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16.03.2006

08:52 Uhr

Geburtenschwund

Kinderlose sollen weniger Rente bekommen

Die aktuellen Zahlen zur Geburtenrate in Deutschland schlagen hohe Wellen: Politiker und Wirtschaftswissenschaftler wollen den Kinderschwund stoppen. Der neuste Vorstoß: Nachwuchs-Verweigerer sollen weniger Rente bekommen.

Deutschland hat immer weniger Kinder. Die Geburtenrate hat den Tiefstand des letzten Kriegsjahres 1945 erreicht. Foto: dpa dpa

Deutschland hat immer weniger Kinder. Die Geburtenrate hat den Tiefstand des letzten Kriegsjahres 1945 erreicht. Foto: dpa

HB BERLIN. „Die Renten von Kinderlosen müssten um die Hälfte gesenkt werden“, verlangte der frühere Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und heutige Direktor des Instituts für Wirtschaftspolitik der Universität Köln, Johann Eekhoff, in der “Bild“-Zeitung. Eine solche Reform sei überfällig.

„Kinderlose hätten nie in das Rentensystem aufgenommen werden dürfen, weil es nur funktioniert, wenn es von nachfolgenden Generationen finanziert wird“, sagte Eekhoff. Es sei dringend geboten, die Rentenansprüche von Versicherten mit Kindern zu erhöhen und die von Kinderlosen zu verringern. Diese Umstellung müsse langfristig und in kleinen Schritten erfolgen, damit die Betroffenen privat vorsorgen könnten.

Eekohoff reagierte damit auf eine aktuelle Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Demnach bringt jede Frau in Deutschland nur noch 1,36 Kinder zur Welt. Damit hat die Geburtenrate den Tiefstand des letzten Kriegsjahres 1945 erreicht. Den Negativrekord hält Deutschland der Studie zufolge auch weiterhin bei der Kinderzahl. Deutschland habe seit 33 Jahren weltweit die niedrigste Kinderzahl je 1000 Einwohner.

Auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis ist alarmiert. Er forderte: „Kinderlose sollten entweder eine verminderte Rente bekommen oder mehr in die Rentenkasse einzahlen müssen.“ Mütter und Familien, die daheim bleiben und Kinder erziehen, erbrächten eine Leistung für die nächste Generation. Die Leute, die dagegen voll erwerbstätig seien und keine Kinder haben, profitierten später von der Leistung der Eltern.

Die CDU-Familienpolitikerin Elisabeth Winkelmeier-Becker bemängelte, Arbeitnehmer mit Kindern stünden finanziell viel schlechter da als Kinderlose. “Langfristig müssen wir den Gedanken aufgreifen, dass die Kinderlosen weniger Rente bekommen.“

Der CSU-Familienpolitiker Johannes Singhammer forderte, das Verhältnis zwischen Beitragszahlern mit Kindern und ohne Kinder neu auszurichten. Beitragszahler mit Kindern erbrächten eine besondere Leistung für den Generationenvertrag, die auch honoriert werden müsse. Der SPD-Sozialexperte Karl Lauterbach sagte dem Blatt: „Wir müssten zu einer Aufstockung der Altersrenten von gering verdienenden Eltern kommen.“

Dafür sprach sich auch der Präsident des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, aus. Um die Renten trotz Kinderarmut zu sichern, müssten alle Arbeitnehmer 8 Prozent vom Bruttoeinkommen zur Privatvorsorge ansparen, schlug er vor. „Für jedes Kind würde ein Teil dieser Sparpflicht entfallen, dafür ein Sonderanspruch auf staatliche Extrarente entstehen. Aus heutiger Sicht würde die Monatsrente der Eltern durch drei Kinder um insgesamt rund 400 Euro aufgestockt“, erläuterte Sinn.

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