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02.06.2013

21:21 Uhr

Gegen EU-Pläne

Regierung will an kleinen Cent-Münzen festhalten

Viele Bürger finden die vielen kleinen Ein- und Zwei-Cent-Münzen in der Geldbörse lästig. Die EU erwägt die Abschaffung der Münzen - Vorbild ist Finnland. Aus deutscher Sicht soll indes alles beim Alten bleiben.

Ein- und Zwei-Cent-Münzen in einer roten Geldbörse: Soll das Kupfergeld verschwinden? dpa

Ein- und Zwei-Cent-Münzen in einer roten Geldbörse: Soll das Kupfergeld verschwinden?

Berlin/BrüsselGeht es nach den Deutschen, dann werden auch künftig kleine Kupfermünzen in den Portemonnaies klimpern. Einem Bericht der „Bild am Sonntag“ zufolge macht sich die Bundesregierung für einen Erhalt der Ein- und Zwei-Cent-Münzen stark. In einer Entscheidungsvorlage für Wirtschafts-Staatssekretär Bernhard Heitzer heiße es, die Bevölkerung habe eine „positive Einstellung“ zu den Kleinmünzen und eine Abschaffung berge das Risiko einer von den Bürgern „gefühlten Inflation“.

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums wollte den Bericht am Sonntag nicht kommentieren und sprach von einem „internen Vermerk“. Sie verwies darauf, dass der Meinungsbildungsprozess in der EU noch nicht abgeschlossen sei. „Aus mehreren Gründen“ spreche jedoch aus Sicht des Wirtschafts- und des Finanzministeriums „vieles für die Beibehaltung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen.

Was hinter den Brüsseler Plänen zum Abschied vom Kupfergeld steckt

Warum ist die Abschaffung im Gespräch?

Weil die Preise für die Rohstoffe Kupfer und Stahl drastisch gestiegen sind. Daher sind die Kosten der Produktion von Ein- und Zwei-Cent-Münzen höher als ihr Nennwert. Die EU-Kommission beziffert die Differenz seit Einführung des Euro-Bargeldes im Jahr 2002 auf rund 1,4 Milliarden Euro. Seit 2002 haben die Länder der Eurozone insgesamt fast 46 Milliarden Ein- und Zwei-Cent-Münzen ausgegeben.

Was schlägt die EU-Kommission vor?

Die EU-Experten nennen vier Optionen: Erstens weitermachen wie bisher. Zweitens könnte man die Kosten senken, indem die materielle Zusammensetzung der Cent-Stücke geändert wird. Drittens wird an einen langsamer Ausstieg gedacht, bei dem die Kleinmünzen nach und nach verschwinden. Als viertes Szenario gilt der schnelle Ausstieg: Die Ausgabe der Münzen würde eingestellt und die bereits im Umlauf befindlichen Münzen von Händlern und Banken eingezogen.

Worin liegt der Sinn der kleinen Münzen?

Sie haben vor allem psychologische Bedeutung für den Handel, weil sie sogenannte Schwellenpreise von 99 Cent oder 2,99 Euro möglich machen. Dies ist ein besserer Kaufanreiz als ein runder Preis von 1 oder 3 Euro. Allerdings sind die kleinen Münzen für Einzelhändler oft auch eine Last und erschweren wegen ihres Gewichts und Volumens Geldtransporte.

Was spricht für die Abschaffung kleiner Münzen?

An der Kasse im Supermarkt würde es schneller gehen, wenn der Kunde keine Cent-Stücke mehr zusammensuchen müsste. Verbraucher könnten die Summe ihres Einkaufs leichter berechnen - und ihr Portemonnaie würde dünner.

Wie stehen die Europäer zu den Münzen?

Ganz unterschiedlich. Deutschland gilt als Land der „Pfennigfuchser“. Laut einer Umfrage der Bundesbank stimmen 91 Prozent der Bevölkerung dem Spruch zu: „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.“ Viele Deutsche verwenden die Münzen ganz normal zum Bezahlen. Die Bundesbank lehnt die Abschaffung der kleinen Münzen ab und argumentiert, die Ein- und Zwei-Cent-Münzen würden sich an der Tradition der D-Mark und des Pfennigs orientieren. Finnland verzichtet dagegen schon seit 2002 auf die Kleinmünzen im Umlauf, weil sie als unpraktisch gelten. Beträge werden dort gerundet. In den Niederlanden runden Geschäfte die Preise seit 2004 auf fünf Cent.

Wie geht es jetzt weiter?

Die EU-Kommission holt die Meinungen der EU-Regierungen ein und wird einen entsprechenden Gesetzesvorschlag machen. Eine Frist dafür gibt es nicht. Unterstützung kommt aus dem Europäischen Parlament, das bereits 2012 die Überprüfung der Cent-Münzen gefordert hatte.

Steht auch die Abschaffung von Euro-Scheinen in Frage?

Ja, und zwar die des 500-Euro-Scheins - aber aus anderen Gründen. Der violette Geldschein steht im Ruf, von Steuerhinterziehern und Kriminellen benutzt zu werden, um keine Spuren mit elektronischen Überweisungen zu hinterlassen. Die Europäische Zentralbank (EZB) kann sich daher eine Abschaffung vorstellen. „Das ist sicherlich eine Diskussion wert“, sagte EZB-Vizepräsident Vitor Constancio im April im Europaparlament. Denn die größte Euro-Banknote tauche im täglichen Leben kaum auf: „Es ist etwas, wovon die Leute gewöhnlich keinen Gebrauch machen, so dass das Zahlungssystem so etwas wohl nicht so dringend braucht.“

Was ändert sich bei den Euro-Scheinen noch?

Derzeit bringen Europas Währungshüter gerade die neue 5-Euro-Note unters Volk. Die zweite Banknoten-Generation ist wegen neuer Sicherheitsmerkmale fälschungssicherer. Später sollen auch weitere neue Banknoten eingeführt werden.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte sich bereits Mitte Mai gegen Brüsseler Pläne zur Abschaffung kleiner Cent-Münzen ausgesprochen. „In der deutschen Bevölkerung besteht der Wunsch, an den Kleinmünzen festzuhalten. Ich persönlich kann mich dem nur anschließen“, hatte Weidmann gesagt.

Hintergrund der Pläne, die die EU-Behörde jüngst vorgestellt hatte, sind die Kosten für die Herstellung der kupfernen Ein- und Zwei-Cent-Münzen. Die Produktion ist nach Angaben der Kommission angesichts der hohen Rohstoffpreise für die Staaten ein Verlustgeschäft.

Über eine mögliche Abschaffung von Ein- und Zwei-Cent-Münzen ist allerdings noch längst nicht entschieden. Vier Szenarien nennt die EU-Kommission: Erstens weitermachen wie bisher. Zweitens könnte man die Kosten senken, indem die materielle Zusammensetzung der Cent-Stücke geändert wird. Drittens wird an einen langsamen Ausstieg gedacht, bei dem die Kleinmünzen nach und nach verschwinden. Als viertes Szenario gilt der schnelle Ausstieg: Die Ausgabe der Münzen würde eingestellt und die bereits im Umlauf befindlichen Münzen von Händlern und Banken eingezogen.

Von

dpa

Kommentare (5)

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kraehendienst

02.06.2013, 22:04 Uhr

EU=Europäischer Untergang. Der EURO ist die Monopolywährung dieses Untergangs, dieser Tragödie ohne professionelle Regie! Untergang europäischer Kulturgeschichte in ihrer Vielfalt und eine bodenlos freche Gleichmacherei über alle Nationen hinweg (alle Bürger: EU-Ausweis, nicht "Reisepass der Republik..."!!) sind "Weltbürger" - ach wie toll!!...sie sind defacto: ENTRECHTET! Dann sollen ALLE bitte ein digitales Konto haben - damit Schäuble & Co zypriotisch, wie Schäuble auch bestätigte am besten an einem Freitag zum Wochenende, darauf zugreifen können! Vertrauenswürdig! So kann Wachstum entstehen. Aber das soll ja garnicht sein. 60% der Bevölkerung sollen 2030 verarmt sein und bangladeshi-sch leben, in Wellblechhütten, ohne Strom weil zu teuer...ausgehungert sein. Den Rest kann man sehr gut kontrollieren. Alternativlos wird dieser Weg an die Wand, diese durch die Wucht der Eliten nieder gefahren. Für den Einen ist die Wand Hartz-4, den anderen seine Dividenden, den Dritten sind es Renten...Europa braucht den EURO nicht sondern die USA, Brüssel, die INVESTOREN und die neue Weltregierung brauchen den EURO
um ihn 1:1 zum USD zu inflationieren. Um Europa mürbe und arm zu machen

Account gelöscht!

02.06.2013, 22:12 Uhr

Eurokraten wollen 1- und 2-Cent Münzen abschaffen.
Da sin nichts mehr Wert sind. Als nächstes sind die 5-Cent Münzen dran. Dann wird der TEuro seinem Ruf als Inflationswährung gerecht.
Da für die "Banca d'Italia" (ehemals EZB) die kleinste Rechnungseinheit (noch) 1 Milliarde ist; bald ist es 1 Billion; ist dal "Kleingeld" nur störend.

burrito

02.06.2013, 23:49 Uhr

Abschaffen!

Nostalgisches Gejammer der Rentnergeneration sorgt nur für schwere Portemonnaies... Wenn nicht gerade Wahljahr wäre, hätte die Regierung bestimmt kein Problem damit.

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