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07.11.2013

15:32 Uhr

Geburtenrate

Immer mehr Frauen in Deutschland bleiben kinderlos

Die Zahl der jährlichen Geburten in Deutschland verharrt weiter auf niedrigem Niveau. 673.500 Kinder wurden 2012 geboren – ein Viertel weniger als 1990. Jede fünfte Frau bleibt ihr Leben lang kinderlos.

Schwangere Frauen: Besonders Akademikerinnen bleiben häufig ohne Kind. dpa

Schwangere Frauen: Besonders Akademikerinnen bleiben häufig ohne Kind.

Berlin/ WiesbadenImmer mehr Frauen in Deutschland bleiben kinderlos. Bereits jede fünfte Frau zwischen 40 und 44 Jahren hat keinen Nachwuchs, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Vor allem im Osten Deutschlands steigt der Anteil kinderloser Frauen – im Westen ist er allerdings immer noch deutlich höher.

In den westdeutschen Bundesländern war im vergangenen Jahr demnach fast jede vierte Frau ohne Kinder (23 Prozent). In Ostdeutschland lag der Anteil bei 15 Prozent. Im Vergleich zum Jahr 2008 stieg der Anteil der kinderlosen Frauen im Osten allerdings deutlich um fünf Prozentpunkte. Im Westen betrug der Zuwachs nur einen Prozentpunkt.

Besonders ausgeprägt ist die Kinderlosigkeit demnach in den Stadtstaaten. An der Spitze steht Hamburg, wo 2012 fast jede dritte Frau (32 Prozent) keinen Nachwuchs hatte. Deutschlandweit die geringsten Quoten bei der Kinderlosigkeit haben Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit jeweils 14 Prozent.

Die wichtigsten familienpolitischen Leistungen – ein Überblick

Kindergeld und Kinderfreibetrag

Für die ersten beiden Kinder zahlt der Staat jeweils 184 Euro, für jedes dritte Kind 190 Euro und für jedes weitere Kind 215 Euro monatlich. Zusammen mit dem steuerlichen Kinderfreibetrag kostet das den Staat 38,8 Milliarden Euro jährlich (Angaben jeweils für das Jahr 2010). Zuletzt wurde das Kindergeld 2010 um 20 Euro erhöht.

Elterngeld

Bis zu 14 Monate nach der Geburt eines Kindes können Mütter und Väter Elterngeld bekommen. Es orientiert sich am bisherigen Einkommen und beträgt mindestens 300 Euro und höchstens 1800 Euro im Monat. Nutzt nur einer der Partner die Elternzeit, wird die Leistung für maximal zwölf Monate gezahlt. Im Haushalt schlägt sie mit 4,6 Milliarden Euro zu Buche. Die Elternzeit ist den Analysen zufolge für Väter ein starker Anreiz, sich an der Betreuung zu beteiligen.

Ehegattensplitting

Das Ehegattensplitting, von dem vor allem Paare mit unterschiedlicher Einkommenssituation profitieren, kostet den Fiskus jährlich Einnahmen in Höhe von etwa 20 Milliarden Euro. Umstritten ist die Leistung, weil auch Ehepaare ohne Kinder profitieren.

Kinderbetreuung

Die Kinderbetreuung kostet die öffentliche Hand 16,2 Milliarden Euro. Über 15 Milliarden davon entfallen auf Tageseinrichtungen wie wie Krippe, Kindergarten und Hort. Seit August erhalten Familien, die ihre Kleinkinder zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr zu Hause betreuen, ein Betreuungsgeld. Für 2014 kalkulierte die Bundesregierung für diese Leistung mit Kosten von 1,2 Milliarden Euro.

Kinderzuschlag

Wenn Eltern wegen des Bedarfs ihrer Kinder in den Hartz-IV-Bezug zu rutschen drohen, haben sie Anspruch auf einen Kinderzuschlag. Die Leistung kann von Elternpaaren mit einem Mindesteinkommen von 900 Euro (Alleinerziehende 600 Euro) in Anspruch genommen werden. Die Höhe bemisst sich nach Einkommen und Vermögen der Eltern und der Kinder; er beträgt höchstens 140 Euro pro Monat. Das Familienministerium weist für die Leistung für das Jahr 2010 knapp 400 Millionen Euro aus.

Sozialversicherung

In der Kranken- und Pflegeversicherung sind nicht erwerbstätige Familienmitglieder beitragsfrei mitversichert. Dies verursacht Schätzungen zufolge allein bei den Krankenkassen Kosten von etwa 30 Milliarden Euro im Jahr. Für solche versicherungsfremden Leistungen gibt es einen Zuschuss des Bundes, der aber mit etwa elf Milliarden Euro deutlich geringer ausfällt. Die restlichen Kosten fangen alle Versicherten durch ihre Beitragszahlungen auf.

Arbeitslosenversicherung

In der Auflistung der Bundesregierung summieren sich die familienspezifischen Leistungen der Arbeitslosenversicherung auf gut 1,8 Milliarden Euro, darunter die Kinderkomponenten beim Arbeitslosen- und Kurzarbeitergeld. Quelle: dpa

Eine immer spätere Familiengründung, viele kinderlose Akademikerinnen und eine stagnierende Geburtenzahl: Die Erhebung des Statistischen Bundesamtes bestätigt bisherige Trends. Der Anteil der Frauen, die noch vor ihrem 30. Geburtstag ein Kind bekommen, wird demnach immer kleiner. 2012 bekamen die ostdeutschen Frauen ihr erstes Kind im Schnitt mit 28 Jahren, im Westen mit 29 Jahren.

2012 wurden 673.500 Kinder geboren - ein Viertel weniger als im Jahr der deutschen Vereinigung 1990. Das Statistische Bundesamt geht nach am Donnerstag vorgelegten Zahlen davon aus, dass sich diese Entwicklung bis 2020 fortsetzt.

Laut Statistikamt bleibt die Zahl der jährlich geborenen Kinder voraussichtlich bis 2020 stabil. Danach, wenn die geburtenschwächeren Jahrgänge kommen, könnte die Zahl nur konstant bleiben, wenn die Geburtenrate anstiege.

Kommentare (19)

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Account gelöscht!

07.11.2013, 15:48 Uhr

... kann man ja mit Migranten auffangen!

TaubeNuss

07.11.2013, 15:54 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

vandale

07.11.2013, 15:59 Uhr

Als ich in den 60er Jahren geboren wurde, waren die Familien weitgehend intakt. Regelmässig waren diese arbeitsteilig organisiert. Eine arbeitsteilige Familie kann leicht mehrere Kinder betreuen. Es wurden durchschnittlich 2,5 Kinder/Frau geboren.

Ich hatte ein paar Jahre in einem Land des Mittleren Ostens gelebt. Der Staat hat sich nicht in Familienangelegenheiten eingemischt, die Familien waren intakt und regelässig arbeitsteilig organisiert. An nahezu jeder Ecke gibt es Kindergeschäfte. Die Bevölkerung ist jung und kinderreich.

In Deutschland propagiert man den Radikalfeminismus einer dominanten Karrierefrau die wenn sie wie auch immer ein Kind bekommt, dieses in staatliche Verwahrung gibt. Man diskriminiert Männer im Beruf ("freiwillige" Frauenförderung, Frauenquoten). Man subventioniert die staatliche Kinderverwahrung zulasten der Familie. Männer kommen in diesem Gesellschaftsmodell als rechtlose Unterhaltszahler, Hilfshausmänner und Hilfskinderbetreuer vor.

In der Konsequenz sind viele Frauen von den Rollenerwartungen überfordert und verzichten dann auf Kinder.

Viele Männer sind nur wenig an einer Rolle als rechtloser Unterhaltszahler und Hilfshausmann interessiert.

In der Konsequenz stirbt diese destruktive Gesellschaft aus.

Vandale

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