Brandt

Ein Unternehmer redet Klartext: Griechenland muss die Eurozone verlassen, fordert Keksfabrikant Carl-Jürgen Brandt. Die Schmerzgrenze für die Griechen sei erreicht. Auch mit der Kanzlerin geht Brandt hart ins Gericht.

Der Autor ist Inhaber und Geschäftsführer von Brandt Zwieback-Schokoladen GmbH & Co. KG. Sie erreichen ihn unter: gastautor@handelsblatt.com. Quelle: Mart Klein

Der Autor ist Inhaber und Geschäftsführer von Brandt Zwieback-Schokoladen GmbH & Co. KG. Sie erreichen ihn unter: gastautor@handelsblatt.com.

Um es vorweg zu sagen: Bei aller Kritik an Frau Merkel geht es mir darum, ihr Mut zu machen. Ich will die Bundeskanzlerin vor allem dazu ermutigen, unser Land klar zu führen und auch unliebsame Entscheidungen zu treffen. Wenn man der Bevölkerung das richtig erklärt, wird sie solche Entscheidungen auch mittragen. Jeder mittelständische Unternehmer weiß, dass es ohne klare Führung nicht geht.

Leider hat die Bundeskanzlerin insbesondere seit Antritt der Regierung mit der FDP diese klare Führung vermissen lassen. Dadurch ist das Vertrauen bei den Unternehmern drastisch zurückgegangen. Die Regierung eilt offenbar nur noch von Wahltermin zu Wahltermin. Vor allem hat man den Eindruck: Die können sich nur streiten.

Ein Beispiel ist die Steuerpolitik. Ich halte es für absolut falsch, jetzt von Steuersenkungen zu sprechen. Wir können nicht über die Probleme anderer Euro-Länder diskutieren, ohne unseren eigenen Haushalt zu konsolidieren. 60 Prozent maximale Staatsverschuldung, gemessen am Bruttoinlandsprodukt: So steht es in den Verträgen, und bevor wir das nicht erreicht haben, ist jede Steuersenkung fehl am Platz.

Als Unternehmer müssen wir eine Menge Steuern bezahlen. Im Prinzip ist es heute so, dass 50 Prozent unseres Einkommens dem Staat gehören. Das halte ich aber für in Ordnung. Allerdings sollte man diese Grenze auch nicht überschreiten – schließlich sind die Unternehmen diejenigen, die wirklich Verantwortung tragen.

Leider wird in der ganzen Steuerpolitik Wolfgang Schäuble, der Finanzminister, zu wenig ernst genommen. Vor diesem Mann kann ich nur meinen Hut ziehen, der ist fachlich einwandfrei, geradlinig und sehr kompetent. Das gilt auch für die Politik in der Euro-Zone. Ich halte es für absolut richtig, dass er die Banken bei der Rettung Griechenlands zur Kasse bitten will. Diejenigen, die den Schlamassel verursacht haben, müssen auch daran beteiligt werden. Es darf nicht sein, dass die Gewinne privat eingefahren und die Verluste sozialisiert werden: Hier liege ich voll auf der SPD-Linie.

In einem Punkt bin ich allerdings anderer Meinung als Herr Schäuble. Ich glaube, dass Griechenland die Euro-Zone verlassen muss. Das heißt ja nicht, dass das Land die EU verlässt. Großbritannien ist auch Mitglied der EU, hat aber eine eigene Währung. Nach meiner Meinung hat es keinen Sinn, den Griechen immer noch mehr Einsparungen aufzuzwingen, nur damit sie in der Euro-Zone bleiben können. Das, was sie bisher tragen müssen, ist ungefähr so, als müssten die Deutschen auf 30 Prozent ihres Einkommens verzichten. Das kann man niemandem zumuten. Die Griechen können auch nicht auf einen Schlag für alle Probleme bezahlen, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben.

Kommentare (26)

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MeisterProper

30.06.2011, 21:01 Uhr

In einigen Punkten korrekte Forderungen, aber alles in allem ein etwas hölzern und unbeholfener Text. Frage mich gerade, ob das Gehör findet. Und nebenbei: Nein die Grünen sind eben nicht in der verantwortungsvollen Politik angekommen. Ein Silberfuchs a la Kretschmann macht noch keine seriöse Partei und grüne Ideen allein reichen nicht um eine komplette Partei zu sein.

keeper

30.06.2011, 21:04 Uhr

"Jetzt müssen wir halt zusehen, dass unsere Industrie führend in der erneuerbaren Energie wird.

Man muss nach vorn schauen – und Mut haben. Und das gilt zuallererst für die Bundeskanzlerin. "

So ist es.
Deutschland braucht endlich eine Vision.
Die Situation wurde lange genug analysiert:
Bildung und Infrastruktur (Energie + Mobilität) für den weiteren Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit in unserem Land.

China schläft nicht.
Ebensowenig Korea.

... aber anscheinend interessiert hier wirklich nur die nächste Wahl ...

TortyCash

30.06.2011, 21:15 Uhr

Natürlich kann Herr Brandt gegen Steuersenkungen sein. Denn für ihn als Unternehmer gelten andere Steuergesetze als für den Arbeitnehmer.
Er hat viel mehr Kontrolle über die zu versteuernde Einnahmen, sicherlich wird ein sehr guter Steuerberater für Brandt arbeiten.
Weiterhin ist es sehr wahrscheinlich, dass Brandt von irgendwelchen Subventionen profitiert.

Sorry, aber ich kann das Thema "Haushaltskonsolidierung zuerst" nicht mehr hören. Denn Politiker haben je mehr Einfluss, je mehr Geld sie verteilen.
Deshalb werden die Staatsschulden auch nie mehr zurückgezahlt werden. Im Gegenteil, es gibt immer Gründe (alternativlos) neue Schulden aufzunehmen.

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