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20.02.2012

15:11 Uhr

Gauck-Coup der FDP

Ein Totgesagter meldet sich zurück

VonAndreas Niesmann

Die FDP liegt auf der Intensivstation, doch im Präsidentenpoker mit der Union geben die Liberalen ein überraschendes Lebenszeichen ab. Der Preis ist eine vergiftete Stimmung in der Koalition. Die CDU sinnt auf Rache.

Berlin/DüsseldorfNur Minuten nach dem großen Sieg steht er vor dem Kanzleramt und grinst. Dann sagt er einen Satz, der tief in das Seelenleben der FDP blicken lässt. „Entscheidend ist, dass es gelungen ist, durchzusetzen, was wir wollten.“ Man muss sich diesen leicht verschachtelten Satz Philipp Röslers auf der Zunge zergehen lassen, und zwar Wort für Wort: „DURCHZUSETZEN, WAS WIR WOLLTEN“.  Röslers unbedachtes Statement, gesprochen kurz nach der offiziellen Verkündigung der Kandidatur von Joachim Gauck für das Präsidentenamt, verrät, wie sehr die FDP diesen Erfolg wollte.

Verzweifelt haben die Partei und ihr Vorsitzender in den vergangenen Wochen und Monaten nach einer guten Nachrichte gelechzt. Die Sehnsucht danach war offenbar so groß, dass die Liberalen alles auf eine Karte setzten. Sie waren bereit, eine handfeste Koalitionskrise mit ungewissem Ausgang zu riskieren, nur um endlich wieder in die Offensive zu kommen.

Die Möglichkeit dafür bot sich der FDP unverhofft. Bis zuletzt hatten sie zähneknirschend zu Christian Wulff halten müssen, war der Bundespräsident doch auch mit ihren Stimmen ins Amt gewählt worden. Seinen Rücktritt müssen die Liberalen als Befreiung erlebt haben. Auch deshalb dürften sie sich darüber geärgert haben, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ihnen bei der Suche nach einem Nachfolger eine Statistenrolle zugedacht hatte und den parteiübergreifenden Kompromiss anstrebte. Wäre es zu einer Einigung zwischen CDU und SPD gekommen, die Liberalen hätten keine andere Möglichkeit gehabt als sie abzunicken.

Joachim Gauck (vorne) und Philipp Rösler bei der Pressekonferenz im Kanzleramt: Durchsetzen was wir wollten. dpa

Joachim Gauck (vorne) und Philipp Rösler bei der Pressekonferenz im Kanzleramt: Durchsetzen was wir wollten.

Für Merkel waren nach der Absage ihres Favoriten Andreas Voßkuhle mehrere Kandidaten denkbar. Mit dem früheren Umweltminister Klaus Töpfer hätte sie gut leben können, genauso wie mit dem ehemaligen Vorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber. Nur gegen Gauck sperrte sich die Kanzlerin bis zuletzt. Sie wollte nicht auch noch öffentlich eingestehen, was ohnehin schon jeder weiß: Dass es ein Fehler war, bei der letzten Präsidentenwahl Wahl Christian Wulff gegen den Oppositionskandidaten Joachim Gauck durchzusetzen, und dass niemand anderes als die Kanzlerin persönlich die Verantwortung dafür trägt.

Kommentare (40)

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Pro-D

20.02.2012, 15:30 Uhr

So, darum ging es also,

>>>>>ESM muss unterzeichnet werden: <<<<<<


Beim FDP-Mitgliederentscheid zum dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM hat sich eine Mehrheit für die Linie der Parteispitze ausgesprochen. Das teilte FDP-Chef Philipp Rösler am Freitag, dem 16. Dezember 2011, auf einer Pressekonferenz in Berlin mit.

Die Euro-Kritiker um Initiator Frank Schäffler, die eine Zustimmung der FDP zum ESM verhindern wollten, sind damit gescheitert.

Joachim Gauck zur internationalen Protestbewegung "Occupy": "Das wird schnell verebben."

Damit war es dann klar, dass Herr Gauck ESM unterzeichnen wird. Ganz anders, als Köhler oder gar Wulff, die sich eindeutig gegen den Finanzterror und den Ausverkauf unseres Landes an die Banken ausgesprochen hatten.

Wer von der STASI geschult wurde, auf den ist Verlass.



MikeM

20.02.2012, 15:32 Uhr

Das sich die FDP über diese Lapalie so freut zeigt doch den desaströsen Zustand dieser Partei. Die FDP sollte lieber für deutsche Interessen in der Eurokrise eintreten, gegen die Übernahme von Bürgschaften, die uns in den Ruin treiben werden. Aber dazu fehlt der Mumm oder der Wille. Eine Schande!

Account gelöscht!

20.02.2012, 15:39 Uhr

Genau, Pro-D (ödeldumm)

Und diese Verschwörer haben das alles komplett durchgeplant, dem Wulff von langer Hand Kredite und Reisen in Mengen aufgedrängt, dazu noch ein paar Ungeschickte Formulierungen in Wulffs Krisenmanagementshirnbereich verpflanzt.

Alles um den ESM durchzupeitschen. Das ist eben wahre Weitsicht.

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