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08.12.2014

14:55 Uhr

Geburtenrate in Deutschland

Das erste Baby kommt immer später

Die Geburtenrate erschwert die demographische Entwicklung: Noch halten die zweiten Kinder die Geburtenzahl auf Linie. Das wird auf Dauer aber nicht reichen. Denn die Babyboomer wachsen raus aus dem gebärfähigen Alter.

Seltenes Bild: Eine hochschwangere Frau umfasst mit beiden Händen ihren Bauch. dpa

Seltenes Bild: Eine hochschwangere Frau umfasst mit beiden Händen ihren Bauch.

WiesbadenIn Deutschland werden wieder etwas mehr Kinder geboren - aber das ist kein Grund zum Jubeln. Denn langfristig wird die Kurve rapide in den Keller fallen, davon geht das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung aus. Wenn der Trend gestoppt werden soll, muss die Politik handeln, sagen Experten. Aber reicht das? Die aktuelle Geburtenstatistik hatte am Montag auf den ersten Blick gute Nachrichten parat: Im vergangenen Jahr kamen laut Statistischem Bundesamt rund 8500 mehr Babys zur Welt als 2012. Insgesamt 682 069 Neugeborene taten 2013 ihren ersten Schrei.

Die schlechte Nachricht: Die durchschnittliche Kinderzahl hat sich kaum verändert: 2013 bekamen Frauen im Mittel 1,41 Kinder. Seit den 1990er Jahren liegt dieser Wert relativ konstant um 1,4 herum. Die schlechteste Nachricht: Die Frauen warten immer länger bis zum ersten Kind. Das durchschnittliche Alter Erstgebärender lag 2013 bei rund 29 Jahren - noch 2009 waren die Frauen bei ihrem ersten Kind ein halbes Jahr jünger.

Seit 2009 erfassen die Statistiker die Geburtenfolge. Sie zeigt, „dass insbesondere die Entwicklung bei den Zweitgeborenen die gesamte Geburtenzahl positiv beeinflusst“, sagt Destatis-Mitarbeiterin Olga Pötzsch. Es gibt zwar nicht mehr Paare, die sich für Nachwuchs entscheiden. „Aber wenn eine Frau sich entschlossen hat, Mutter zu werden, gibt es eine starke Tendenz, ein zweites Kind zu bekommen“. Diese „Konstante“ federt in geburtenschwachen Jahren den Rückgang ab; in geburtenstarken Jahren zieht sie die Kurve nach oben.

Die wichtigsten familienpolitischen Leistungen – ein Überblick

Kindergeld und Kinderfreibetrag

Für die ersten beiden Kinder zahlt der Staat jeweils 184 Euro, für jedes dritte Kind 190 Euro und für jedes weitere Kind 215 Euro monatlich. Zusammen mit dem steuerlichen Kinderfreibetrag kostet das den Staat 38,8 Milliarden Euro jährlich (Angaben jeweils für das Jahr 2010). Zuletzt wurde das Kindergeld 2010 um 20 Euro erhöht.

Elterngeld

Bis zu 14 Monate nach der Geburt eines Kindes können Mütter und Väter Elterngeld bekommen. Es orientiert sich am bisherigen Einkommen und beträgt mindestens 300 Euro und höchstens 1800 Euro im Monat. Nutzt nur einer der Partner die Elternzeit, wird die Leistung für maximal zwölf Monate gezahlt. Im Haushalt schlägt sie mit 4,6 Milliarden Euro zu Buche. Die Elternzeit ist den Analysen zufolge für Väter ein starker Anreiz, sich an der Betreuung zu beteiligen.

Ehegattensplitting

Das Ehegattensplitting, von dem vor allem Paare mit unterschiedlicher Einkommenssituation profitieren, kostet den Fiskus jährlich Einnahmen in Höhe von etwa 20 Milliarden Euro. Umstritten ist die Leistung, weil auch Ehepaare ohne Kinder profitieren.

Kinderbetreuung

Die Kinderbetreuung kostet die öffentliche Hand 16,2 Milliarden Euro. Über 15 Milliarden davon entfallen auf Tageseinrichtungen wie wie Krippe, Kindergarten und Hort. Seit August erhalten Familien, die ihre Kleinkinder zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr zu Hause betreuen, ein Betreuungsgeld. Für 2014 kalkulierte die Bundesregierung für diese Leistung mit Kosten von 1,2 Milliarden Euro.

Kinderzuschlag

Wenn Eltern wegen des Bedarfs ihrer Kinder in den Hartz-IV-Bezug zu rutschen drohen, haben sie Anspruch auf einen Kinderzuschlag. Die Leistung kann von Elternpaaren mit einem Mindesteinkommen von 900 Euro (Alleinerziehende 600 Euro) in Anspruch genommen werden. Die Höhe bemisst sich nach Einkommen und Vermögen der Eltern und der Kinder; er beträgt höchstens 140 Euro pro Monat. Das Familienministerium weist für die Leistung für das Jahr 2010 knapp 400 Millionen Euro aus.

Sozialversicherung

In der Kranken- und Pflegeversicherung sind nicht erwerbstätige Familienmitglieder beitragsfrei mitversichert. Dies verursacht Schätzungen zufolge allein bei den Krankenkassen Kosten von etwa 30 Milliarden Euro im Jahr. Für solche versicherungsfremden Leistungen gibt es einen Zuschuss des Bundes, der aber mit etwa elf Milliarden Euro deutlich geringer ausfällt. Die restlichen Kosten fangen alle Versicherten durch ihre Beitragszahlungen auf.

Arbeitslosenversicherung

In der Auflistung der Bundesregierung summieren sich die familienspezifischen Leistungen der Arbeitslosenversicherung auf gut 1,8 Milliarden Euro, darunter die Kinderkomponenten beim Arbeitslosen- und Kurzarbeitergeld. Quelle: dpa

Aber das wird nicht reichen. „In den kommenden Jahren wird die Zahl der Frauen zwischen 26 und 35 Jahren relativ stabil bleiben“, heißt es beim Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden. „Nach 2020 wird diese Altersgruppe jedoch voraussichtlich deutlich schrumpfen.“ Wenn die Geburtenzahl auch dann konstant bleiben soll, müssen die Frauen mehr Kinder bekommen: 1,6 statt 1,4 pro Frau.

Vera Kreuter vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hält das aber für wenig realistisch. „Die Geburten haben sich ins höhere Alter verschoben.“ Damit wird die Zeit knapp für das zweite oder gar dritte Kind. „Je länger man das absichtlich aufschiebt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es dann unabsichtlich nicht mehr klappt.“

Kommentare (1)

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Herr erol sahin

08.12.2014, 15:39 Uhr

'Das durchschnittliche Alter Erstgebärender lag 2013 bei rund 29 Jahren'
Wenn man bedenkt,dass minderjaehrige Schwangerschaften rapide angestiegen sind, ist das durchschnittliche Alter von 29 sehr merkwürdig.

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