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23.04.2015

14:56 Uhr

Gauck bei Familienunternehmern

„Scheitern kann auch ein Gewinn sein“

VonAnja Müller, Dana Heide

Viel Lob und ein paar Hausaufgaben: Bei den Familienunternehmer-Tagen lobt Bundespräsident Joachim Gauck das Verantwortungsbewusstsein der traditionsreichen Firmen. Er gibt ihnen aber auch Forderungen mit auf den Weg.

Bundespräsident Joachim Gauck (rechts) und Lutz Goebel, Präsident von „Die Familienunternehmer“ auf den Familienunternehmer-Tagen 2015. Die Familienunternehmer/PR

Goebel und Gauck

Bundespräsident Joachim Gauck (rechts) und Lutz Goebel, Präsident von „Die Familienunternehmer“ auf den Familienunternehmer-Tagen 2015.

BerlinEs ist einer der schönen Termine an diesem sonnigen Donnerstag in Berlin für Bundespräsident Joachim Gauck, zumindest sagt er das den versammelten Familienunternehmern im E-Werk. Später wird er noch zum 100. Jahrestag des Beginns der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich sprechen – einer der schwierigeren Termine für das Staatsoberhaupt.

Nun aber erstmal das Angenehme. Gauck fühlt sich sichtlich wohl, spätestens als der Präsident der Familienunternehmer ihm mitteilt, dass er mit dem Staatsoberhaupt mindestens zwei Dinge gemeinsam habe. „Wir haben am gleichen Tag Geburtstag und beide eine Vorliebe für die Freiheit.“ Gauck erwidert: „Ja, wo er recht hat, hat er recht.“

Das Leben des Joachim Gauck

Neuer Alltag

Joachim Gauck ist auf Empfängen, Eröffnungen und Benefizveranstaltungen ein gern gesehener Gast. Ein schnöder Alltag? Nein, denn der Bundespräsident interpretiert seine Rolle offensiv. Seine Äußerungen zum Islam, Deutschlands Rolle in der Welt und zur Linkspartei haben hitzige Debatten entfacht.

Neue Wohnung

Das Staatsoberhaupt Deutschlands wohnt in der Präsidentenvilla in Berlin-Dahlem. Im Schloss Bellevue gibt es keine Wohnung mehr. Dort ist nur der offizielle Amtssitz des Präsidenten. Zuvor lebte Gauck viele Jahre in einer Altbauwohnung in Berlin-Schöneberg.

Neuer Beruf für die Lebensgefährtin

Daniela Schadt arbeitet seit Gaucks Ernennung zum Bundespräsidenten nicht mehr. Die 52-Jährige war zuvor als Journalistin tätig und lebte in Nürnberg. Dort war sie Leitende Politikredakteurin bei der „Nürnberger Zeitung“. Als First Lady ist sie oft an Gaucks Seite zu sehen.

Scheidung und Heirat?

Dazu müsste sich Gauck erst einmal von seiner Frau Gerhild scheiden lassen, mit der er seit 1959 verheiratet ist und vier Kinder hat. Seit 1991 leben beide getrennt, seit dem Jahr 2000 ist Gauck mit Daniela Schadt zusammen. „Er macht sich Gedanken über eine Hochzeit, aber er hat wohl noch keine Entscheidung gefällt“, sagte sein Sohn Christian kürzlich der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Hierzulande dürfte seine Art des Zusammenlebens heute nun wirklich kein Problem mehr sein, aber als Präsident kommt er auch in Länder, in denen andere moralische Maßstäbe gelten.“

Wichtigster Mitarbeiter

David Gill ist Staatssekretär und Chef des Präsidialamtes. Damit ist er der wichtigste Mitarbeiter des Präsidenten. Der bisherige Oberkirchenrat im Dienst der Evangelischen Kirche ist seit seiner Zeit als erster Sprecher der Stasi-Unterlagenbehörde ein enger Vertrauter Gaucks. Gill ist SPD-Mitglied.

Neuer Bürgerpräsident

Mit dem Pastor ist ein neuer Stil im Schloss Bellevue eingezogen. Auch wenn das Korsett für das Staatsoberhaupt eng is, spiel Gauck seine Karte als „Bürgerpräsident“ aus. „Ich bin nicht mal gewaschen“, sagte der 72-Jährige, als er am Abend seiner überraschenden Nominierung mit der Kanzlerin vor die Kameras trat. Seinem Sohn Christian war das peinlich. „Aber so ist er, ungeschminkt, ungefiltert“, sagte der Hamburger Arzt der „FAS“.

Der Verband der Familienunternehmer hat bestimmt nicht zufällig diesen Ort für seine große Jahrestagung gewählt, auf der anderen Straßenseite liegt das Bundesfinanzministerium. Dort zerbrechen sich die Fachabteilungen und auch Minister Wolfgang Schäuble (CDU) die Köpfe über eine Lösung für die Erbschaftsteuer, die die Bundesregierung nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Herbst 2014 neu regeln muss.

Gauck hatte viele anerkennende Worte für die Familienunternehmer übrig. Sie hätten es nicht nur überstanden, dass die Berater sie bereits in den 80er-Jahren während einer ersten Globalisierungswelle abgeschrieben hätten, sondern auch die Wirtschafts- und Finanzkrise nach 2008 mehr als überlebt. Sie hätten ihre Firmen zukunftssicher gemacht.

„Gerade Familienunternehmen stehen in so vielen konkreten Fällen für die Soziale Marktwirtschaft“, lobte er. Die Familienunternehmer stünden für Verantwortung, sie „unterscheiden sich von den angestellten Managern“, sie könnten nicht mit ihren Firmen das Land schnell verlassen und sie seien „nicht too big to fail“. Doch Gauck hatte auch noch einige Hausaufgaben für die Unternehmer mitgebracht.

Sie sollen in der Gesellschaft mehr Zeichen setzen. „Erfolg hat ja eine Herkunft“, und die müssten die Familienunternehmer auch in die Öffentlichkeit tragen. Außerdem gebe es da so neuralgische Punkte: Wirtschaften sei schneller und komplexer geworden, „das eigene Geschäftsmodell ist permanent zu hinterfragen“.

Der demografische Wandel – also die Chancen erfahrener älterer Mitarbeiter auch in kleineren Unternehmen – sei zu nutzen. Außerdem seien die Ausgaben für Forschung und Entwicklung bei den kleineren und mittleren Unternehmen seit Ende der 90er-Jahre zurückgefallen, hinter denen der großen Unternehmen.

Darüber hinaus beklagt er die nachlassende Gründungstätigkeit und er fragt: „Was hindert den deutschen Informatiker zu Gründen? Der verschulte Bachelor, die fehlenden Garagen oder das typisch deutsche Sicherheitsdenken, eine angemessene Einstellung zum Scheitern. Scheitern kann auf den zweiten Blick auch ein Gewinn sein. Auf der Suche nach Indien machte Kolumbus die Entdeckung Amerikas.“

Und weil ein Mentalitätswandel nicht zu verordnen sei, brauche es gute Beispiele – von Unternehmern. Das Motto der Familienunternehmer „Wir sind die Wirtschaft“ erweiterte er in „Wir sind die Wirtschaft, wir sind die Politik, wir sind zuständig."

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

23.04.2015, 15:19 Uhr

Die Bundesregierung und dei deutsche Bundestagspolitik wird mit ihren marktfeindlichen EEG = Energiewende dafür sorgen, dass in Zukunft immer mehr Unternehmen in Deutschland scheitern werden.
Die Energiewende verteuert den Strom und basiert auf einen Subventionsgesetz = EEG. Und diese Gesetz sorgt dafür, das wirtschaftliche und wertschöpfenden Arbeitsplätze = Unternehmen durch hochsubventionierte und von uns Verbrauchern durch Zwang gesponserten (EEG-Abgabe) Arbeitsplätze (politisches Plansystem) ersetzt werden. DDR System 2.0 lässt Grüßen!

Herr Sascha Kirfel

23.04.2015, 15:36 Uhr

Ja der Gauck kann gut schwätzen. Wer als verantwortlicher Politiker Millionen am Nürburgring, Elbphilharmonie oder Flughäfen verbrennt, tritt schlimmstenfalls zurück und ist weiterhin bestens versorgt. Wer als Unternehmer Pech hat (es reicht ja schon, daß ein Großkunde nicht zahlt) verliert Haus und Hof und kann für seine Familie Hartz 4 bezahlen. Zusätzlich wird er noch als Versager beschimpft, der sowieso nur seine Angestellten ausgebeutet hat.

Die Politik sorgt dafür, daß keiner mehr Lust darauf hat. Dann doch lieber im öffentlichen Dienst eine ruhige Kugel schieben und wohlversorgt den Ruhestand genießen.

Herr A. Friend

23.04.2015, 16:50 Uhr

„Scheitern kann auch ein Gewinn sein“

Na, dann ist unser Pfarrer Gauckler aus der Ostzone ja DER Gewinner der letzten Jahre.

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