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25.01.2007

10:01 Uhr

Gastkommentar

Todesspirale für die PKV

Man kann es drehen und wenden, wie man will – auch nach dem erneuten „Durchbruch“ in der Gesundheitsreform hat die Koalition das Ende des Modells der privaten Krankenversicherungen programmiert, meint Gastkommentator Johann Eekhoff. Die Reform verhindere sinnvollen Wettbewerb, der Basistarif sei nur ein Ansatz, die PKV zu überwinden.

Gastautor Johann Eekhoff lehrt Wirtschaftspolitik an der Uni Köln. Foto: Universität

Gastautor Johann Eekhoff lehrt Wirtschaftspolitik an der Uni Köln. Foto: Universität

Bei dem Streit über eine leichte Entschärfung dieser Fehlkonstruktion ist der zweite, noch wirkungsvollere Angriff aus dem Blick geraten: die Vorschrift, wonach die privaten Versicherungen den Neukunden bei einem späteren Versicherungswechsel durchschnittliche Altersrückstellungen mitgeben müssen.

Ausgangspunkt war die berechtigte Klage über die unbefriedigenden Wechselmöglichkeiten der privat Versicherten und die damit verbundene Einschränkung des Wettbewerbs zwischen den Versicherungen. Die im Koalitionsvertrag vom November 2005 und im Eckpunktepapier vom Juli 2006 vorgesehene Übertragung der individuellen Altersrückstellungen im Falle des Wechsels der Versicherung war eine konsequente und angemessene Antwort.

Der Verband der PKV und einige Versicherungsgesellschaften haben vehement gegen den drohenden Wettbewerb protestiert, angeblich weil die Prämien steigen würden und in die Eigentumsrechte der Versicherten eingegriffen würde und weil es nicht möglich sei, individuelle Altersrückstellungen zu kalkulieren. Vermutlich bestand die Erwartung, jede Veränderung außer einer geringen Ausweitung des bestehenden Standardtarifs verhindern zu können.

Die Koalition ist nahezu unbemerkt von individuellen auf durchschnittliche Altersrückstellungen umgeschwenkt und will die Übertragung auf Neukunden begrenzen. Bestandskunden sollen für sechs Monate eine Wechselmöglichkeit erhalten. Der Zwang, durchschnittliche Rückstellungen zu übertragen, hat schwerwiegende Folgen: Die Rückstellungen dienen dazu, die höheren Gesundheitskosten im Alter zu finanzieren, ohne die Prämien entsprechend erhöhen zu müssen. Sie werden von den einzelnen Versicherten je nach Gesundheitszustand und Lebensdauer sehr unterschiedlich in Anspruch genommen. Das Versicherungssystem bricht aber zusammen, wenn jedem Wechsler eine durchschnittliche Altersrückstellung mitgegeben werden muss.

Die Versicherungen würden vergleichsweise gesunde Versicherte anwerben, indem sie ihnen günstige Prämien anbieten. Dies ist möglich, weil die gesunden Versicherten mehr Altersrückstellungen mitbringen, als sie voraussichtlich in Anspruch nehmen werden. In der abgebenden Versicherung verbleiben die alten und kranken Versicherten. Die Altersrückstellungen reichen für sie nicht mehr aus, und die Prämien müssen angehoben werden. Selbst eine neue Versicherung wird schon nach wenigen Jahren von anderen Versicherungen bedroht, die sich wiederum die besten Risiken herauspicken. Letztlich führt dies dazu, dass der Schutz vor hohen Krankheitskosten verloren geht.

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