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24.05.2017

13:43 Uhr

Gehaltsentwicklung

Besserverdienende erzielen höhere Lohnzuwächse

Die Reichen werden immer reicher? Laut einer DIW-Studie sind Besserverdienende auch bei den Lohnzuwächsen Sitze. Die Einkommensschere aber geht nicht weiter auf: Auch für die untersten Lohngruppen geht es aufwärts.

Unterm Strich verzeichnen Besserverdienende die größten Lohnzuwächse. dpa

Lohn- und Gehaltsabrechnung

Unterm Strich verzeichnen Besserverdienende die größten Lohnzuwächse.

BerlinBesserverdienende sind nach einer Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bei der Lohnentwicklung vorne. „Am besten schnitten sowohl in der kurzen wie auch der längeren Frist die Beschäftigten am oberen Ende des Lohnskala ab“, hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten DIW-Studie.

Auffallend sei gewesen, dass nach 2010 die Steigerungen der mittleren Lohngruppen unterdurchschnittlich ausgefallen seien, sagte DIW-Forschungsdirektor Alexander Kritikos. Insgesamt seien die realen Bruttostundenlöhne der Beschäftigten seit 1995 für die unteren 40 Prozent gefallen, für die oberen 50 Prozent gestiegen.

Studie zur Kluft zwischen Arm und Reich

Armeanteil

Der Anteil der Armen ist in den vergangenen Jahren gestiegen – von 11 Prozent 1993 über 13,1 Prozent 2003 bis auf 15,3 Prozent 2013. Gemessen werden die Personen mit weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen mittleren Einkommens.

Aufstiegschancen

Jeder Zweite, der 2009 arm war, war dies auch 2013. Rund 36 Prozent schafften es in die untere Mitte, sieben Prozent in die obere Mitte, sechs Prozent weiter nach oben. Rund 20 Jahre zuvor, im Vergleich von 1991 zu 1995, lag der Anteil der Aufsteiger in die untere Mitte mit 47 Prozent noch deutlich darüber, nur 42 Prozent waren damals arm geblieben.

Mittelschicht

Rund 57 Prozent der Angehörigen der oberen Mitte blieben zuletzt binnen fünf Jahren, wo sie bereits standen, 24 Prozent sackten ab, rund 20 Prozent gelang ein weiterer Aufstieg. Knapp 20 Jahre vorher blieb die Lage bei rund 54 Prozent konstant, für 31 Prozent ging es bergab, 15 Prozent konnten sich verbessern.

Ostdeutschland

Die ostdeutsche Einkommensverteilung hat sich seit den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung stark verfestigt. Damals ging es für viele Arme zunächst bergauf, für Reiche erst einmal bergab. Zuletzt blieben fast doppelt so viele Personen über fünf Jahre hinweg arm, nämlich 54 Prozent der Armen. Auch in der obersten Klasse hat sich der Anteil jener, die geblieben sind, annähernd verdoppelt – auf 52 Prozent. Abstiegsrisiken für Personen in der oberen Mitte sind zurückgegangen.

Stagnation

Nur rund 30 Prozent der Menschen, die von 2009 bis 2013 aus Armut aufsteigen, sind Migranten. Bei denen, die arm bleiben, sind es fast 36 Prozent. Mehr als 63 Prozent der arm Bleibenden haben maximal einen Hauptschulabschluss. Bei denen, die aufsteigen, sind es nur 39 Prozent. Zudem überwiegen Rentner unter den Personen, die arm bleiben. Wer aufsteigt, ist im Vergleich zu denen, denen der Aufstieg nicht gelingt, häufiger Arbeiter und vor allem häufiger Angestellter.

Schulabschluss

Migranten sind unter jenen, die aus der Mitte in Armut absteigen, am stärksten vertreten. Und fast zwei von drei derer, die aus der Mitte zu den Reichen aufsteigen, haben Abitur, fast jeder Zweite von ihnen hat einen Universitäts- oder Fachhochschulabschluss. Mehr als jeder zweite Aufsteiger arbeitet als Angestellter – bei Absteigern sind es lediglich 16 Prozent. Erstere sind auch deutlich häufiger Selbständige oder Beamte.

Soziale Mobilität

In den Wirtschaftswunderjahren nahm die soziale Mobilität in Deutschland ein vorher nie gekanntes Ausmaß an. Für die meisten ging es deutlich nach oben – Soziologen verglichen die Entwicklung mit einem Fahrstuhl. Vor allem im Vergleich zur vorangegangenen Generation ging es den meisten besser. Bereits für die Geburtenjahrgänge ab den 60er Jahren gilt anderes: Das Risiko, gegenüber dem eigenen Elternhaushalt sozial abzusteigen, ist gestiegen. Wie die neue Studie zeigt, bleibt bei vielen die Einkommenslage derzeit über Jahre gleich, mit wachsender Tendenz – der Fahrstuhl stockt.

Die Schere zwischen den niedrigsten und den höchsten Bruttostundenlöhnen ging in den vergangenen Jahren allerdings nicht weiter auf. In den Jahren vor der 2007 einsetzenden Finanzkrise hatte sie sich noch geöffnet. „Der Trend einer zunehmenden Lohnspreizung ist bei den Stundenverdiensten offenbar um das Jahr 2010 herum zum Stillstand gekommen“, sagte der DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke.

Dass es auch bei niedrigen Löhnen inzwischen wieder aufwärtsgeht, hat laut DIW mehrere Gründe. So habe der Mindestlohn im Jahr 2015 die untersten Gruppen „kräftig angeschoben“. Allerdings seien hier auch schon zuvor Erhöhungen erzielt worden. Geändert habe sich zwischen 2010 und 2015 auch die Struktur der Gruppe der Geringentlohnten: Zu ihr zählten inzwischen prozentual mehr Beschäftigte aus West- und dafür weniger aus Ostdeutschland.

Von

rtr

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