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22.04.2015

12:15 Uhr

GDL gegen Bahn

Streik sorgt wieder für massive Einschränkungen

Der Tarifkonflikt bei der Bahn trifft einmal mehr Millionen Pendler: Hunderte Fernzüge fallen aus, weil die Lokführergewerkschaft GDL streikt. Die Wirtschaft geht von einem Schaden im dreistelligen Millionenbereich aus.

GDL-Streik

Streikauftakt im Personenverkehr der Bahn

GDL-Streik: Streikauftakt im Personenverkehr der Bahn

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Berlin/FuldaDie Lokführer haben mit ihrem Streik am Mittwoch den Personenverkehr empfindlich getroffen. Im Fernverkehr der Deutschen Bahn wurden nach Unternehmensangaben nur 30 Prozent der sonst üblichen Züge eingesetzt. Im Nahverkehr und bei den S-Bahnen sollten am Mittwoch und Donnerstag je nach Region 15 bis 60 Prozent der Züge fahren.

Die von der Bahn aufgestellten Ersatzfahrpläne konnten weitgehend eingehalten werden, berichtete eine Sprecherin am Vormittag. Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky sagte, rund 3000 Lokführer und Zugbegleiter seien am Mittwoch im Ausstand.

Im Tarifkonflikt legten in der Nacht zum Mittwoch von 2 Uhr an auch die Lokführer von Fern- und Regionalzügen die Arbeit nieder. Damit müssen Millionen Pendler und Reisende bis Streikende am Donnerstagabend in vielen Fällen auf andere Verkehrsmittel umsteigen. Im Güterverkehr hatte der GDL-Ausstand bereits am Dienstagnachmittag begonnen.

Knackpunkte in den Verhandlungen zwischen Bahn und GDL

Darum geht's

Der im Juli 2014 begonnene Tarifkonflikt zwischen der Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL scheint unendlich. Eine Vielzahl von Knackpunkten hat bislang eine Einigung verhindert.

Berufsgruppen

Die GDL will nicht mehr allein für die Lokführer verhandeln, sondern auch für das übrige Zugpersonal in ihrer Mitgliedschaft. Bis die Bahn diesen Anspruch im November 2014 anerkennt, vergehen zwei Warnstreiks und vier reguläre Streikrunden.

Konkurrierende Verträge...

... mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG sind nun möglich, doch die DB will unter allen Umständen verhindern, dass sie unterschiedliche Regelungen zur Arbeitszeit oder anderen Details enthalten. In den Verhandlungen muss die Bahn also versuchen, beide Gewerkschaften auf das gleiche Ergebnis festzulegen. Das birgt für die EVG in ihren parallelen Verhandlungen mit der Bahn die Möglichkeit, die nicht erwünschten GDL-Abschlüsse zu torpedieren.

Lokrangierführer...

... sollen nach dem Willen der GDL wie ihre Kollegen auf der Strecke bezahlt werden. Die Bahn will hingegen die bislang mit der EVG vereinbarte niedrigere Einstufung auch für GDL-Mitglieder beibehalten.

Tarifeinheit

Das Gesetzesvorhaben der Bundesregierung setzt die GDL zusätzlich unter Druck. Wenn vom Sommer an nur noch eine Gewerkschaft in einem Betrieb einen Tarifabschluss verhandeln kann, gilt es für die Lokführer, vorher noch einen Abschluss zu erzielen und einen möglichst großen Teilbetrieb des Bahn-Konzerns zu organisieren. Der GDL schwebt eine gewerkschaftliche Trennung in Fahrbetrieb (GDL) und Infrastrukturbetrieb (EVG) vor.

Entgelt

Über Löhne und Gehälter ist mit Ausnahme von Abschlagszahlungen zu Jahresbeginn noch gar nicht gesprochen worden. Auch hier ist die Lage wegen der Gewerkschaftskonkurrenz komplex, weil EVG und GDL unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Die Lokführer wollen eine Arbeitszeitverkürzung von derzeit noch einer Stunde, während die EVG vor allem die unteren Gehaltsgruppen stärker anheben will. Diese soziale Komponente fehlt bei den Lokführern.

Es ist die siebte Streikwelle der GDL in dem seit Sommer 2014 bestehenden Tarifstreit mit der Bahn. Der Ausstand soll im Personenverkehr insgesamt 43 Stunden dauern und an diesem Donnerstag um 21.00 Uhr enden. Im Güterverkehr ist das Streikende für Freitag um 9.00 Uhr nach 66 Stunden geplant. Private Bahnanbieter werden nicht bestreikt, ihre Züge fahren.

Die GDL drohte bereits mit einem weiteren Streik in der kommenden Woche. „Es wird keine weiteren wochenlangen Ultimaten geben“, sagte der GDL-Bezirksvorsitzende für Berlin, Brandenburg und Sachsen, Frank Nachtigall, der „Berliner Zeitung“.

GDL und die Bahn: Die Wirtschaft ist für den Streik gerüstet

GDL und die Bahn

Die Wirtschaft ist für den Streik gerüstet

Für fast drei Tage will die Lokführer-Gewerkschaft GDL den Güterverkehr in Deutschland lahmlegen. Doch für die deutsche Wirtschaft hält sich der Schaden in Grenzen – die Notfallpläne liegen bereits in der Schublade.

Nach ersten Eindrücken der Deutschen Bahn waren die Züge am Mittwoch voller als bei den vorherigen Streiks. Das deute darauf hin, dass die Ersatzfahrpläne von den Kunden besser angenommen würden, sagte eine Sprecherin.

In Berlin, Brandenburg, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt hätten sich mehr Lokführer zum Dienst gemeldet als erwartet, hieß es bei der Bahn in diesen Ländern. Entsprechend mehr Züge sollten eingesetzt werden. In Berlin und Hamburg bot die S-Bahn auf den meisten Linien einen 20-Minuten-Takt. Die S-Bahnen in München und Nürnberg sollten im Stundentakt fahren.

Kommentare (10)

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Herr peter Spirat

22.04.2015, 08:27 Uhr

Fernbusse sind eindeutig IMMER eine sehr gute Alternative.

Sie sind extrem günstig
sehr guter Service
sie fahren sogar in der Nacht, wenn die Lokführer schlafen
sie sind Privat (also keine überarbeiteten Beamten)

Für jedes Problem gibt es immer eine (oft bessere- ) Lösung.

Herr Teito Klein

22.04.2015, 08:37 Uhr

Die Bahn kommt - nicht!
-------------
Weselsky will Deutschland - wieder einmal - lahmlegen.
Es geht nicht um 5% mehr Lohn, auch nicht um die Verkürzung der Arbeitszeit um eine Stunde, es geht um Macht!
Im Juli droht das Tarifeinheitsgesetz. Das würde die GDL entmachten.
Deshalb versucht sie, im Feld der EVG zu wildern.

Es wird wohl Weselkys letzter Kampf sein.

Ich bin Lokführer. Es ist 2 Uhr morgens. Ich halte den Zug auf freier Strecke an. Ich weiß, wo ich bin und lasse mich von meinem Freund abholen. Die "Kunden" wissen es nicht.
Sollen sie doch zwei Tage ausharren!

Herr Werner Wilhelm

22.04.2015, 08:44 Uhr

@ Herrn Klein

Die Machtfrage ist in Deutschland tatsächlich zu stellen, wenn man sieht, dass die DGB-Gewerkschaften in 20 Jahren gerade mal einen Reallohnzuwachs von um die 0 % bewerkstelligen.

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