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05.04.2011

21:00 Uhr

Gefahrenlage in Japan

Auswärtiges Amt streitet mit deutschen Firmen

ExklusivWährend einige deutsche Firmen, die in Japan operieren darauf drängen, die bestehende Reisewarnung aufzuheben, rät die Botschaft weiterhin von "nicht erforderlichen Aufenthalten im Großraum Tokio/Yokohama" ab.

Während die Arbeiten in Fukushima weitergehen, streiten das Auswärtige Amt und deutsche Firmen über die Gefahrenlage in Japan. Quelle: dpa

Während die Arbeiten in Fukushima weitergehen, streiten das Auswärtige Amt und deutsche Firmen über die Gefahrenlage in Japan.

DüsseldorfZwischen einigen deutschen Firmen, die in Japan operieren, und dem Auswärtigen Amt ist ein Streit über die Einschätzung der Gefahrenlage in Tokio entbrannt. Während Konzerne wie Lufthansa und Bosch nach Informationen des Handelsblatts (Mittwochsausgabe) darauf drängen, die bestehende Reisewarnung aufzuheben, rät die Botschaft weiterhin von "nicht erforderlichen Aufenthalten im Großraum Tokio/Yokohama" ab.

Bei einem Treffen mit Außenminister Guido Westerwelle haben sich sowohl Lufthansa-Japan-Chef Otto Benz als auch der Vizepräsident von Bosch Japan, Herbert Hemming, auf Botschaften anderer Länder berufen, die Tokio als weniger gefährlich einstufen, berichteten Gesprächsteilnehmer dem Handelsblatt. Westerwelle habe das Ansinnen der Konzernmanager allerdings klar zurückgewiesen. Wenn ein einzelner Erwachsener aus wirtschaftlichen Gründen nach Tokio zurückkehre, sei das eine Sache. Hier aber gehe es um ganze Familien: „Wir sind verantwortlich für die gesamte Bevölkerung“, soll Westerwelle gesagt haben.

Lufthansa bestätigte die Gespräche mit Westerwelle. Japan-Chef Benz habe deutlich gemacht, dass die Reisewarnung nach seiner Einschätzung in dieser Form nicht notwendig sei, sagte ein Konzernsprecher. Benz selbst lebt weiterhin mit seiner Familie in Tokio
Für Lufthansa ist die Tokio-Reisewarnung höchst problematisch. In zahlreichen Arbeitsverträgen ist ausdrücklich geregelt, dass der Konzern sein Personal nicht auffordern kann, in Länder zu fliegen, von deren Einreise das Auswärtige Amt abrät. Zwischen dem Lufthansa-Management und Pilotenvertretern fänden kontroverse Debatten statt, weil der überwiegende Teil des Personals den Flughafen Tokio-Narita nicht anfliegen wolle, heißt es in Unternehmenskreisen

Bei dem Streit stehen handfeste wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel: Sollte die Lufthansa ihr Tokio-Programm aus Personalmangel reduzieren oder einstellen müssen, drohen an einem der wichtigsten Flugdrehkreuze Tokio-Narita strategisch wichtige Start- und Landerechte (Slots) verloren zu gehen.

Kommentare (1)

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08.04.2011, 10:33 Uhr

Wenn es Hr. Westerwelle wirklich um Familien gehen wuerde, dann wuerde er die Reisewarnung so schnell wie moeglich aufheben. In Tokyo und Yokohama sitzen derzeit zum Beispiel viele Familien, die auf die Wiedereroeffnung der Deutschen Schule Tokyo-Yokohama warten, damit ihre Kinder endlich wieder am Unterricht teilnehmen koennen. Die Wiedereroeffnung ist aber nur nach Aufhebung der Reisewarnung moeglich, da anderfalls die beamteten Lehrer nicht an Ihren Arbeitsplatz zurueckkehren duerfen. Hier ist Entscheidungswille gefragt und keine Schoenwetterreden.

Als Deutsche hier in Japan machen wir uns dank der Haltung des Auswaertigen Amtes derzeit einfach nur noch laecherlich. Waehrend unsere Nachbarn aus Oesterreich und er Schweiz ihre Botschaften schon laengst wieder in Tokyo eroeffnet haben, verschanzt sich unser Herr Botschafter leider mit seinem Team weiterhin viele hundert Kilometer entfernt in Osaka. Und das in einem Jahr wo offiziell 150 Jahre Deutsch-Japanische Beziehungen gefeiert werden sollen! Es ist nun leider zu befuerchten, dass das Deutschlandbild vieler Japaner nachhaltig beschaedigt wird!
Also Herr Westerwelle, wenn Sie wirklich helfen wollen, dann nehmen Sie endlich die Reisewarnung zurueck !

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