Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.02.2012

17:18 Uhr

Gastkommentar

Wir haben die Gier legalisiert

VonMichael Sommer

Die Deregulierung sorgte dafür, dass Regeln und Schutzvorschriften auf dem Arbeitsmarkt abgeschafft wurden. Die Folge? Rücksichtslose Ausbeutung. Ein Kommentar von DGB-Vorsitzenden Michael Sommer.

Michael Sommer prangert die fatalen Folgen der Deregulierung auf den Arbeitsmärkten an. dapd

Michael Sommer prangert die fatalen Folgen der Deregulierung auf den Arbeitsmärkten an.

DüsseldorfDie Gier ist seit den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts systematisch legalisiert worden. Die Banker und Spekulanten durften Finanzprodukte entwickeln, die kaum jemand verstand und versteht. Sie durften faule Kredite verbriefen, verpacken, eine Triple-A-Schleife drumbinden und damit die Märkte fluten. Sie durften Wertpapiere teuer verkaufen und gleichzeitig auf deren Wertverlust wetten. Alles war erlaubt. Die Folgen können wir jeden Tag in den Nachrichten besichtigen.

Das Zauberwort dabei hieß „Deregulierung“, ein sperriger Begriff, aber mit enormer Wirkung auf den politischen Diskurs. Wer für Deregulierung war, galt als modern und fortschrittlich, wer Zweifel hegte, als Bedenkenträger und Betonkopf. Und das traf nicht nur für die Finanzmärkte zu. Auch auf dem Arbeitsmarkt wurden fleißig Regeln und Schutzvorschriften abgeschafft. Denn nichts anderes heißt Deregulierung. Wie auf den Finanzmärkten galt auch hier das primitive Motto: Mehr Entfesslung durch weniger Regeln. Wohlgemerkt: Mehr Freiheit für die Arbeitgeber. Ihnen wurde erlaubt, Löhne zu drücken, Risiken auf die Mitarbeiter abzuwälzen, Arbeitsbedingungen zu schleifen und sich aus der gemeinsamen Finanzierung der sozialen Sicherung zurückzuziehen.

Die Deregulierung der Finanzmärkte hat die hemmungslose Gier legalisiert, die Deregulierung des Arbeitsmarkts die rücksichtslose Ausbeutung. Nie zuvor stand den Arbeitgebern ein größeres Arsenal an Beschäftigungsformen zur Verfügung, um einer regulären, gerecht entlohnten Vollzeitbeschäftigung von Arbeitnehmern aus dem Weg zu gehen. Zeitlich reichen die Maßnahmen von der Endzeit der Regierung Kohl über Rot-Grün, über die große Koalition bis hin zu Schwarz-Gelb.

Die Finanzbranche hat mit ihren Finanzprodukten, heißen sie nun MBS, CDO oder CDS, die Welt an den Rand des Abgrunds geführt. Die Ordnung auf dem Arbeitsmarkt wurde pulverisiert durch den massiven Missbrauch und die Ausweitung von Minijobs und Leiharbeit, Solo-Selbstständigkeit und Werkverträgen, Dauerpraktika und befristeter Beschäftigung. Und leider macht diese Entwicklung vor bisher guten Jobs nicht halt. Auch der gut regulierte Bereich gerät immer mehr unter Druck. Durch die Verweigerung von Allgemeinverbindlichkeitserklärungen (AVE), durch Tarifflucht oder schlicht durch den Missbrauch von Leiharbeit oder Werkverträgen verschlechtern sich für die Stammbelegschaften die Arbeitsbedingungen.

Kommentare (42)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Mazi

11.02.2012, 17:26 Uhr

Wen meint er mit "Wir"?

Ich war es nicht!

Scheinheiliger-Kommentar

11.02.2012, 17:36 Uhr

Erst mit ins Agendaboot steigen und jetzt, wenn der gesellschaftliche gegenwind immer stärker wird zurückrudern.
Was für verlogene Gewerkschaften.
Damals als „WIR Arbeitnehmer“ starke Gewerbschaften gebraucht hätten, habt ihr Gewerbschaftsfunktionäre geschwiegen und die politischen Entscheidungen von Rot-Grün zum Sozialabbau und der Deregulierung des Arbeitsmarktes mitgetragen.
Nun wer hat uns verraten?
Sozialdemokraten, Grüne und die Gewerkschaften!

Gordon

11.02.2012, 17:45 Uhr

Wann war Gier jemals illegal?

GREED IS GOOD

Shame on Handelsblatt so einen Kommunisten-Gesülze zu veröffentlichen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×