Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.06.2015

16:31 Uhr

Gauck-Rede zu Flucht und Vertreibung

„Denken wir heute nicht zu klein von uns?“

Am Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung wirbt Bundespräsident Joachim Gauck für mehr Offenheit: Nach 1945 konnte ein zerstörtes Deutschland Millionen Flüchtlinge aufnehmen. Warum nicht heute?

„Erinnern wir uns daran, welch großen Anteil Flüchtlinge und Vertriebene am erfolgreichen Wiederaufbau Deutschlands hatten.“ dpa

Bundespräsident Gauck bei seiner Rede im Deutschen Historischen Museum

„Erinnern wir uns daran, welch großen Anteil Flüchtlinge und Vertriebene am erfolgreichen Wiederaufbau Deutschlands hatten.“

BerlinAm ersten deutschen Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung hat Bundespräsident Joachim Gauck auch um Verständnis für die heutigen Flüchtlinge geworben. „Ich wünschte, die Erinnerung an die geflüchteten und vertriebenen Menschen von damals könnte unser Verständnis für geflüchtete und vertriebene Menschen von heute vertiefen“, sagte Gauck am Samstag bei der zentralen Gedenkfeier im Historischen Museum in Berlin. „Auf eine ganz existenzielle Weise gehören sie nämlich zusammen - die Schicksale von damals und die Schicksale von heute.“

Umgekehrt könne „die Auseinandersetzung mit den Entwurzelten von heute unsere Empathie mit den Entwurzelten von damals fördern“, sagte der Bundespräsident laut Redetext. Insgesamt hätten am Ende des Zweiten Weltkriegs zwölf bis 14 Millionen Deutsche durch Flucht und Vertreibung ihre Heimat verloren. Die Bevölkerung in beiden Teilen Deutschlands sei um nahezu 20 Prozent gewachsen. „Das sollten wir uns gerade heute wieder bewusst machen: Flucht und Vertreibung verändern nicht nur das Leben der Aufgenommenen, sondern auch das Leben der Aufnehmenden“, sagte er.

Gauck rief die Bundesbürger auf, „Offenheit für das Leid des Anderen“ zu zeigen. Dies führe zu Verständnis und Nähe. „Daran sollten wir auch heute denken, wenn in unserem Ort, in unserem Stadtteil oder in unserer Nachbarschaft Fremde einquartiert werden, die des Schutzes bedürfen.“ Noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs seien so viele Menschen entwurzelt gewesen. Und die Zahlen dürften weiter steigen

„Wir stehen vor einer großen Herausforderung, einer Herausforderung von neuer Art und neuer Dimension“, sagte Gauck. Es sollte eine selbstverständliche moralische Pflicht aller Staaten Europas sein, Flüchtlinge vor dem Tod im Mittelmeer zu retten und Menschen eine sichere Zuflucht zu gewähren. „Einen derartigen Schutz halte ich nicht für verhandelbar“, betonte Gauck. Dies sei so lange verpflichtend, bis diese Menschen gefahrlos in ihre Heimat zurückkehren oder hierzulande oder anderswo sicher leben könnten.

Gauck forderte zudem dazu auf, die Möglichkeiten von Flüchtlingen und die Chancen für unsere Gesellschaft nicht zu verkennen. „Erinnern wir uns daran, welch großen Anteil Flüchtlinge und Vertriebene am erfolgreichen Wiederaufbau Deutschlands hatten“, sagte der Bundespräsident. „Vor 70 Jahren hat ein armes und zerstörtes Deutschland Millionen Flüchtlinge zu integrieren vermocht. Denken wir heute nicht zu klein von uns.“

An der Gedenkfeier in Berlin nahmen auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und der Präsident des Bundesrats, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) teil. Neben Gauck sollten auch Vertriebenen-Präsident Bernd Fabritius und Asma Abubaker Ali aus Nordafrika sprechen. Die Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr den 20. Juni zum Gedenktag für Flüchtlinge und Vertriebene erklärt. Er ist zugleich Weltflüchtlingstag.

Ein kleines Stückchen Würde

Verbandspräsident Bernd Fabritius sagte bei der Gedenkstunde: „Diesen Gedenktag war Deutschland den eigenen Opfern schuldig.“ Er sei auch eine „Ansage gegen Kollektivschuld und Rechtfertigungstheorien“.

Zwei Frauen zweier Generationen, Asma Abubaker Ali aus Somalia, und Edith Kiesewetter-Giese, Vertriebene aus dem Sudetenland, schilderten grausame Erlebnisse während ihrer Flucht. Asma Abubaker Ali nannte die Ankunft in Deutschland im Sommer 2012 einen der glücklichsten Tage ihres Lebens. Kiesewetter-Giese sagte, erfahrenes Unrecht könne man vielleicht verzeihen, aber nie vergessen. An diesem Gedenktag bekämen Flüchtlinge und Vertriebene in Deutschland ein kleines Stückchen Würde wieder.

Von

afp

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Wolfgang Trantow

22.06.2015, 10:15 Uhr

Wieder weigert sich Gauck zur Kenntnis zu nehmen: Damals waren es Deutsche, die wirklich fliehen mussten. Heute sind es meist arbeitsscheue, kriminelle Sozialschmarotzer. Meist auch noch Islamgläubige, die den Auftrag/Befehl haben: Tötet Andersgläubige. Auch Hr. Gauck, Christ, will schon jetzt also sterben!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×