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31.08.2016

14:36 Uhr

Gauck-Debatte

Berliner CDU wirbt für Schulterschluss mit der SPD

VonDietmar Neuerer

Noch sieben Monate, dann scheidet Joachim Gauck aus dem höchsten Staatsamt. Die Debatte über seine Nachfolge ist in vollem Gange. Nun gibt es ein Signal aus der CDU an die SPD, einen gemeinsamen Nachfolger zu finden.

Bundespräsident Joachim Gauck: Die Bundesversammlung wählt am 12. Februar 2017 seinen Nachfolger. dpa

Joachim Gauck.

Bundespräsident Joachim Gauck: Die Bundesversammlung wählt am 12. Februar 2017 seinen Nachfolger.

BerlinDer Generalsekretär der Berliner CDU, Kai Wegner, hält eine Verständigung zwischen Union und SPD auf einen gemeinsamen Kandidaten für die Nachfolge von Bundespräsident Joachim Gauck für möglich. „Gemeinsam mit der Union als der Volkspartei der Mitte besteht die gute Chance, eine über dem parteipolitischen Streit stehende Persönlichkeit für das höchste Amt im Staate zu finden“, sagte der Bundestagsabgeordnete dem Handelsblatt.

Zugleich appellierte Wegner an SPD-Chef Sigmar Gabriel, in der Kandidaten-Frage nicht dem Drängen der Linkspartei nachzugeben. „Gabriel steht in der Verantwortung, dem linksgrünen Sirenengesang zu widerstehen“, sagte der CDU-Politiker. Das Amt des Bundespräsidenten sei zu bedeutsam, um es für „parteipolitische Planspiele“ zu missbrauchen.

Der Bundespräsident repräsentiere das Gemeinsame aller Menschen in Deutschland, betonte Wegner. Für diese „wichtige“ Integrationsaufgabe brauche es daher einen Kandidaten der Mitte. „Im Gegensatz dazu würde ein Links-Kandidat womöglich polarisieren und damit der politischen Kultur und der gelebten Staatspraxis schaden“, warnte Wegner.

Das sind die möglichen Gauck-Nachfolger

Norbert Lammert

Norbert Lammert (67): Seit 2005 ist der CDU-Mann aus Bochum Präsident des Bundestages, der Umzug ins Schloss Bellevue wäre ein naheliegender Karriereschritt. Lammert gilt als wortmächtig und intellektuell brillant, was er andere auch gerne spüren lässt.

Ursula von der Leyen (

Ursula von der Leyen (57): Ihr Name fällt immer, wenn es um Spitzenämter geht, auch als künftige Kanzlerin ist die CDU-Frau im Gespräch. Schon 2010 war die amtierende Verteidigungsministerin als mögliche Kandidatin für das Präsidenten-Amt im Gespräch.

Volker Bouffier

Volker Bouffier (64): Früher eher dem rechten Flügel der CDU zugeordnet, führt er seit 2014 relativ geräuschlos und erfolgreich die schwarz-grüne Landesregierung in Hessen. Ein Signal für Schwarz-Grün auch im Bund also.

Frank-Walter Steinmeier 

Frank-Walter Steinmeier (60): Beinahe so etwas wie der natürliche Kandidat für das höchste Amt im Staate. Beliebt bei den Bürgern, angesehen über Parteigrenzen hinweg, diplomatisch erfahren. Aber hat ein SPD-Mann diesmal überhaupt eine Chance?

Martin Schulz

Martin Schulz (60): Der Präsident des Europaparlaments wird immer wieder genannt, wenn die SPD nach Kandidaten für Spitzenämter sucht. Doch abgesehen von der Schwierigkeit, eine Mehrheit zu finden: Kanzlerin Angela Merkel gilt nicht als Schulz-Fan.

Annegret Kramp-Karrenbauer

Annegret Kramp-Karrenbauer (53): Die CDU-Ministerpräsidentin aus dem Saarland genießt Ansehen auch bei der SPD und den Grünen. Sie ist linker und jünger als andere CDU-Kandidaten, und sie ist eine Frau.  

Winfried Kretschmann

Winfried Kretschmann (68): Der grüne Ministerpräsident aus Baden-Württemberg ist nicht nur in seiner Heimat populär. Sein landesväterlicher Habitus könnte auch für die Rolle des Bundespräsidenten passen. Wenn sich Union und SPD nicht einigen können, wäre er ein Kompromiss.

Der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger, hatte zuvor erklärt, die SPD sei in der Präsidenten-Frage nun „ganz klar am Zug“. „Sigmar Gabriel muss auf die anderen beiden Parteien zugehen und versuchen, in Gesprächen eine Verständigung herbeizuführen“, sagte Riexinger im Interview mit dem Handelsblatt.

Laut Riexinger hat es schon Gespräche mit SPD-Chef Gabriel und auch eine „Kontaktaufnahme zu den Grünen“ gegeben. „Ich gehe davon aus, dass nach den Landtagswahlen Bewegung in die Sache kommt.“ Die Linke sehe die Wahlen aber nicht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt, ob man nun mitregieren könne. „Es kommt in erster Linie darauf an, dass wir für die Nachfolge von Joachim Gauck eine Person finden, die weltoffen ist und für Frieden und soziale Gerechtigkeit steht.“

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