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18.11.2016

09:34 Uhr

Gauck in Nagasaki

Atomare Zerstörung ist Warnung für Gegenwart

Der emotionalste Augenblick folgt zum Schluss der Japan-Reise: Bundespräsident Joachim Gauck besucht Nagasaki und damit das Symbol für die Unmenschlichkeit des Einsatzes von Atomwaffen.

Zum Abschluss seiner Japan-Reise war der Bundespräsident unter anderem in Nagasakis Atombomben-Museum zu Gast. dpa

Joachim Gauck

Zum Abschluss seiner Japan-Reise war der Bundespräsident unter anderem in Nagasakis Atombomben-Museum zu Gast.

NagasakiBundespräsident Joachim Gauck hat zum Abschluss seiner fünftägigen Japanreise die vor 71 Jahren von einer amerikanischen Atombombe verwüstete Stadt Nagasaki besucht. Die brutale Zerstörung sei auch eine Warnung für die Gegenwart, sagte Gauck am Freitag im Atombomben-Museum der Hafenstadt. Vor dem Friedensdenkmal legte er einen Kranz nieder.

„Eine ganze Welt des Elends und des Terrors und der Missachtung der Menschenleben begegnet uns an einem solchen Tag“, sagte Gauck. Aber auch heute würden Zivilisten in kriegerischen Auseinandersetzungen sterben. „In anderen Ländern brennen Menschen wie einst hier und wird die Menschenwürde mit Füßen getreten.“

Die US-Bombe tötete am 9. August 1945 in Nagasaki etwa 70.000 Menschen, an den Folgen der radioaktiven Strahlung starben später etwa 100.000 weitere. Unter den Toten waren auch viele Menschen aus China und Korea, oft Zwangsarbeiter in der japanischen Rüstungsindustrie. Nach einem Gespräch mit dem Bürgermeister der Stadt traf Gauck auch einen Überlebenden der nuklearen Katastrophe.

Sieben Gründe, warum wir einen Bundespräsidenten brauchen

Zusammenhalt und Integration

Der Bundespräsident ist das Staatsoberhaupt, steht also protokollarisch an der Spitze des Staates. Er repräsentiert die Einheit der Bundesrepublik nach innen und außen. Das heißt, er steht für Integration und Zusammenhalt – wichtiges Thema in diesen Zeiten

Lebendiges Staatssymbol

Der Bundespräsident ist „lebendiges Symbol“ des Staates. Über den Parteien stehend, wirkt er in Reden, Ansprachen, Gesprächen, durch Schirmherrschaften und andere Initiativen integrierend, moderierend und motivierend.

Verfassungsorgan mit besonderer Stellung

Er ist das einzige Verfassungsorgan, das nur aus einer Person besteht. Die Persönlichkeit des Bundespräsidenten ist deshalb von herausragender Bedeutung. Mit Äußerungen zur aktuellen Tagespolitik hält er sich zurück.

Völkerrechtliche Vertretung

Er vertritt Deutschland völkerrechtlich, etwa beim Abschluss von Verträgen mit anderen Staaten.

Verhältnis zum Bundeskanzler

Er macht den Vorschlag für die Wahl des Bundeskanzlers, ernennt und entlässt den Regierungschef und die Minister.

Aufgaben I

Er unterzeichnet und verkündet Gesetze, ernennt Bundesrichter, Bundesbeamte, Offiziere und Unteroffiziere.

Aufgaben II

Er kann verurteilte Straftäter begnadigen, allerdings nur in Einzelfällen, und er verleiht Orden an verdiente Mitbürger, etwa das Bundesverdienstkreuz.

Der Abwurf der Atombombe – wenige Tage nach der Zerstörung Hiroshimas wegen einer ähnlichen Bombe, sei „komplett unnötig“ gewesen, sagte Gauck. „Auch aus einer Demokratie heraus kann so etwas geschehen“, warnte er.

Zum Auftakt seines Besuchs in Nagasaki besichtigte Gauck die Erinnerungsstätte der „26 christlichen Märtyrer“. Hier wird der ausländischen und japanischen Christen gedacht, die dort 1597 gekreuzigt wurden.

Für Freitagabend wurde Gauck in Berlin zurückerwartet. Der Besuch Japans war seine voraussichtlich letzte größere Auslandsreise als Bundespräsident. Im März 2017 scheidet er nach fünf Jahren aus dem Amt.

Von

dpa

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