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06.06.2016

12:09 Uhr

Gauland, Petry & Co.

„Medien könnten einen AfD-freien Tag einführen“

VonDietmar Neuerer

Müssen Medien wirklich über jedes Stöckchen springen, das ihnen die AfD hinhält? Die Gauland-Berichterstattung scheint ein Umdenken in Gang gesetzt zu haben – bei Journalisten, aber auch bei manchen Politikern.

Nach einer Woche Interview-Marathon sitzt AfD-Vize Alexander Gauland (m.) am Sonntagabend im ARD-Talk von Anne Will - mit FAZ-Korrespondent Eckart Lohse (l.) und Justizminister Heiko Maas. (Quelle: NDR)

Gauland bei Anne Will.

Nach einer Woche Interview-Marathon sitzt AfD-Vize Alexander Gauland (m.) am Sonntagabend im ARD-Talk von Anne Will - mit FAZ-Korrespondent Eckart Lohse (l.) und Justizminister Heiko Maas. (Quelle: NDR)

BerlinFast könnte man meinen, die AfD bestünde nur noch aus einem Politiker. Diesen Eindruck erwecken zumindest Zeitungen, TV-Talkrunden und digitale Nachrichtenkanäle. Quasi täglich ist in den vergangenen Tagen über den Vize der rechtspopulistischen Partei, Alexander Gauland, und seine Einlassungen über den dunkelhäutigen Fußball-Nationalspieler Jérome Boateng berichtet worden. Anne Will setzte am Sonntagabend mit ihrer gleichnamigen ARD-Talkshow dem Ganzen dann noch die Krone auf.

In Anspielung auf Gaulands Aussage, die Leute fänden den dunkelhäutigen Innenverteidiger „als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben“, betitelte Anne Will ihre Sendung „Guter Nachbar, schlechter Nachbar – Wie rassistisch ist Deutschland?“. Dabei ging es aber weniger um Rassismus im Allgemeinen, sondern eine Stunde lang vielmehr um die Frage, wie rassistisch Gauland ist. Im Beisein von Justizminister Heiko Maas (SPD) wurde Gaulands rechtsideologisches Weltbild in seine Einzelteile zerlegt. Und der AfD-Vize hatte einmal mehr die Gelegenheit, von den Anwürfen gegen ihn wenig beeindruckt, seine kruden Thesen zu verbreiten.

Die ständigen Gelegenheiten für Gauland & Co., das mediale Dauerfeuer, das entsteht, wenn Medien jede noch so abwegige Äußerung aus den Reihen der AfD-Hardliner aufspießen und breittreten, sorgt inzwischen für Unmut – bei politischen Beobachtern genauso wie bei Politikern der etablierten Parteien. „Wenn jeder politische Rülpser der AfD in der „Welt“ oder der „Tagesschau“ landet, dann gibt man dieser Partei eine Macht, die ihr zum Beispiel im Vergleich mit Umfragewerten der Grünen nicht zukommt“, sagte der FDP-Vorsitzende Christian Lindner der Zeitung „Die Welt“.

AfD-Programm: Das fordert die Partei

Mindestlohn

Die AfD ist für den gesetzlichen Mindestlohn. Damit liegt sie auf einer Linie mit SPD, Grünen, der Linkspartei und Teilen der Union.

Erbschaftssteuer

Geht es nach der AfD soll die Erbschaftssteuer abgeschafft werden. Dafür setzt sich aktuell auch die FDP ein.

Bundespräsident

Die AfD möchte, dass der Bundespräsident künftig direkt vom Volk gewählt wird. Dieser Vorschlag kam 2009 auch vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler. Zustimmung erhielt er dafür nur aus der FDP.

Volksentscheid

Die AfD will mehr direkte Demokratie durch Volksentscheide. Auch die SPD, die Linke und die Grünen wollen, dass die Hürden für Volksentscheide abgesenkt werden. Ihre Vorschläge gehen aber nicht so weit wie die Ideen der AfD.

Familie

Die traditionelle Familie gilt der AfD als Keimzelle der Gesellschaft. Das Loblied auf die traditionelle Vater-Mutter-Kind-Familie taucht in dieser Form auch im Parteiprogramm der CSU auf. 

Freihandelsabkommen

Die AfD lehnt die Freihandelskommen TTIP und CETA ab. Auch die Linke und die Grünen sind dagegen.

Dazu erklärten die Regierungsparteien bei jedem wichtigen Projekt taktisch, man wolle der AfD kein Gewinnerthema geben. „So erweckt man den Eindruck, die AfD stünde vor der Machtübernahme“, kritisierte Lindner. „Ich rate zu mehr Coolness“, so der FDP-Chef. „Indem wir nicht die AfD bestimmen lassen, was Deutschland diskutiert, sondern indem wir diskutieren, was für unser Land wichtig ist.“ Die AfD setze inhaltlich gar keine Themen. „Die arbeiten mit Provokationen.“

Selbst Journalisten mokieren sich über die Dauerpräsenz der AfD in den Medien. Zugleich lassen sie mit Unterstützung durch den Deutschen Journalisten-Verband (DJV) Sympathie dafür erkennen, der Partei künftig deutlich weniger Raum in der Berichterstattung einzuräumen.

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