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02.03.2006

14:11 Uhr

Geheimtreffen im Kanzleramt

Merkel und Merz sind auf Schmusekurs

Angela Merkel und Friedrich Merz wollen offenbar Frieden schließen. Beide haben sich laut Unions-Bundestagsfraktion jüngst zu einem einstündigen Gespräch Kanzleramt getroffen. Doch in Berlin wird gemunkelt, Merz' Charmeattacke für die CDU-Chefin sei nicht ohne Hintergedanken.

Versöhnung zwischen den Erzfeinden? Merkel und Merz sollen sich ausgesprochen haben. Foto: dpa dpa

Versöhnung zwischen den Erzfeinden? Merkel und Merz sollen sich ausgesprochen haben. Foto: dpa

HB BERLIN. Das Verhältnis zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem früheren Unions-Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz entspannt sich. Aus der Unions-Bundestagsfraktion wurde am Donnerstag ein Bericht der „Bild“-Zeitung vom selben Tag bestätigt, wonach sich beide „in letzter Zeit“ zu einem einstündigen Gespräch im Berliner Kanzleramt getroffen hätten. Das Blatt sprach von einer „Versöhnung“ und davon, dass „die Grundlagen für eine sachliche Zusammenarbeit geschaffen“ worden seien.

Unklar blieb indes, wie diese Zusammenarbeit in Zukunft aussehen soll. Das Verhältnis der beiden CDU-Spitzenpolitiker galt lange Zeit als zerrüttet, nachdem sich Merz im Herbst 2004 vom Amt des Vize- Fraktionschefs zurückgezogen und damit die Bundes- und Fraktionsvorsitzende Merkel in Schwierigkeiten gebracht hatte. Nach der Bundestagswahl 2002 hatte Merkel zuvor den vor allem in der Wirtschaft geschätzten Merz vom Fraktionsvorsitz verdrängt. Der Bundestagsabgeordnete nimmt derzeit keine zentrale Rolle in Partei und Fraktion ein.

Die Entspannung des Verhältnisses hatte sich schon in den vergangenen Wochen angedeutet. Merz hatte Merkel nach ihrer Wahl zur Kanzlerin telefonisch gratuliert. Dies war in der Union als erstes Zeichen gewertet worden, dass die Differenzen ausgeräumt werden könnten. Auch seine Karnevalattacken nahm die Kanzlerin dem Finanzexperten offenbar nicht übel. Als er beim Aachener Narrenfest mit dem Orden „Wider dem tierischen Ernst" ausgezeichnet wurde, hatte er bei zahlreichen Merkel-Witzen die Lacher auf seiner Seite. Unter anderem amüsierte er sich dabei über Merkels angebliche „selbstgehäkelte Hausschuhe“ und wollte den "Asylantrag der Ostdeutschen wohlwollend prüfen".

Gemunkelt wird in Berlin allerdings auch, dass es sich um ein rein strategisches Friedensangebot handelt. Ohne Zugang zur Kanzlerin hat Merz nämlich keine Chance, zurück in die erste Reihe der CDU zu gelangen und dann seine Vorstellungen einer Unternehmenssteurerform zu verwirklichen.

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