Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.05.2017

08:34 Uhr

Gegen von der Leyens Anweisung

CSU verteidigt Wehrmachtstraditionen

Wie stark darf sich die Bundeswehr in ihren Traditionen auf die Wehrmacht beziehen? Die Verteidigungsministerin will einen klaren Schnitt, die CSU sieht darin eine „Pauschalverurteilung“ der Soldaten.

Die Wehrmacht dürfe in keiner Form traditionsstiftend für die Bundeswehr sein so die Verteidigungsministerin. Die CSU warnt nun vor Pauschalisierungen. dpa

Ursula von der Leyen

Die Wehrmacht dürfe in keiner Form traditionsstiftend für die Bundeswehr sein so die Verteidigungsministerin. Die CSU warnt nun vor Pauschalisierungen.

BerlinIn der Debatte über Rechtsextremisten in der Bundeswehr wehren sich CSU-Politiker dagegen, jedes Andenken an die Wehrmacht und ihre Soldaten in Bausch und Bogen zu verurteilen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) fälle mit dem Satz, die Wehrmacht dürfe in keiner Form traditionsstiftend für die Bundeswehr sein, „ein totales Unwerturteil“ über deren Soldaten, schreibt der Justiziar der Unionsfraktion im Bundestag, Hans-Peter Uhl, in einem Gastbeitrag für den „Münchner Merkur“ (Dienstag). Politischer Missbrauch der Wehrmacht durch die Nationalsozialisten dürfe nicht zu einer „Pauschalverurteilung“ führen. „Dies fordert die Achtung gegenüber unseren Vätern und Großvätern.“

Uhl sagte, die Bewertung von der Leyens stehe in einem bemerkenswerten Widerspruch zu abgewogeneren Äußerungen von deutscher und ausländischer Seite. Politiker von Frankreichs Ex-Präsident Mitterrand bis zum ehemaligen US-Präsidenten Eisenhower hätten die Wehrmacht differenzierter beurteilt.

Reformen in den „eigenen Reihen“

So drastisch will von der Leyen die Bundeswehr umkrempeln

Reformen in den „eigenen Reihen“: Reformen in den „eigenen Reihen“ – so will von der Leyen die Bundeswehr umkrempeln

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU) sagte dem „Münchner Merkur“, Millionen Deutsche bewahrten Fotos ihrer Väter in Wehrmachtsuniform auf. Diese seien „unter der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten eingezogen“ worden. „Eine pauschale Verurteilung ihrer Väter empfinden viele Deutsche als ungerecht.“

Als Zeichen für einen neuen Umgang der Bundeswehr mit ihrer Tradition will die Verteidigungsministerin auch Kasernen mit den Namen von Wehrmachtsoffizieren umbenennen. Die Truppe müsse nach innen und außen klar signalisieren, dass sie nicht in der Tradition der Wehrmacht stehe.

Landser-Romantik und Hakenkreuze: Die Bundeswehr und der Geist der Wehrmacht

Landser-Romantik und Hakenkreuze

Die Bundeswehr und der Geist der Wehrmacht

Die Wehrmacht ist nicht traditionsstiftend für die Bundeswehr. Das hat die Verteidigungsministerin vor wenigen Tagen klargestellt. Helme, Waffen und Devotionalien in Kasernen sprechen eine andere Sprache.

Im Zuge der Affäre des unter Terrorverdacht stehenden rechtsextremen Oberleutnants Franco A. lässt von der Leyen (CDU) Kasernen auch nach Andenken an die Wehrmacht durchsuchen.

In diesem Zusammenhang ließ die Bundeswehr-Universität auch ein Bild des 2015 gestorbenen Altkanzlers Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform aus dem Flur eines Studentenwohnheims entfernen. Das rügte der ehemalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD). „Das ist billig. Mehr noch, es ist empörend“, schreibt Scharping in einem Gastbeitrag für die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (Dienstag). „Hexenverbrennung hätte man das früher wohl genannt.“ Er sprach von einer „bilderstürmerischen Aktion“.

Von

dpa

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Holger Narrog

16.05.2017, 09:00 Uhr

Ich vermute dem Politiksystem geht es bei der aktuellen Initiative um eine ideologische Gleichschaltung der Bundeswehr dem Beispiel Erdogans folgend.

Ich nehme an, dass Fr. Merkel und Genossen die Gleichschaltung der türkischen Streitkräfte durch Erdogan sehr bewundern und dies angepasst, zu adaptieren suchen.

Sachlich ist das Offiziers- und Unteroffizierskorps gem. eigenen Erlebens politisch eher konservativ eingestellt. Damit sind Werte der 60er Jahre, Franz Josef Strauss, Helmut Schmidt gemeint. Das ist entsprechend der aktuellen ideologischen Ausrichtung des Politiksystems rechtsradikal, bzw. schreit nach ideologischer "Erziehung" und Gleichschaltung.

Die Ideologie der 30er Jahre ist vom Zeitablauf weitgehend überholt und gem. eigenen Erlebens nicht in der Bundeswehr verankert.

Die ständige Thematisierung der Ideologie der 30er Jahre zeigt eine mangelnde Souveranität des heutigen Politiksystems. Die aktuelle Ideologie ist sehr arm an Argumenten und so nutzt man dies als Mittel um eher konservative Geisteshaltungen die nichts mit der damaligen Ideologie zu haben argumentationsfrei zu bekämpfen.

Herr Paul Kersey

16.05.2017, 09:37 Uhr

UvdL ist eine Verwaltungsbürokratin, ohne jeden Instinkt für ihre Untergebenen.
Sie ist ein typisches Beispiel dafür, was passiert, wenn man eine ungediente Ärztin und pure Machtpolitikerin als Dienstherrin einer Armee einsetzt, deren Auftrag letzten Endes das Töten bleibt, gleichgültig wie euphemistisch man diesen Auftrag am Ende auch bezeichnet. Soldaten sind keine Pazifisten und dürfen auch keine sein. Soldaten benötigen ein Heldentum, als Rechtfertigung für ein Handeln, das jeden einzelnen in schwere moarlische Konfliktsituationen bringen kann. Die Bundeswehr konnte bis in die 90er Jahre dieses Heldentum nicht liefern, weil sie im Kalten Krieg letzten Endes ein Dasein in ihren Kasernen gefristet hat. Das war gut für die Welt, führt aber eben dazu, dass man sich seine Helden woanders suchen musste. Und gekämpft haben als letzte deutsche Soldaten nun mal unsere Großväter und zwar unter Bedingungen, die aus heutiger Sicht vollkommen unvorstellbar in der modernen Kriegsführung sind. Gegen den eigenen Willen, mit mangelhaftester Ausrüstung, in extremsten Wetterbedingungen gegen einen übermächtigen Gegner, verraten von der eigenen Führung. Ich zitiere Adolf Hitler: "Die 6. Armee hat tot zu sein". Wenn diese Männer in Stalingrad (von ursprünglich 300.000 kehrten 6.000 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft) zurück, keine Helden waren (feige Generäle wie Paulus natürlich ausgenommen), dann gibt es kein soldatisches Heldentum, nirgendwo auf dieser Welt. Ursula kann und wird das mit ihrem kleinen Gehirn natürlich nie verstehen.

Herr Holger Narrog

16.05.2017, 09:53 Uhr

Hallo Herr Kersey...GFM Manstein hatte die Deutschen Verluste des Kessels von Stalingrad auf 170.000 Mann inklusive der 90.000 in Gefangenschaft geratenen geschätzt. Grund, neben den Anteilen verbündeter Armeen, russischer Freiwilliger, 30000 Ausgeflogenen wurde die Stärke der Einheiten vielfach nicht zeitnah angepasst um höhere Verpflegungssätze, Marketenderwaren (Schnaps, Zigaretten) zu erhalten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×