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03.11.2016

14:53 Uhr

Gauck-Nachfolge

Plädoyer für einen jüdischen Bundespräsidenten

VonDietmar Neuerer

Am Sonntag wollen die Koalitionsspitzen über mögliche Bundespräsidenten-Kandidaten beraten. „Bild“-Herausgeber Diekmann hat eine konkrete Vorstellung, wer als Staatsoberhaupt infrage käme. Und erntet ein positives Echo.

Noch residiert Bundespräsident Joachim Gauck im Schloss Bellevue in Berlin. Sein Nachfolger wird am 12. Februar von der Bundesversammlung gewählt. dpa

Schloss Bellevue

Noch residiert Bundespräsident Joachim Gauck im Schloss Bellevue in Berlin. Sein Nachfolger wird am 12. Februar von der Bundesversammlung gewählt.

BerlinDer von „Bild“-Herausgeber Kai Diekmann geäußerte Vorschlag, als Nachfolger von Bundespräsident Joachim Gauck einen hochrangigen Vertreter aus einer jüdischen Gemeinde in Deutschland zu nominieren, ist auf ein positives Echo gestoßen.

„Ich schätze Kai Diekmann als hervorragenden Journalisten, scharfen Beobachter unsere Gesellschaft und klugen Kommentator des nationalen und des internationalen Geschehens“, sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, dem Handelsblatt. Er sei bekannt für „interessante Ideen“. Und seine jüngste Idee „birgt eine durchaus spannende Debatte und eine notwendige innerdeutsche Auseinandersetzung, die nichts mit dem zu vergebenden Amt zu tun hat, aber sehr viel mit Geschichte, Identität und gesellschaftlichem Selbstverständnis“, so Knobloch.

Diekmann hatte mit Blick auf die die Diskussion um das nächste Staatsoberhaupt in Deutschland auf Twitter erklärt: „Ich finde, es ist Zeit für einen jüdischen Bundespräsidenten: Salomon Korn!“ Korn ist Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main sowie Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Der neue Bundespräsident wird im Februar gewählt, Amtsinhaber Gauck tritt aus Altersgründen nicht wieder an. Die Parteichefs der Großen Koalition treffen sich am Sonntag in Berlin, um über die Kandidatenfrage zu beraten.

Das sind die möglichen Gauck-Nachfolger

Norbert Lammert

Norbert Lammert (67): Seit 2005 ist der CDU-Mann aus Bochum Präsident des Bundestages, der Umzug ins Schloss Bellevue wäre ein naheliegender Karriereschritt. Lammert gilt als wortmächtig und intellektuell brillant, was er andere auch gerne spüren lässt.

Ursula von der Leyen (

Ursula von der Leyen (57): Ihr Name fällt immer, wenn es um Spitzenämter geht, auch als künftige Kanzlerin ist die CDU-Frau im Gespräch. Schon 2010 war die amtierende Verteidigungsministerin als mögliche Kandidatin für das Präsidenten-Amt im Gespräch.

Volker Bouffier

Volker Bouffier (64): Früher eher dem rechten Flügel der CDU zugeordnet, führt er seit 2014 relativ geräuschlos und erfolgreich die schwarz-grüne Landesregierung in Hessen. Ein Signal für Schwarz-Grün auch im Bund also.

Frank-Walter Steinmeier 

Frank-Walter Steinmeier (60): Beinahe so etwas wie der natürliche Kandidat für das höchste Amt im Staate. Beliebt bei den Bürgern, angesehen über Parteigrenzen hinweg, diplomatisch erfahren. Aber hat ein SPD-Mann diesmal überhaupt eine Chance?

Martin Schulz

Martin Schulz (60): Der Präsident des Europaparlaments wird immer wieder genannt, wenn die SPD nach Kandidaten für Spitzenämter sucht. Doch abgesehen von der Schwierigkeit, eine Mehrheit zu finden: Kanzlerin Angela Merkel gilt nicht als Schulz-Fan.

Annegret Kramp-Karrenbauer

Annegret Kramp-Karrenbauer (53): Die CDU-Ministerpräsidentin aus dem Saarland genießt Ansehen auch bei der SPD und den Grünen. Sie ist linker und jünger als andere CDU-Kandidaten, und sie ist eine Frau.  

Winfried Kretschmann

Winfried Kretschmann (68): Der grüne Ministerpräsident aus Baden-Württemberg ist nicht nur in seiner Heimat populär. Sein landesväterlicher Habitus könnte auch für die Rolle des Bundespräsidenten passen. Wenn sich Union und SPD nicht einigen können, wäre er ein Kompromiss.

Eigentlich wollten CDU, CSU und SPD möglichst einen gemeinsamen Kandidaten ins Rennen schicken, konnten sich bislang aber auf keinen Namen verständigen. Vor wenigen Tagen hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel dann Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) als möglichen Kandidaten genannt.

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